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Zwischen Schatten-IT und Spec-Tabelle Wie die Namenslogik die Auswahl externer Speicher lenkt

Ein Gastbeitrag von Daniel Maric* 5 min Lesedauer

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Externe SSDs und Speicherkarten nehmen im Unternehmenskontext an Bedeutung zu: Als Baustein für Datensouveränität, als Medium für lokale AI-Datensätze, für den sicheren Transport von Projektdaten und als Offline-Backup. Das stellt neue Ansprüche an die Hersteller – nicht nur was die Technik, sondern auch was die Benennung der Produkte angeht. Denn die Nomenklatur wird plötzlich zur Einkaufsfrage in Unternehmen.

Die Bedeutung der Produktnamen von Speichergeräten sollte für den Käufer schnell erfassbar und eindeutig sein.(Bild:  KI-generiert)
Die Bedeutung der Produktnamen von Speichergeräten sollte für den Käufer schnell erfassbar und eindeutig sein.
(Bild: KI-generiert)

Externe Speichermedien galten in der Unternehmens-IT lange als Randnotiz. Zentrale Server und Cloud-Dienste schienen die Frage nach lokalen Datenträgern für den alltäglichen Schreibtischjob beantwortet zu haben. Doch das weltweit erzeugte Datenvolumen nimmt weiter zu und soll laut Prognosen von 173,4 Zettabyte im Jahr 2024 auf 527,5 Zettabyte im Jahr 2029 wachsen. Parallel dazu finden PSSDs und microSDs ihren Weg zurück in die Büros. Nicht nur, weil immer mehr Speicherplatz benötigt wird. Vielmehr treten die Vorteile der externen Speicher durch zwei Entwicklungen wieder deutlicher zutage:

Die erste Entwicklung betrifft die Datenhoheit. Big-Data-Anwendungen zeigen Unternehmen deutlicher denn je, welchen Mehrwert Daten bringen können. Sie sind der Ausgangspunkt für Automatisierungen, fundierte Analysen und Prozessbeschleunigungen. Entsprechend wächst der Wunsch, selbstbestimmt über die eigenen Daten verfügen zu können. Stichwort: Digitale Souveränität. Der US Cloud Act steht dem entgegen. Er verpflichtet US-amerikanische Anbieter, Daten auf Verlangen staatlicher Stellen herauszugeben. Wo die Server stehen, spielt dabei keine Rolle.

Das Problembewusstsein in den Unternehmen dafür ist hoch. Laut Bitkom Cloud Report 2026 halten 85 Prozent der befragten Entscheider*innen Deutschland bei Cloud-Technologien für zu abhängig von US-Anbietern. 64 Prozent der Cloud-Nutzenden fühlen sich durch die Politik der US-Regierung gezwungen, ihre Cloud-Strategie zu überdenken. Sie setzen unter anderem auf deutsche und europäische Hyperscaler. Als weiterer Baustein kommen lokale Speicherressourcen unter anderem in Form von PSSDs ins Spiel. Sie werden zunehmend für lokale Offline-Backups von kritischen Servern genutzt. Vom Netz getrennt, sind diese Sicherungen für Angreifer nicht erreichbar.

Die zweite Entwicklung sind lokale AI-Anwendungen. Externe Speicher gewinnen dabei als mobile Bibliothek an Bedeutung. So erreichen moderne PSSDs wie die Samsung T9 Lesegeschwindigkeiten von bis zu 2.000 MB/s. Große Modelle können dadurch direkt vom externen Laufwerk geladen werden. Zugleich ist der Speicher nicht an einen Rechner gebunden. Dasselbe AI-Modell lässt sich somit an verschiedenen Endgeräten nutzen.

Ein weiterer Vorteil: Sensible Daten wie Finanzberichte, Patente und Personaldaten, die aus Compliance- und DSGVO-Gründen weder in die Cloud noch über das interne Firmennetzwerk verschickt werden dürfen, lassen sich auf einer hardwareverschlüsselten PSSD vorhalten und dort von lokalen AI-Modellen einlesen. Die AES-256-geschützten Informationen bleiben auf dem Datenträger und werden zu keinem Zeitpunkt über ein Netz übertragen.

Auswahl unter Zeitdruck

Die Nutzungsszenarien haben sich damit ausdifferenziert. Was früher ein externer Speicher war, ist heute ein Backup-Medium, eine AI-Bibliothek oder ein Aufnahmemedium im Dauerbetrieb. Die Auswahl wird dadurch nicht nur häufiger, sondern auch folgenreicher.

Gleichzeitig steigt die Gefahr einer „Schatten-IT": Aufgrund der geringen Anschaffungskosten kaufen sich Mitarbeitende eine PSSD am Einkauf vorbei, oder sie nutzen eine bereits vorhandene von zu Hause. Das erzeugt Sicherheitsrisiken und Compliance-Verstöße.

