Der Widerstreit zwischen offenen Ansätzen und proprietärer, gewinnorientiert entwickelter Technologie ist nicht neu. Bei Datenbanken für Dokumente fängt er gerade richtig an. Im Zentrum der Auseinandersetzung: MongoDB und FerretDB.
FerretDB nutzt die quelloffenen, bewährten MongoDB-APIs, hat aber das nun lizenzbewehrte Backend komplett neu geschrieben.
(Bild: FerretDB)
Mit den Massen unstrukturierter Daten kamen neue Probleme in die IT-Welt: Wie speichert und recherchiert man sie so, dass die Verlässlichkeit der alten SQL-Welt erhalten bleibt, ohne ihre Vorteile einzustampfen?
Zur Lösung trat die Software-Firma 10gen an, die seit 2007 im Rahmen von Open Source ein Stack für das Cloud-Computing und 2009 MongoDB entwickelte, ein NoSQL-Datenbankprodukt, dessen plattformübergreifender Quellcode offen verfügbar war. Die dokumentenorientierte Datenbank speicherte ihre Inhalte JSON-ähnlich und bot optimale Schemata an. Außerdem integrierte 10gen aus dem SQL-Bereich bekannte Funktionen wie Replikation, Sharding und seit Version 4 ACID-, also gesicherte, rückverfolgbare Transaktionen.
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So weit, so gut. Die Open-Source-Gemeinde war beglückt. Doch 10gen hatte von Anfang an, wie viele Open-Source-Player, auch ein kommerzielles PaaS-Produkt im Auge. Der Name wurde 2013 in MongoDB geändert, im Oktober 2017 folgte der Gang an die Börse, und im November 2018 wurde das bis dahin offene Lizenzmodell weitestgehend abgelöst.
Kostenlose Version steht bei v4
Kostenlos gibt es jetzt nur noch die stark funktionsbegrenzte Community Edition, ansonsten die kostenpflichtige SSPL. Als Managed Service ist bei einer Reihe von Cloud-Providern MongoDB Atlas erhältlich – allerdings scheint der vielen kleineren Providern zu teuer zu sein.
Der kostenlose Service wird leider nicht gepflegt – hier ist die Welt auf Versionsstufe 4 stehengeblieben. Sonst ist MongoDB inzwischen bei Version 8 angekommen. Kostenlosen Anwendern steht zum Beispiel keine Vektorsuche zur Verfügung, von AI-Funktionen sind sie weitgehend ausgesperrt. Deshalb erhebt sich der bekannte Vorwurf, man wolle das altruistische Image von Open Source wahren, im Grunde aber nur Geld verdienen.
Open Source schlägt zurück
Solche Situationen sind wie gemacht dafür, Konkurrenz auf den Plan zu rufen. Die tauchte seit 2022 unter anderem mit FerretDB prompt auf. Venture-Capital konnten die Gründer auftreiben: Es kamen 2,8 Millionen US-Dollar zusammen. Gegründet wurde im Steuervermeidungsparadies Delaware, USA.
Mitgründer und heutiger CEO von FerretDB ist Peter Farkas, davor unter anderem bei Percona aktiv. Percona seinerseits beschäftigt sich mit Beratung rund um quelloffene Datenbanken. Farkas wusste also sehr genau, was er tat, als er FerretDB gründete.
Inzwischen entwickelt ein achtköpfiges, weltweit verteiltes Entwicklerteam, unterstützt von einer rund 200-köpfigen weltweiten freien Entwicklergemeinde. 4.000 Instanzen, die mit Telemetrie überwacht werden, gibt es von FerretDB bereits – wie viele mit abgeschalteter Telemetrie sonst noch existieren, ist unbekannt. Das Interesse steige, so Farkas, immens. Inzwischen kam am dritten April Version 2.01 heraus, fast genau zwei Jahre nach der Ankündigung von Ferret 1.0.
FerretDB ist eine funktionsgleiche, voll kompatible, aber wiederum auf Open-Source-Lizenz basierende Dokumentendatenbank. Mit ihr funktionieren auch alle Tools, die es rund um MongoDB gibt. FerretDB droht nun MongoDB die Kundschaft abspenstig zu machen.
Denn kleineren Providern und auch Unternehmen scheint die Lizenz für MongoDB Atlas zu teuer zu sein. Auf der Presseveranstaltung ITPressTour in London wurden entsprechende Aussagen nicht namentlich genannter Provider und Firmen präsentiert, die darauf schließen lassen. Azure, AWS und Alibaba bieten einen Atlas-basierten Service an.
