Neues Konzerndach, neuer Chef

Das Google Alphabet

| Autor / Redakteur: dpa / Rainer Graefen

Google-Hauptsitz in Mountain View, Kalifornien
Google-Hauptsitz in Mountain View, Kalifornien (Bild: Google)

Die Google-Gründer wirbeln das Unternehmen kräftig durcheinander. Das Web-Geschäft mit dem Namen Google soll unter das Dach einer neuen Mutterfirma schlüpfen. Die hochprofitable Kernsparte wird damit von riskanten Unterfangen wie Roboter-Autos entkoppelt.

Der Internet-Riese Google wird radikal umgebaut. Das angestammte Web-Geschäft mit der Suchmaschine und der Online-Werbung soll von neuen Unternehmungen wie selbstfahrenden Autos oder Drohnen abgetrennt werden. Es heißt weiterhin Google, wandert aber unter das Dach einer neu geschaffenen Konzern-Holding mit dem Namen Alphabet. Dort werden künftig zum Beispiel der Spezialist für Heimvernetzung Nest oder das Innovationslabor Google X als eigenständige Firmen geführt.

Mehr Transparenz

Der Umbau solle das Unternehmen transparenter machen, schrieb Google-Mitgründer Larry Page in einem Blog-Eintrag am Montag. Er wechselt vom Chefposten bei Google an die Spitze von Alphabet. Das Web-Kerngeschäft Google soll künftig der 43-jährige Sundar Pichai führen, der als rechte Hand von Page in dem Bereich galt und in den vergangenen Monaten immer mehr Verantwortung übertragen bekam. Die heutigen Google-Aktionäre bekommen stattdessen Aktien von Alphabet. Der Umbau soll später in diesem Jahr angestoßen werden.

Beim Web-Geschäft unter dem Namen Google sollen auch die Video-Plattform YouTube, das meistgenutzte Smartphone-System Android, die Apps, die digitalen Karten sowie die dazugehörende technische Infrastruktur bleiben. Getrennt davon kommen als eigenständige Bereiche unter anderem die Gesundheitstochter Calico, der Startup-Finanzierer Google Ventures oder der Glasfaser-Netzbetreiber Fiber unter das Alphabet-Dach.

Alphabet sei im Grunde eine Ansammlung von Unternehmen, erklärte Page. „Uns gefiel der Name Alphabet, weil er eine Kollektion von Buchstaben bedeutet, die für die Sprache stehen, zu den wichtigsten Innovationen der Menschheit gehören und der Kern davon sind, wie wie in der Google-Suche indizieren.“

Breiter aufstellen

Investoren hatten sich schon lange Sorgen darüber gemacht, dass die Zukunftsprojekte viel Geld verschlingen - während der Löwenanteil des Geldes nach wie vor im Kerngeschäft mit Online-Werbung im Umfeld der Internet-Suche erwirtschaftet wird. Schließlich demonstrierte zum Beispiel der bisherige Misserfolg der Datenbrille Google Glass, dass man mit großen Wetten auf die Zukunft auch viel Geld verlieren kann. Die Anleger hoffen nun auf klarere Verhältnisse und ließen die Google-Aktie nachbörslich um sechs Prozent steigen. Google-Finanzchefin Ruth Porat, die von der Wall Street kam, wird bei Alphabet in der selben Position arbeiten.

„Wir glauben schon lange, dass Unternehmen es sich mit der Zeit damit bequem machen, dieselben Dinge zu tun, nur kleinere Veränderungen vorzunehmen“, schrieb Page. Die Google-Gründer wollten „neue Dinge anfangen“. Die einzelnen Unternehmen sollten innerhalb von Alphabet eigenständig agieren. „Der ganze Sinn liegt darin, dass die Alphabet-Firmen ihre Selbstständigkeit haben und eigene Marken entwickeln sollen.“

Ergänzendes zum Thema
 
Ausgewählte Buchstaben / dpa

Der neue Chef

Sundar Pichai, der neue Google-Chef
Sundar Pichai, der neue Google-Chef (Bild: Google)

Der Aufstieg von Sundar Pichai an die Google-Spitze schien schon lange nur ein Frage der Zeit. Erst bekam er vor knapp zweieinhalb Jahren die Verantwortung für das dominierende Smartphone-System Android übertragen und dann im vergangenen Herbst die für fast das gesamte Online-Geschäft.

Jetzt wird der Aufstieg des 43-Jährigen mit dem Chefposten bei Google gekrönt. Es ist zwar nur ein „etwas verschlanktes“ Google als Web-Sparte unter einem neu geschaffenen Konzerndach, wie Mitgründer Larry Page dezent anmerkte. Aber Page vertraut dem stets bedächtig auftretenden Top-Manager damit Googles Geldmaschine an, auf die das ganze Unternehmen angewiesen ist.

Pichai stammt aus dem südindischen Staat Tamil Nadu. In die USA kam er 1993 mit einem Stipendium für die kalifornische Elite-Uni Stanford, um Halbleiter-Physik zu studieren. Zu Google kam Pichai vor gut einem Jahrzehnt. Er trat am 1. April 2004 an – dem Tag, an dem der E-Mail-Dienst des Internet-Konzerns gestartet wurde, was auch er anfangs für einen der üblichen Aprilscherze der Firma hielt. Seine erste Aufgabe war die Arbeit am Google-Suchfenster in Browsern wie Firefox oder Microsofts Internet Explorer. Pichais Vorschlag, Google sollte einen eigenen Browser entwickeln, überzeugte die Gründer – und der Erfolg von Chrome war seine Eintrittskarte in die Chef-Etage des Konzerns.

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