Interview mit Ash Ashutosh über die Zukunft des Datenmanagements

Daten sind die neue Infrastruktur

| Redakteur: Tina Billo

Ash Ashutosh, Gründer und CEO von Actifio.
Ash Ashutosh, Gründer und CEO von Actifio. (Actifio)

Die Verfügbarkeit von Daten entscheidet inzwischen über den Erfolg von Unternehmen. Dennoch dominieren Hardware- und Infrastruktur-orientierte Überlegungen nach wie vor IT-Entscheidungsprozesse. Das Thema Datenmanagement wird hingegen stiefmütterlich behandelt. Ash Ashutosh, Gründer und CIO von Actifio, erläutert im Gespräch im Storage-Insider, warum ein Umdenken gefragt ist und welche Entwicklungen aus seiner Sicht die Zukunft bestimmen.

Storage-Insider: Welche Herausforderungen sehen Sie 2016 im Bereich Datenmanagement?

Ash Ashutosh: Die größte Herausforderung besteht darin, Hürden im eigenen Kopf zu überwinden. Zu häufig wird noch in klassischen Kategorien gedacht. Doch Hardware und traditionelle Infrastruktur sind nur Mittel zum Zweck. Unternehmen müssen anstelle dessen die Daten in den Mittelpunkt stellen und entsprechende Konsequenzen ziehen.

Welche Trends leisten dieser Herausforderung Vorschub?

Ash Ashutosh: Im Wesentlichen spielen drei Faktoren eine gewichtige Rolle. Zunächst sehen wir eine Standardisierung der Infrastruktur, wodurch deren Relevanz abnimmt. Die Angebote unterscheiden sich kaum noch. Daher besteht kein Grund, sich mit diesem Thema weiterhin groß zu beschäftigen. Des Weiteren schreitet die Virtualisierung vor allem im Server- und Netzwerkumfeld weiter voran. Letztlich spielt zudem das Thema Cloud und die damit verbundene Mobilität von Daten eine immer entscheidendere Rolle.

Bestehen zwischen den USA und Deutschland regionale Unterschiede?

Ash Ashutosh: In den USA ist die Entkopplung von Daten und Infrastruktur bereits in den Köpfen angekommen. Hierzulande stehen Unternehmen neuen Entwicklungen hingegen eher konservativ gegenüber. Wird ein Thema aber einmal als relevant erkannt, dann holen die Deutschen schnell auf. Dies könnte – und sollte - 2016 einsetzen, denn die Qualität der Datenverwaltung entwickelt sich zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor.

Welche Konsequenzen ergeben sich daraus in punkto "Datenmanagement-Strategie 2016" für deutsche Unternehmen?

Ash Ashutosh: Unternehmen müssen sich der Tatsache bewusst werden, dass Daten ein wichtiger, wenn nicht gar der wichtigste, Produktionsfaktor sind. Diesen gilt es bestmöglich, effizient und professionell zu nutzen, wie auch bei Rohstoffen oder Maschinen der Fall. Die IT-Infrastruktur darf nicht mehr das entscheidende Thema sein. Sondern wenn modernisiert wird, dann von Grund auf die Datenverwaltung und nicht die grauen Boxen. Die Strategie für 2016 sollte kurz gesagt drei Zielen folgen: Flexibilität, Schnelligkeit und Sicherheit.

Wirkt sich die aktuelle Open-Source-Welle auf das Datenmangement aus?

Ash Ashutosh: Open Source schafft lediglich weitere Optionen, da die Zahl an verfügbaren Anwendungen steigt. Infolgedessen können Unternehmen kostengünstige Alternativen zu etablierten Angeboten entstehen. Unmittelbare Auswirkungen gibt es aus meiner Sicht nicht, da das Datenmanagement einzelnen Anwendungen übergeordnet ist. Allerdings sollten Unternehmen einen holistischen Ansatz wählen und Open-Source-Lösungen in ihre Überlegungen mit einbeziehen.

Macht die Container-Technik und die vVOL-Thematik Hypervisoren überflüssig?

Ash Ashutosh: Ich gehe davon aus, dass Hypervisoren auch künftig eine Schlüsselposition in der Virtualisierung einnehmen. Ein Hypervisor dient der I/O-, also CPU/Memory-Virtualisierung. vVOL virtualisiert hingegen Speicher im Sinne von Festplatten, nicht RAM. Von daher sehe ich keinen Widerspruch, beziehungsweise keine Überschneidung.

Wie ist Openstack im Zusammenhang mit der Copy-Data-Virtualisierung zu bewerten?

Ash Ashutosh: Für mich besteht kein relevanter Zusammenhang, da die Copy-Data-Virtualisierung ganz wesentlich auf die Unabhängigkeit der umgebenden Infrastruktur abzielt. Insofern sind beide Themen für sich separate Komplexe.

Management und Provisionierung von Speicher über Openstack - ist das ein Modell für die Zukunft?

Ash Ashutosh: Orchestrierung gewinnt im Rechenzentrum-Betrieb an Bedeutung. Durch den Einsatz von Lösungen wie Openstack können sich IT-Abteilungen künftig stärker auf zentrale Geschäftserfordernisse konzentrieren und klassische Infrastrukturen unaufwändiger betreiben.

Ist die Forderung nach geringen Latenzzeiten nicht das Ende von Hochgeschwindigkeitsnetzwerken?

Ash Ashutosh: Nein, aus meiner Sicht nicht. Jeder Baustein, der dafür sorgt, dass Daten schneller verfügbar sind, ist in Zukunft gefragt. Auch wenn ich den Schwerpunkt und das größte Potenzial beim Datenmanagement sehe und weniger auf der Infrastrukturseite.

Können Sie sich vorstellen, dass alle für eine Problembearbeitung notwendigen Daten eines nicht allzu fernen Tages in den Hauptspeicher passen?

Ash Ashutosh: Ja, warum nicht? Bei dieser Überlegung sollte aber nicht vergessen werden, dass dies dem Management von Daten über deren gesamten Lebenszyklus hinweg nicht hilft – und hier liegt ja die Kunst. Um den Primärspeicher nicht zu belasten, wäre hierfür aus heutiger Perspektive nach wie vor der Einsatz eines Sekundärspeichers unerläßlich.

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