Aktueller Fachkräftemangel

Wege aus der Abwärtsspirale

| Autor / Redakteur: Matthias Göbel / Dr. Jürgen Ehneß

Das Klischee: So oder ähnlich stellen sich viele Branchenfremde den typischen IT-ler vor.
Das Klischee: So oder ähnlich stellen sich viele Branchenfremde den typischen IT-ler vor. (Bild: © nullplus - stock.adobe.com)

Mehr als 80.000 offene Stellen – diese Bilanz zieht der Branchenverband Bitkom aktuell für die IT-Branche. Innerhalb weniger Jahre hat sich die Situation deutlich verschärft. Um eine neue Stelle zu besetzen, brauchen Unternehmen inzwischen Monate. Hieraus resultieren nicht nur Probleme für Betriebe. Beschäftigte bekommen diese Entwicklung heute hautnah zu spüren.

Immer mehr IT-Experten beklagen sich darüber, dass sie im Job einer zunehmenden Überlastung gegenüberstehen. Diese äußert sich unter anderem in Mehrarbeit durch Überstunden. Aber auch durch zunehmende Verantwortlichkeiten geraten IT-Experten immer mehr unter Druck. Eine Situation, die auf Dauer zu unhaltbaren Zuständen führt.

Was kann die Folge sein? Erreicht die Überlastung einen kritischen Punkt, nehmen IT-ler ihren „Hut“. Oder fallen sie aufgrund gesundheitlicher Probleme aus? In beiden Fällen verschärft sich die Lage. Ist die Situation wirklich so schlimm?

Drei Viertel aller IT-Fachkräfte fühlen sich gestresst

Eigentlich gelten gerade Experten im IT-Bereich als Gewinner des Fachkräftemangels. Sichere Jobaussichten und hervorragende Chancen bei der Arbeitsplatzsuche – Argumente, die regelmäßig zu hören sind. Der Mangel an IT-Fachkräften hat aber auch eine Kehrseite. Wer bereits als IT-Experte arbeitet, muss mit einer wachsenden Zahl an Herausforderungen umgehen.

Dabei geht ein Teil der Probleme auf den Arbeitsmarkt zurück. Andere sind in den Unternehmen aber hausgemacht. Verschiedene Auswirkungen sind die Folge:

  • Arbeitsverdichtung,
  • neue Aufgaben,
  • Weiterbildung parallel zum Job.

Im Endeffekt läuft es bei vielen Betroffenen darauf hinaus, dass zunehmend mehr Zeit in den Job fließt. Eine Ontrack-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass 77 Prozent der IT-Fachkräfte sich schon heute überlastet fühlen, oder anders gesagt: drei von vier Informationstechnikexperten. Fast 90 Prozent der Befragten IT-ler gaben sogar an, Überstunden zu machen. Bei einem Teil lag das Pensum der Mehrarbeit teils über der Zehnwochenstundenmarke.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass IT-Spezialisten zu den Topkandidaten für Burnout-Problematiken zählen. Laut einer Studie der Universität Krems waren 15 Prozent der IT-Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bereits vom Burnout betroffen.

Fremdaufgaben als zusätzlicher Stressfaktor

Das Problem ist aber laut der Untersuchung nicht allein die Mehrleistung in Form von Überstunden. Überall dort, wo der Arbeitsmarkt einfach keine neuen Fachkräfte hergibt, müssen IT-Experten neue Aufgaben mit übernehmen. In der Folge spitzt sich die Lage zu: Wer für die Aufgaben eigentlich nicht qualifiziert ist, steht unter enormen Druck. Diese Entwicklung bleibt nicht folgenlos. Stress und Überlastung erhöhen bekanntlich die Fehlerquote. Beschäftigte werden unzufriedener, und den Firmen droht am Ende ein wirtschaftlicher Schaden.

