Mobile-Menu

Geschäftsbetrieb auch unter schwierigen Bedingungen Digitale Resilienz hält Unternehmen handlungsfähig

Ein Gastbeitrag von Dr. Marc Wilczek* 4 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Internetausfälle stoppen digitale Geschäftsprozesse in kurzer Zeit. Digitale Resilienz verlangt deshalb mehr als Backups und IT-Security. Entscheidend sind Georedundanz und automatischer Failover. Sie sind die Grundlage für einen sicheren Betrieb auch im Ernstfall.

Jede digitale Infrastruktur braucht eine Architektur, die Störungen einkalkuliert und vorhersieht.(Bild:  KI-generiert)
Jede digitale Infrastruktur braucht eine Architektur, die Störungen einkalkuliert und vorhersieht.
(Bild: KI-generiert)

Fehler passieren: Eine Störung bei einem Cloud-Anbieter legte in einer Kettenreaktion weltweit zahlreiche Onlinedienste lahm. Eine Konfigurationsänderung führte zu Störungen von SaaS-Lösungen. Aufgrund technischer Probleme in der Domain-Verwaltung waren Millionen deutscher Websites für mehrere Stunden nicht erreichbar. Hinzu kommen lokale Ausfälle, die für Unternehmen ebenso kritisch wie ein großflächiger Ausfall sind.

Internetausfälle haben für die Wirtschaft erhebliche Folgen. Bereits nach kurzer Zeit führen sie zum Stopp des Geschäftsbetriebs. Eine Bitkom-Befragung zeigt das Ausmaß der Abhängigkeit. Im Durchschnitt können die befragten Unternehmen ohne Internet nur 20 Stunden weiterarbeiten. 21 Prozent müssten die Arbeit sogar sofort einstellen. Diese Zahlen zeigen eine Schwäche vieler digitaler Geschäftsmodelle: Der Betrieb funktioniert nur, solange Konnektivität, Cloud-Dienste und zentrale Plattformen verfügbar sind.

Cybersecurity allein sichert den Betrieb nicht

Viele Unternehmen richten ihren Blick primär auf die IT-Security und investieren dort. Firewalls, Zugriffsschutz, Angriffserkennung und Datensicherungen gehören häufig zur Grundausstattung der IT. Allerdings folgt daraus nicht zwingend eine belastbare digitale Infrastruktur, denn ein Unternehmen kann dennoch ohne Internetzugang handlungsunfähig werden. Kurz: Trotz Cybersecurity riskieren Unternehmen eine Resilienzlücke.

Sie zeigt sich, wenn gewohnte Prozesse plötzlich nicht mehr funktionieren. Die Beschäftigten erreichen keine Anwendungen, Maschinen erhalten keine Daten. Infolgedessen bleiben beispielsweise Bestellungen liegen, und zeitabhängige Überweisungen an Geschäftspartner können nicht mehr ausgeführt werden. Bedingt durch die Digitalisierung, sind letztlich alle Bereiche eines Unternehmens von einem Internetausfall betroffen.

Kritisch sind vor allem Abhängigkeiten, die im Alltag kaum auffallen. Das sind beispielsweise Authentifizierungsdienste, wichtige Netzwerkverbindungen zu Niederlassungen oder Maschinen und externe Schnittstellen zu Dienstleistern oder in die Lieferkette. Diese Resilienzlücke ist nicht so leicht zu schließen. Kern einer Resilienz-Strategie ist das Vermeiden von Datenverlusten. Das reicht aber bei weitem nicht aus. Denn ein Backup sorgt nicht dafür, dass Anwendungen erreichbar bleiben und Prozesse weiterlaufen.

Georedundanz schafft Ausfallsicherheit

Resilienz kann nur mit einer passenden IT-Architektur erreicht werden. Unternehmen müssen sich die Frage stellen, welche Geschäftsprozesse unter allen Umständen weiterlaufen müssen. Die Antwort darauf definiert die technischen Prioritäten. Für jede kritische Anwendung ist eine realistische Überlegung für die zulässige Ausfallzeit und den vertretbaren Datenverlust notwendig. Erst dann lässt sich entscheiden, welche Systeme hoch verfügbar sein müssen oder wo ein zeitlich verzögerter Wiederanlauf ausreicht.

