Storage-Insider Service: Ein Blick unter die Haube von Synology DSM 6.0, Teil 1

Synology macht das NAS sicher und integriert Mailserver und Spreadsheets für das Team

| Autor / Redakteur: Thomas Niedermeier / Rainer Graefen

(Bild: Synology)

Docker auf dem NAS, mehr Datensicherheit durch Prüfsummen? Kein Problem für das Synology Betriebssystem. Welche Vorteile das 6er-Betriebssystem noch mit sich bringt, zeigt Experte Thomas Niedermeier im ersten Teil seines ausführlichen Synology-Testberichts.

Nachdem Network Attached Storage schon seit vielen Jahren als gute Alternative zu Datei-Servern gelten, hat NAS-Hersteller Synology nun eine nächste Version des NAS-Betriebssystems Disk Station Manager (DSM) herausgebracht.

In der Version 6.0 verstecken sich dem Unternehmen zu Folge viele neue Features. Neben der Einführung des Dateisystems Btrfs und "Let’s Encrypt"-Lizenzen können sich die User auch über virtuelle Technik für flexible Ressourcenzuteilung freuen.

Das Btrfs-Dateisystem

Erste wesentliche Neuerung bei DSM 6.0 ist die Einführung des Btrfs-Dateisystems, es ist Voraussetzung für zahlreiche Funktionen des DSM 6.0. Der Einsatz dieses Copy-on-Write-Dateisystems scheint logisch, schließlich bringt es klare Vorteile mit sich: durch redundante Ablage von Metadaten steigt die Datenverfügbarkeit, Usage/User Quotas für gemeinsame Ordner werden ermöglicht, Eigenschaften für eine effiziente Cloud Station-Speicherung ebenso.

Darüber hinaus erzeugt Btrfs Prüfsummen für Dateien, um Diskrepanzen bei der Sicherung von Daten zu erkennen und dagegen vorzugehen. Das Btrfs-Dateisystem trägt somit erheblich zur Datensicherheit bei.

Übersicht über die Kompatibilität der neuen Anwendungen mit verschiedenen Geräten.
Übersicht über die Kompatibilität der neuen Anwendungen mit verschiedenen Geräten. (Bild: Synology)

Hyper Backup und Hyper Backup Vault

Auch für den Bereich Replikation und Datensicherung haben sich die Entwickler bei Synology etwas Neues einfallen lassen, ab dem DSM 6.0 erfüllen zwei Programme diese Aufgaben. Hyper Backup und Hyper Backup Vault übernehmen die Datensicherung und Replikation vollkommen problemlos und in von Synology gewohnt zuverlässiger Weise.

Gesplittet in zwei Komponenten wird der Backup-Vorgang klarer aufgeteilt und dadurch vereinfacht. Dabei fungiert Hyper Backup als Client, Hyper Backup Vault ist das Backend und damit das Datenspeicherungsziel für die Clients, die ihre Daten mittels Hyper Backup sichern.

Hyper Backup erstellt Multi-Versions-Backups von Ordnern, Paketen und DSM Konfigurationen und unterstützt eine Vielzahl an Backup-Zielen wie etwa gemeinsame lokale Ordner, externe Speichermedien oder diverse Public Cloud Speicherziele.

Vor allem, wer noch die unübersichtliche Verwaltung der gesicherten Daten der vorherigen DSM-Versionen kennt, wird den Backup Explorer, der bei Hyper Backup Vault zur Verfügung steht, zu schätzen wissen, schließlich können hier alle gesicherten Daten bequem verwaltet werden. Zu beachten ist allerdings, dass beide Pakete auf dem DSM 6.0 nicht mehr standardmäßig installiert sind, sondern erst über die Paketverwaltung installiert werden müssen.

Wenn aber bis inklusive DSM 5.2 Datensicherungsaufgaben beziehungsweise Datensicherungsziele auf dem NAS angelegt sind, werden diese Aufgaben des bisherigen Paketes "Datensicherung & Replikation" automatisch migriert und damit Hyper Backup sowie Hyper Backup Vault natürlich installiert.

Virtual DSM Manager und Docker DSM

Mit dem DSM 6.0 bietet Synology zwei interessante Virtualisierungstechniken an. Der Virtual DSM Manager ist vorerst nur als Beta-Version erhältlich und erlaubt es dem User, mehrere virtuelle DSM-Instanzen auf einem Cluster von Synology NAS-Servern auszuführen.

