Tintri, seit rund vier Jahren Teil von DDN, bringt ein großes neues Produktrelease. Wichtigste Message: Das Tintri-Betriebssystem wird jetzt unabhängig von der Hardware bei Hyperscalern implementiert.
Die Leistungen der Serie VMstore L7000 gibt es jetzt auch als Service aus der Cloud.
(Bild: Tintri)
Rund drei Jahre ist es her, dass Tintri, spezialisiert auf Storage für VMs und ihre Daten, von DDN aufgekauft wurde. Das neue Konglomerat bringe Synergien, aber keine interne Konkurrenz, meint CTO Brock Mowry. „DDN macht Storage für HPC, wir bedienen virtuelle Maschinen, das heißt, wir können den Kunden gemeinsam mehr anbieten.“
Die Integration schreite fort, obwohl Tintri weiterhin eigenständig operiert. Das kleine deutsche Tintri-Team besteht aus ursprünglichen Tintri-Mitarbeitern. Die weltweite Belegschaft von Tintri umfasst rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mowry hat einige Beispiele für das erfolgreiche Verschmelzen der beiden Firmen in petto. So stammt das Chassis der im März angekündigten Leitproduktserie VMstore T7000 von DDN.
Zur Erinnerung: Die Serie VMstore T7000 umfasst drei NVMe-Maschinen (7040, 7060 und 7080), wobei das Flaggschiff, die 7080, rund 5.000 virtuelle Maschinen oder, um den Faktor 3 komprimiert und dedupliziert, rund 380 Terabyte fasst. Das entspricht roh rund 125 TB Kapazität.
Das Ende der Fahnenstange ist hier noch nicht erreicht: Derzeit werden 8-TB-Drives unterstützt, im ersten Quartal 2023 soll der Wechsel auf 15-TB-Drives erfolgen. Dann verdoppelt sich die Kapazität in etwa. Eine der Besonderheiten der Produkte ist, dass man mit relativ wenigen Laufwerken starten kann: Bei der Minimalversion sind nur zehn der 24 Slots gefüllt. Mowry: „Anwender können sich dann schrittweise mit dem Bedarf vergrößern.“
Übergeordnete Systemsteuerung
Gleichzeitig ermöglicht die Steuerungs-Metaebene Tintri Global Center (TGC) das Pooling und die übergeordnete Steuerung des Systems. Beispielsweise lässt sich mit diversen Tuning-Mechanismen die Speicherkapazität optimieren. Auto QoS etwa funktioniert auf Filesystem-Ebene und verteilt die vorhandene Kapazität sinnvoll. Die Funktion arbeitet im laufenden Betrieb. Frisst eine Maschine auffällig viele Ressourcen, tritt Tunable QoS in Aktion, um diese, so es nicht irgendwo fix anders definiert ist, herunterzudimmen.
Im August folgte dann ein weiterer Schritt: Das Betriebssystem TX OS wurde von der Hardware gelöst und soll jetzt bei den Hyperscalern, zunächst Azure und AWS, als PaaS angeboten werden. Später sollen andere Cloud-Provider folgen. Gleichzeitig kündigte Tintri im Rahmen seines Programms neXt („new exciting ten things at Tintri“) diverse komplexe Funktionen an, die im Lauf der kommenden knapp anderthalb Jahre realisiert werden sollen.
Ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal von Tintri sind dabei die analytischen KI- und ML-Algorithmen, die das Unternehmen verwendet. „Wir können damit detailliert das Verhalten der Workloads analysieren und dann auch prognostizieren, wie viel Storage sie beispielsweise in einiger Zeit voraussichtlich benötigen oder wie viel Disaster-Recovery-Space für sie erforderlich ist“, erklärt Mowry. Außerdem bekommen die Tintri-Kunden Analytik-Tools zur freien Verfügung und können so auf eigene Faust die für sie interessanten Analysen durchführen.
Praktisch können die KI-Funktionen auch beispielsweise bei Akquisen sein, wenn sich modellieren lässt, wie viele Ressourcen etwa die Integration von 1.000 neuen VMs in die Umgebung benötigt.
Feiner granulierte Backup-Funktionen
Zu den neuen Funktionen gehört zunächst die Website tintri.io, über die sich mehr zu den neuen hybriden Architekturen, die mit dem Cloud-Ökosystem von Tintri möglich sind, erfahren lässt. Außerdem möchte Trintri in die Website auch ein Professional-Services-Portal integrieren, auf dem Kunden direkt die entsprechenden Dienste buchen können. „Hier arbeiten wir aber auch mit Partnern zusammen“, erklärt Mowry.
