Jetzt hat sie geschlagen: die Stunde der menschenähnlichen Roboter. Die „Humanoiden“ haben kürzlich auf der World Artificial Intelligence Conference (WAIC) in Shanghai allen anderen Robotern die Show gestohlen.
Die jüngsten Fortschritte auf dem Feld der künstlichen Intelligenz könnten eine völlig neue Epoche für humanoide Roboter einleiten, glaubt man in China.
(Bild: Tatiana - stock.adobe.com)
Selbstbewusst wie ein Fashion-Model lief der pechschwarze Zweibeiner „GR-1“ des chinesischen Start-ups Fourier Intelligence auf seinen zwei schlanken Beinen über die Flure der Messe. Der 1,65 Meter große Roboter wiegt selbst 55 Kilogramm, kann Gewichte von bis zu 50 Kilogramm tragen und läuft mit einer Geschwindigkeit von bis zu 6,5 km/h.
Die jüngsten Fortschritte auf dem Feld der künstlichen Intelligenz, vor allem von Large Language Models (LLM) wie Chat-GPT, könnten eine „völlig neue Epoche“ für humanoide Roboter einleiten, glaubt der Erfinder des GR-1, Alex Gu. „LLM wird Robotern die Fähigkeit zum logischen Denken geben und sie viel menschenähnlicher machen“, sagte Gu in einem Interview mit der South China Morning Post.
Zeitnahe Serienfertigung geplant
Bis Ende dieses Jahres will Gu mit der Serienfertigung seiner Roboter beginnen und hofft, nächstes Jahr bereits Tausende davon auszuliefern. Mit diesem Zeitplan hätte er dann sogar Elon Musk geschlagen, der seinen humanoiden Prototypen „Optimus“ vergangenes Jahr auf der Bühne tanzen ließ. Mögliche Anwendungen für den Humanoiden sieht der chinesische Erfinder in der Altenpflege, im Erziehungswesen und beim Gästeempfang an der Rezeption.
Das Start-up Fourier Intelligence, benannt nach dem französischen Mathematiker und Physiker Joseph Fourier aus dem 19. Jahrhundert, hatte eigentlich mit dem Bau computergesteuerter medizinischer Prothesen begonnen, die es Patienten ermöglichen, ihre paralysierten Arme und Beine wieder zu bewegen. Diese Erfahrung erwies sich als nützlich, als Alex Gu, der an der Jiatong-Universität in Shanghai Maschinenbau studiert hat, seinen Traum vom zweibeinigen Roboter zu verfolgen begann. „Viele Technologien, die in Rehabilitationsrobotern angewendet werden, sind im Wesentlichen auch für humanoide Roboter geeignet“, sagt Gu. „Humanoide Roboter brauchen sehr gute Motoren, die ebenso leistungsstark wie leicht sind.“
Gu erinnert sich noch gut an den Moment, als sein GR-1 nach mehrjährigen Experimenten in einem kleinen Workshop in Shanghai erstmals aufstand. Es war eine bewegende Erfahrung für das ganze Team von Ingenieuren:
Es fühlte sich an, als ob man ein neugeborenes Baby aufzieht.
Roboter werden immer smarter
Auch auf der World Robot Conference (WRC 2023) in Peking waren Mitte August mehr als ein Dutzend humanoide Roboter zu bewundern. Zum Beispiel der 1,80 Meter große, mit Laser-Radar ausgestattete Humanoid „Unitree H1“. Er kann einen Tritt antizipieren und entsprechend ausweichen. Wird er umgestoßen, findet er sehr schnell wieder auf die Beine. Unitree H1 war so beeindruckend, dass der Messebesucher Andrej Karpathy, ein Mitgründer von Open-AI, dem Entwickler von Chat-GPT, ihn gleich mit nach Hause nehmen wollte.
Ich will einen. Oder zwei. Ein paar davon!
Karpathy zu einem Reporter der Nachrichtenagentur Xinhua
Der chinesische Tech-Konzern Xiaomi zeigte auf der Pekinger Messe seinen „Cyberone“, einen 1,70 Meter großen Humanoiden, der die Gefühle seines Gegenübers entdecken kann. Der Hersteller von Mobiltelefonen und Elektrogeräten plant, ihn in seinen Fabriken bei der Fertigung einzusetzen. Das ist eine ähnliche Vision wie diejenige Elon Musks. Sein Optimus soll den Menschen auch bei „langweiligen, repetitiven oder gefährlichen Aufgaben“ helfen.
Doch dank der neuen Large Language Models werden die Roboter nun auch immer smarter, was das Interesse an ihrer Entwicklung und auch das Interesse von Investoren neu belebt hat.
Sollte es Fourier Intelligence in Shanghai tatsächlich beginnen, ab Ende dieses Jahres oder im nächsten Jahr Tausende humanoider Roboter zu fertigen, dann wäre dies nach jetzigem Stand der Beginn der industriellen Kommerzialisierung dieser Spezies, die bislang nur als Prototyp oder in Science-Fiction-Filmen unterwegs war.
Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partnerportal konstruktionspraxis erschienen.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.