Verhindern lässt sich das, indem der Einkauf eine bessere Alternative bietet. Er sollte jedoch nicht nur ein oder zwei Produkte zur Verfügung stellen. Vielmehr sollten Mitarbeitende aus einem großen Pool genau das Produkt auswählen können, das für ihr Einsatzgebiet am besten passt. Dafür braucht es Leitlinien, die Budgetrahmen, Sicherheitsanforderungen und Schnittstellen festlegen. Mehr nicht.

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Die konkrete Produktentscheidung treffen die Fachbereiche. Sie wissen, ob eine Kamera-Speicherkarte Dauerbetrieb aushalten soll, eine PSSD viel Speicherplatz für RAW-Dateien braucht und welche Rolle Geschwindigkeit spielt. Was ihnen meist fehlt, sind Zeit und Spezialwissen für den Vergleich von Spezifikationstabellen. Die Auswahl muss im Arbeitsalltag schnell gehen.

Damit wird der Produktname zum wichtigen Filter. Eine konsistente, selbsterklärende Nomenklatur lässt auf einen Blick erkennen, in welchem Leistungs- und Anwendungsbereich ein Produkt spielt und ob es zur Hardwareausstattung passt.

An dieser Stelle stoßen historisch gewachsene Namenswelten an ihre Grenzen. Ob ein klangvoller Namenszusatz wie „PRO“ eine Leistungsklasse, eine Produktgeneration oder ein Einsatzprofil markiert, erschließt sich ohne Vorwissen nicht. Und die Zusätze verschiedener Produktreihen stehen in keiner erkennbaren Ordnung zueinander. Der Name, der eigentlich Orientierung geben soll, erzeugt Beratungsbedarf.

Dazu kommt, dass sich die Produktrecherche zunehmend in AI-gestützte Such- und Antwortmaschinen verlagert. Diese Systeme verknüpfen Produktnamen mit Marke, Kategorie und Merkmalen. Je konsistenter und eindeutiger eine Nomenklatur aufgebaut ist, desto zuverlässiger lässt sie sich maschinell einordnen. Mehrdeutige oder kollidierende Bezeichnungen erhöhen das Risiko, dass am Ende das falsche Produkt empfohlen wird. Der Produktname wird damit zum Orientierungsinstrument für Menschen und Maschinen.

Einfache Heuristik oder kreative Differenzierung

Kreative Einzelnamen funktionieren, solange das Portfolio überschaubar ist und die Käuferschaft die Feinheiten kennt. Ab einer gewissen Breite kippt die Differenzierung ins Gegenteil und wird zur Fehlerquelle. Deswegen gilt die Faustregel: Je größer das Sortiment und je heterogener die Zielgruppe, desto einfacher muss die Logik sein.

Samsung beispielsweise hat aus diesem Grund sein externes Speichersortiment neu strukturiert: Portable SSDs und microSD-Karten tragen künftig einen Buchstaben für die Produktlinie und eine Zahl für die Produktklasse. T kennzeichnet die etablierte Linie, P die Modelle mit den jeweils neuesten Übertragungstechnologien. Die 7 steht für den Mainstream-Bereich, die 9 für den professionellen Einsatz sowie besondere Angebote und Designs, die 5 ist für die Einstiegsklasse reserviert.

Bei internen SSDs bleibt die Systematik bewusst unangetastet. Dort wird weniger anwendungs-, sondern mehr spezifikationsgetrieben gekauft: Nach Schnittstelle, Schreibleistung, Haltbarkeit und Formfaktor. Eine Umbenennung der etablierten Modellnamen würde hier eher Verwirrung stiften.

Der Name als Wegweiser

Daniel Maric, Team Lead Produkt Management MX Brand Memory bei Samsung Electronics GmbH.(Bild:  Samsung Electronics)
Daniel Maric, Team Lead Produkt Management MX Brand Memory bei Samsung Electronics GmbH.
(Bild: Samsung Electronics)

Ein Namensschema ordnet das Preis- und Leistungssegment ein und schweigt zu allen anderen Eigenschaften. Für kritische Workloads bleibt der Blick ins Datenblatt Pflicht, etwa bei Dauerschreiblast in Kamerasystemen oder bei Verschlüsselungsanforderungen. Ein guter Produktname sorgt dafür, dass diese Prüfung an der richtigen Stelle beginnt.

Für IT-Verantwortliche, den Einkauf und Hersteller bleibt es damit ein Balanceakt: Die Vereinfachung muss so weit gehen, dass schnelle Entscheidungen in den Fachabteilungen möglich werden. Gleichzeitig darf sie nicht dazu führen, dass relevante Unterschiede unsichtbar werden.

* Der Autor: Daniel Maric, Team Lead Produkt Management MX Brand Memory bei Samsung Electronics GmbH

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