Diese Situation ist dafür verantwortlich, dass Unternehmen mit Problemen in der Nachbesetzung von offenen IT-Stellen erheblichen Herausforderungen gegenüberstehen. Die Auswirkungen können sogar so weit gehen, dass Firmen in ihrer Entwicklung erheblich gebremst werden und dabei etwa Marktanteile an die Konkurrenz verlieren. So gaben in einer Hayes-Studie 25 Prozent aller Unternehmen an, dass der Fachkräftemangel schon für verlorenes Umsatzpotenzial gesorgt hat. Dies zeigt sehr eindrucksvoll, wie verheerend sich fehlende Fachkräfte auf ein Unternehmen auswirken können.

Der Wettbewerb um IT-Fachkräfte ist (und wird) eine große Herausforderung. Unternehmen, die hier keine adäquate Lösung finden, drohen den Anschluss zu verlieren.

Gründe für die Dauerüberlastung

Zu viele Überstunden und Aufgaben, die eigentlich gar nicht zur ursprünglichen Stellenbeschreibung gehört haben – Belastungen im Job, die nicht folgenlos bleiben. Fakt ist zwar, dass die Gehälter in der IT-Branche seit Jahren nur eine Richtung – nach oben – kennen. Geld ist aber nicht alles. Gerade der Faktor Zeit wird immer wieder als entscheidend wahrgenommen, wenn es um die berühmte Work-Life-Balance geht.

Wer als IT-Experten mehr Zeit im Büro verbringt oder sich nach Feierabend mit neuen Inhalten und Aufgaben vertraut machen muss, fühlt sich irgendwann gestresst. Ist es immer nur der Mangel an Fachkräften, der zu dieser Situation führt? Eigentlich hat die Branche doch gute Rahmenbedingungen zu bieten …

Anforderungen nehmen zu

Ein Grund für die Überlastung sind die stetig wachsenden Anforderungen. Selbst Branchen, in denen IT und Digitalisierung lange nur in der Peripherie eine Rolle spielten, müssen sich inzwischen mit neuen Realitäten abfinden. Es geht schon lange nicht mehr nur um die E-Mail nach Feierabend. Mittlerweile müssen sich viele Firmen mit Fragen zu

  • Datenschutz,
  • digitalem CRM und
  • IT-Sicherheit

befassen. Nicht jedes Unternehmen kann sich ein Heer aus IT-lern leisten. Oft müssen ein bis zwei Personen alle Aufgaben übernehmen, und diese können teils grundverschieden sein. Eine Vermengung verschiedener Tätigkeiten führt zwangsläufig zu einem hohen Arbeitspensum – allein schon durch den nicht unerheblichen Organisationsaufwand.

Dem Datenträgerinferno entronnen

Datenrettung nach Brandschäden

Dem Datenträgerinferno entronnen

29.10.19 - Wenn Festplatten, USB-Sticks oder SSDs nach einem Brand aus den Trümmern geholt werden und ihre Inhalte nirgends anders gesichert waren, ist noch nicht alle Hoffnung verloren. Erfahrene Spezialisten wie CBL Datenrettung können in vielen Fällen auch dann noch Daten rekonstruieren, wenn Datenträger schwer durch Feuer und Löschmittel beschädigt sind. lesen

Probleme sind mitunter hausgemacht

Ein weiterer Aspekt betrifft die Tatsache, dass die Probleme in vielen Branchen – die IT-Branche ist nur die Spitze des Eisbergs – hausgemacht sind. Einerseits versäumen es Politik und Wirtschaft, Bildungsdefizite anzupacken. Hinter jedem Informatiker steckt eine umfangreiche Ausbildung. Deren frühzeitige Förderung wäre ein Schlüssel gewesen, um die aktuelle Entwicklung zu kanalisieren.

Auf der anderen Seite ist eines der Probleme immer noch das Bild, das viele vom IT-Experten im Kopf haben: jung und trotzdem mit sehr viel Know-how. Unternehmen müssen bereit sein, in diesem Bereich umzudenken. Auch die Generation 50-plus kann etwas leisten. Und bringt einen wichtigen Schatz mit: Erfahrung. Lassen sich diese Ursachen auch empirisch – sprich mit Zahlen und Fakten – untermauern?

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