Diese Diskstation-Manager-Instanzen fungieren dabei als KVM-virtualisierte Maschinen und sind gekapselt, so können auch kritische Aufgaben abgebildet und sogar isoliert werden. Sind mehrere kompatible Synology-Systeme verfügbar, können sie dem Cluster hinzugefügt werden.

Somit kann eine Live-Migration der VMs durchgeführt werden. Das ermöglicht nicht nur die Konsolidierung mehrerer physischer Server, auch das verlustfreie Verschieben der virtualisierten DSM-Instanz auf einen anderen Host ist möglich.

Um den Virtual DSM Manager nutzen zu können, sind mindestens 4 GByte RAM erforderlich und die Geräte müssen Hardwarevirtualisierung unterstützen. Des Weiteren ist eine feste IP-Konfiguration sowie eine Open-Vswitch-Konfiguration der Netzwerkschnittstellen nötig.

Docker DSM wurde für einen ähnlichen Einsatzweck wie der Virtual DSM Manager entwickelt. Im Gegensatz zu diesem benötigt die Funktion aber weniger Ressourcen und ist auch auf älteren NAS-Systemen verfügbar. Momentan befindet sich das Feature noch im Betastadium und erfordert zur Ausführung Btrfs-Volumes sowie Open-Vswitch-Konfigurationen der Netzwerkschnittstellen.

Docker DSM ist viel stärker mit dem zugrundeliegenden System verzahnt, bei der Virtualisierung wird immer die absolut identische Version des DSM verwendet. Beim Virtual DSM Manager ist diese Einschränkung nicht vorhanden. Die virtuellen Maschinen können unterschiedliche DSM Versionsstände darstellen. Somit können zum Beispiel neuere Versionen des DSM vorab in einer VM getestet werden.

Weitere Features des DSM 6.0

Neben all diesen Anwendungen bietet DSM 6.0 auch viele kleine Nettigkeiten, etwa die Anwendung Spreadsheet, die übrigens auch auf vielen älteren Geräten verfügbar ist, da nicht an Btrfs gebunden. Dieses Kalkulationsprogramm ermöglicht es Teams, gemeinsam an Tabellen zu arbeiten.

Dabei unterstützt es mehr als 300 Formeln und verfügt über eine Rechtschreib- sowie Gültigkeitsprüfung. Zugriffsrechte können konfiguriert werden, auch Lese- und Schreibrechte für einzelne Spreadsheets lassen sich vergeben.

Die Änderungshistorie, das Wiederherstellen älterer Versionen und die Sicherung per Hyper Backup scheinen weitere Pluspunkte der Spreadsheet-Anwendung zu sein.

Mit dem Mail Server für NAS-Systeme Mailplus Server richtet sich Synology in erster Linie an KMUs, die einen Mailserver innerhalb ihrer eigenen IT-Infrastruktur betreiben wollen. Mailplus Server bietet Enterprise-taugliche Mailserver-Funktionen und die nahtlose Migration des bisherigen Pakets Mailserver.

Die Kostenersparnis durch den Wegfall von Drittanbietern und erhöhte Sicherheitsmaßnahmen sollen den User von dieser Anwendung überzeugen. Synology bietet dafür fünf kostenlose Konten sowie ein flexibles Lizenzmodell an.

Limitierung und Weiterentwicklung

Insgesamt scheint sich Synology mit dem DSM 6.0 auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Grundinstallation ist kompakt gehalten und sorgt so für vereinfachte und schnellere Aktualisierungsmöglichkeiten hinsichtlich der Pakete, die nun einzeln über die Paketverwaltung upgedatet werden können.

Auch die verbesserte Darstellung für mobile Geräte kommt dem User entgegen, die Administration wird dadurch erheblich erleichtert. Doch ob die neuen Anwendungen, zusätzlichen Features und Innovationen versprechen, was sie halten, kann nur ein Live Test klären. Wie es uns im Umgang mit dem DSM 6.0 ergangen hat, werden wir Ihnen deshalb im zweiten Teil unserer Synology-Serie genau beschreiben.

* Thomas Niedermeier, bei der Thomas-Krenn.AG unter anderem zuständig für NAS-Anwendungen, hat sich die neuen Möglichkeiten von DSM 6.0 genau angesehen.

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