ITscope-Zahlen Chip-Knappheit erreicht den ITK-Channel

Autor: Heidi Schuster

Schon länger hört und liest man immer wieder, dass die Halbleiter knapp werden. Besonders die Autoindustrie war bisher davon betroffen. Die Handelsplattform von ITscope zeigt nun, dass die Chip-Engpässe auch den Channel erreicht haben.

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Halbleiter befinden sich in fast jedem elektronischen Gerät.
Halbleiter befinden sich in fast jedem elektronischen Gerät.
(Bild: ghazii - stock.adobe.com)

Halbleiter werden rar. Dass dieses Problem weitreichend ist, war schnell klar, denn in fast jedem elektronischen System sind sie verbaut. Hauptsächlich ist seit Anfang des Jahres die Automobilindustrie betroffen, jetzt trifft es auch den ITK-Channel.

Die Engpässe bei Halbleitern hängen mit der Coronakrise zusammen, welche die Lieferketten deutlich gestört hat. Die Halbleiterproduktion ist aufgrund von langen Vorlaufzeiten sehr unflexibel, und Nachfrageveränderungen können nicht ohne weiteres von den Herstellern aufgefangen werden. Die Pandemie sorgte Anfang 2020 erst für einen Produktionseinbruch, im Frühjahr dann für einen Aufschwung – dank Homeoffice und -schooling mit besonders großer Nachfrage nach Tablets und Laptops sowie Unterhaltungselektronik für die Freizeit im Lockdown. Hinzu kam unlängst noch das wachsende Interesse von Kryptominern, die mit dem Schürfen von Bitcoin und Co. zusätzlich den Chip-Bedarf befeuern.

Preise für Speicher steigen stark an

Auch Beispiele der B2B-Handelsplattform ITscope zeigen, dass die Halbleiterkrise in der ITK-Branche bereits ihre Spuren hinterlässt. Bei der externen Festplatte Elements Desktop WDBWLG0100HBK des Herstellers WD beispielsweise gehen die Lagerbestände seit Anfang Mai deutlich zurück. Zeitweise verdoppelte sich hier sogar der HEK in nur wenigen Wochen.

Noch kritischer sieht es bei der Backup Plus Hub STEL8000200 von Seagate aus. Fast zeitgleich mit der Elements Desktop fällt auch bei dieser Festplatte der Lagerbestand seit Anfang Mai extrem. Dementsprechend sind auch die Auswirkungen auf den HEK, der sich auch in diesem Fall in nur wenigen Wochen verdoppelt hat.

Grafikkarten werden ebenfalls teurer

Als zusätzlicher Faktor wirkt sich der Chipmangel vermutlich auch im Grafikkartensegment aus. Das pandemiebedingt hohe Interesse an Gaming und der Boom um Kryptowährungen sorgten bereits für angespannte Stimmung, jetzt kommt noch die Knappheit bei den Chips hinzu.

Die bereits seit 2017 gelistete GeForce GTX 1050 Ti D5 4G von Gigabyte hatte über mehrere Jahre praktisch keine Preisausreißer. Schon im Januar stieg der Preis parallel zu einem schrumpfenden Bestand langsam an und pendelt sich aktuell bei einem mehr als doppelt so hohem HEK ein, als der durchschnittliche HEK im Jahr 2020.

Hält die Knappheit an?

Da die Digitalisierung in immer mehr Bereiche des Alltags einzieht, ist ein weiter wachsender Bedarf an Chips unausweichlich. Nach Angaben des weltweit größten Herstellers für Mikrochips, der Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC), könnte der Halbleitermangel, zumindest für die Automobilindustrie, im kommenden Quartal allerdings etwas zurückgehen. Kritischere Stimmen, beispielsweise von Intel, befürchten allerdings, dass die Knappheit in vielen Branchen auch noch über die kommenden Jahre andauern wird.

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 Heidi Schuster

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Redakteurin, Online CvD, Vogel IT-Medien