Technisch liegt der FerretDB PostgreSQL zugrunde, weil in dieser Sprache weltweit besonders viel entwickelt wurde. Der Code wurde „komplett neu geschrieben“ (Farkas). Nur die APIs, die bis heute auch bei MongoDB unter der freien Apache-2-Lizenz weiterbestehen und für ihre gute Funktionalität allgemein anerkannt sind, habe FerretDB übernommen.
Stille Lizenz-Kriegserklärung abgewehrt?
In den vergangenen zwei Jahren drohte das Ganze in einen bislang undercover geführten Lizenzkrieg zwischen MongoDB und FerretDB auszuarten. Auf umfangreiche briefliche Anwürfe des Mongo-DB-Managements sowie die Androhung von Klagen wegen diverser wettbewerbsrechtlicher Verstöße im Jahr 2023 wurde seitens FerretDB mit einem ablehnenden Erwiderungsbrief reagiert. Die Vorwürfe scheinen nicht sehr substanzhaltig zu sein, denn bislang ist MongoDB nicht zur Klage geschritten, sondern hat sich, so jedenfalls Farkas, ruhig verhalten.
Auf der Website von MongoDB findet sich zumindest in Pressemitteilungen und Blog keine Erwähnung der Streitigkeiten. Es lässt auf wenig Substanz schließen, wenn die MongoDB-Presseabteilung dazu schweigt – schließlich sind US-amerikanische Firmen in der Regel relativ offenherzig hinsichtlich handelsrechtlicher Klagen, zumal ihr Ergebnis den Aktienkurs beeinflussen kann.
Stand: 08.12.2025
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Auf der Website von MongoDB wird nur eine Kundenfirma namens Ferret.ai erwähnt, die MongoDB Atlas zur Basis ihrer Dienstleistungen für Risikomanagement in Unternehmen gemacht hat. Die Namensähnlichkeit zwischen dem Konkurrenten FerretDB und dem Kunden Ferret.ai scheint zufällig zu sein.
MongoDB setzt aufs GenAi-Geschäft
MongoDB ist inzwischen dem reinen Datenbankgeschäft entwachsen und setzt darauf das Business mit GenAI auf. Ist FerretDB also ein verspäteter Nachklapp – zu spät, um den Markt und seine neuesten Entwicklungstendenzen noch wirksam zu beeinflussen?
Farkas ist da gänzlich anderer Auffassung. Nötig sei ein neuer, offener Standard für die Abfrage unstrukturierter Daten auf Basis der wichtigsten Mongo-Basisfunktionen. Das funktioniere wie nach der Aufsplitterung von SQL in viele nicht mehr kompatible Unterdialekte, die letztlich die Standardisierung und Offenlegung von SQL zur Folge hatte.
MongoDB könne trotz allen Streites gerne mit von der Partie sein. Denn es gehe nicht um die Kommerzialisierung an sich, die sei legitim. Nur müsse man sich dann ehrlicherweise vom Open-Source-Image verabschieden.
Wie oft in solchen Fällen scharen sich um FerretDB nun die Konkurrenten von MongoDB. In diesem Fall beispielsweise Microsoft mit seiner DocumentDB. Die Version 2.0 von FerretDB erhielt eine Postgres-Erweiterung für die Microsoft-Dokumentendatenbank. Außerdem nutzt die Software dieselbe Engine wie Azure CosmosDB for MongoDB. Cosmos ist Azures Multimodell-Datenbankservice.
OpenDoc Database Initiative gegründet
Zudem hat Farkas die OpenDoc Database Initiative mitbegründet, die derzeit Unterstützer sucht. Sie will diesen offenen Standard für Dokumentendatenbanken definieren. Dabei soll die Kompatibilität zu den MongoDB-APIs und damit zur Mongo-Tool-Welt und den Mongo-Funktionen gewahrt bleiben.
Bislang ist noch kein ganz Großer unter den Supportern. Dafür viele alternative Datenbankanbieter, PostgreSQL-Service-Provider wie Tembo, Aenix, ein Anbieter einer Open-Source-PaaS-Plattform, oder Nextgres, das ein Migrationstool von MySQL zu Postgres entwickelt hat, und so weiter. Insgesamt unterstützen derzeit elf eher kleinere Firmen die Initiative.
Bis SQL zum offenen Standard wurde, dauerte es mehr als ein Jahrzehnt. Es bleibt zu hoffen, dass es diesmal schneller geht, die Branche an einen Tisch zu bringen und sie unter einem Ziel zu vereinen. Geschäfte können die Unternehmen trotzdem machen – mit Funktionserweiterungen, die auch die Kompatibilität sprengen dürfen, und mit gutem Service. Adobe und viele andere haben bereits vorgemacht, dass das funktioniert.
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