Die Grundlage dafür ist eine sogenannte georedundante Cloud-Architektur. Ihr Grundprinzip lautet: Kritische Systeme und Daten liegen nicht in einem einzigen Ausfallbereich. Sie verteilen sich auf getrennte Standorte oder Regionen. Ob der Schutz begrenzt ist, erkennt man daran, dass zwei Systeme sich im selben Gebäude, am selben Stromanschluss oder an derselben Netzwerkverbindung befinden. Echte Georedundanz hingegen entsteht, wenn es getrennte Rechenzentren und alternative Verbindungswege gibt.

Doch damit ist nur das Fundament gegossen. Für wirkliche Resilienz sorgt erst ein automatischer Wechsel auf ein Ersatzsystem. Dieser geplante Failover verhindert, dass im Krisenfall unter Zeitdruck nach einer Lösung gesucht werden muss. Die gesamte IT-Infrastruktur muss über Monitoring-Tools Ausfälle selbsttätig erkennen und nach festgelegten Regeln auf eine funktionsfähige Umgebung umschalten.

Wiederanlauf braucht Tests und klare Abläufe

Irgendwann ist auch die hartnäckigste Störung beendet. Nun geht es um die kontrollierte Wiederherstellung, denn Hochverfügbarkeit ersetzt keine Wiederanlaufstrategie. Die gespiegelte Umgebung wird kontrolliert auf die alten Systeme zurückübertragen.

Die Vorgehensweise dabei sollte aber erprobt sowie alle Funktionen und Prozesse möglichst regelmäßig überprüft werden. Zudem muss der vollständige Geschäftsprozess auch in der Ersatzumgebung funktionieren. Dazu gehören alle Schnittstellen und Verbindungen zu Dienstleistern oder Geschäftspartnern. Viele Notfallkonzepte scheitern an einer kleinen Abhängigkeit, die bei der Planung übersehen wurde.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu Data-Storage und -Management

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Wenn der Notfall vorbei ist, verbietet sich jedoch die sofortige Umschaltung in die originale Umgebung. Denn nach einem Cyberangriff oder einer fehlerhaften Datenänderung kann die gespiegelte Umgebung dieselben Schäden enthalten wie das Ursprungssystem. Deshalb ist es erforderlich, funktionierende Wiederherstellungswege auszuarbeiten, die ebenfalls Prüfungen benötigen. Zudem sollten Unternehmen in Restore-Tests herausfinden, wie lange die Rückkehr in einen sicheren Betriebszustand dauert. Unternehmen müssen sich klar werden: Ein nicht getesteter Notfallplan sagt lediglich: „Es wird schon gut gehen.“

Digitale Souveränität schafft Handlungsspielraum

Eng verbunden mit der Resilienz ist die digitale Souveränität. Ein Unternehmen bleibt im Krisenfall nur dann handlungsfähig, wenn es die Kontrolle über Daten und Anwendungen behält. Das bedeutet nicht unbedingt die vollständige Unabhängigkeit von externen Anbietern. Vielmehr braucht es eine echte Wahlmöglichkeit und die Fähigkeit, Alternativen technisch und organisatorisch zu nutzen. Denn die enge Anbindung an proprietäre Funktionen eines Anbieters verhindert den raschen Failover.

Daran wird deutlich, dass Resilienz kein Sahnehäubchen auf der Digitalisierung ist. Sie darf nicht erst nach einem größeren Vorfall zum Thema werden. Jede digitale Infrastruktur braucht eine Architektur, die Störungen einkalkuliert und vorhersieht. Die IT-Systeme müssen rasch auf Ersatzumgebungen wechseln und anschließend kontrolliert wiederhergestellt werden. Erst mit dieser Fähigkeit sind sie das Fundament für digitale Geschäftsprozesse. Resilienz bedeutet in dieser Hinsicht: Das Geschäft läuft auch unter schwierigen Bedingungen.

* Der Autor: Dr. Marc Wilczek, CEO von plusserver

Aktuelles E-Book

Speichern am Netzwerkrand: Edge-Storage

 E-Book Edge-Storage
E-Book „Edge-Storage“
(Bild: Storage-Insider)

Speicherkapazitäten am Netzwerkrand werden immer häufiger genutzt, denn die Zahl der Geräte, die am Edge eingesetzt werden, vervielfacht sich. Ein Edge-Storage kann dabei vielfältig verwendet werden.

Die Themen im Überblick:

  • Einsatzbereiche: Der Netzwerkrand ist (fast) überall
  • Technologien bei der Edge-Storage-Nutzung
  • Lösungen, Produkte und Kostenaspekte von Edge-Storage

(ID:50905103)