Weiter implementiert Tintri erweiterte, feiner granulierte Backup-Funktionen. „Derzeit können wir nur Snapshots der VM, in Zukunft kommen die Metadaten dazu, so dass sich auch einzelne Files oder Ordner regenerieren lassen“, sagt Mowry. Gleichzeitig soll die Replikation stationärer T7000er-Maschinen in die Cloud ermöglicht werden, wo sie auch wieder hochgefahren werden können. Das betrifft einzelne Files, Ordner sowie ganze VMs. Mowry: „Das ist sinnvoll bei Migrationen, für die Disaster Recovery sowie in der Entwicklung.“
Zum erweiterten Hybrid-Cloud-Management gehört auch die beschleunigte Migration virtueller Workloads die Cloud. Die entsprechenden Funktionen wurden verbessert und erweitert. So ist es jetzt möglich, ein Migrations-Set zu definieren, in der Folge die beiden Seiten eine Zeitlang synchron zu betreiben und schließlich zu einem zuvor definierten Zeitpunkt die letzte Migration durchzuführen und die andere Seite abzuschalten.
Stand: 08.12.2025
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Insgesamt möchte Tintri TGC zur übergeordneten Storage-Management-Zentrale der Hybrid-Cloud ausbauen. „Bislang lief TGC auf einer einzigen VM, das skaliert nicht“, so Mowry. Sind die Funktionen realisiert, können mehrere TGC-VMs im Gesamtsystem verteilt sein, die unterschiedliche Rollen übernehmen. Beispielsweise könnte eine Instanz beim Cloud-Provider für die Analytik der dort liegenden Daten zuständig sein. Eine andere im lokalen Data Center könnte die auf den VMstore-Maschinen anfallenden Arbeiten wie Katalog, Snapshots oder Datenreplikation übernehmen.
Schutz vor Ransomware
Eine noch wichtigere Rolle als bisher soll auch der Schutz vor Ransomware spielen. Dafür soll das rollenbasierte Zugriffskonzept um administrative Rollen und ein Mehraugenprinzip bei wichtigen Workflows erweitert werden. Außerdem sind tiefe Metriken vorgesehen, die Ransomware entdecken, bevor sie großen Schaden anrichten kann.
„Maschinen, auf denen Ransomware ihr Unwesen treibt, verlieren oft ihre Dateneffizienz, und der Prozessor, mit dem sie arbeiten, ist hoch belastet“, beschreibt Mowry die Indikatoren. Wird so etwas festgestellt, ist eine Nachricht an den Admin geplant, der auch gleich erfahren soll, wann der letzte intakte Snap erstellt wurde.
Weiter sollen die Software-Funktionen eines Drittherstellers unter Tintri-Label ins Portfolio integriert werden, welche Penetrationstests automatisieren. Dafür verbindet sich die Software über APIs einerseits mit den VMs, andererseits mit Tintri. „Wir empfehlen, dafür die Anwendungsumgebung regelmäßig zu klonen und dann dort zu testen“, so Mowry. Man könne so einfacher Fehlkonfigurationen entdecken und sie beheben, bevor sie zum Einfallstor für digitale Schädlinge werden oder anderen Ärger verursachen.
Von zentraler Bedeutung ist auch die Erweiterung der Kubernetes-Funktionen. Zwar unterstützt TX OS bereits VMware Tanzu, aber nur mit „Grundfunktionen“. So funktionieren QoS, Snapshots und Replikation noch nicht. „Wir werden die erweiterten Funktionen bis zur zweiten Hälfte 2023 für generisches Kubernetes umsetzen, womit sie auf Tanzu ebenfalls laufen“, verspricht Mowry, der damit vor allem doppelten Aufwand vermeiden will.
„Wer TX OS in einer hybriden Umgebung bedient, soll kein Spezialist sein müssen“, so Mowry. Die Umgebung soll die gesamte VM-Storage in einer hybriden Tintri-Umgebung managen können.
In Zukunft plant Tintri beim Cloud-Angebot den Einstieg in Abo-Modelle. „Für die physische Appliance überlegen wir hier noch“, sagt Mowry. Sicher ist aber, dass die Hardware-Entwickler bereits an einer neuen, noch größeren Produktserie arbeiten. Sie soll aktuelle technische Storage-Trends aufnehmen. Welche das sind, dazu möchte sich Mowry jetzt noch nicht äußern.
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