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Neue Architektur für Speicherriegel Dells CAMM-Speicher: Hat SODIMM bald ausgedient?

Von Michael Eckstein

Dell will seine Speichertechnik CAMM als Industriestandard etablieren. Das hat der Computerhersteller in einem Blog-Beitrag angekündigt. Tatsächlich hält CAMM mehrere interessante Detaillösungen parat.

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Im Vergleich mit SODIMMs (links) sind CAMMs laut Dell 57 Prozent flacher. Bereits bei einseitiger Bestückung mit Speicherchips seien 128 Gigabyte Arbeitsspeicher möglich – dafür sind aktuell vier vollbestückte SODIMMS erforderlich.
Im Vergleich mit SODIMMs (links) sind CAMMs laut Dell 57 Prozent flacher. Bereits bei einseitiger Bestückung mit Speicherchips seien 128 Gigabyte Arbeitsspeicher möglich – dafür sind aktuell vier vollbestückte SODIMMS erforderlich.
(Bild: Dell)

Dell bringt seine neue Mobile-Workstation-Serie Precision 7000 mit der hauseigenen, patentierten CAMM-Architektur (Compression Attached Memory Module) für DDR5-Arbeitsspeicher auf den Markt. Zwar soll die Baureihe später auch mit Speicherriegeln im industrieweit eingesetzten SODIMM-Format erhältlich sein – doch macht Dell in einem Blog-Beitrag klar: Man hat die Absicht, die Standardisierung für das Format der neuen Speichermodule in der Branche voranzutreiben.

Gegenüber dem US-amerikanischen Computermagazin PC World hob Dell-Ingenieur Tom Schnell hervor: „Einer der Grundpfeiler der PC-Industrie sind Standards. Wir behalten [Eigenentwicklungen] nicht für uns, sondern hoffen, dass sie der nächste Industriestandard werden.“ Schnell arbeitet als Senior Distinguished Engineer bei Dell und war maßgeblich an der Entwicklung der neuen Technik beteiligt. Daher sei es einer der nächsten Schritte, die CAMM-Technik der Speicher-Standardisierungsorganisation JEDEC vorzulegen – und sie so letztlich auch anderen Herstellern zugänglich zu machen. Die müssten freilich Lizenzgebühren zahlen.

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Druckkontakte statt Kontaktleisten

CAMM ist nicht kompatibel mit SO-DIMM, baut deutlich flacher sowie breiter und nutzt Druckkontakte für die Verbindung zur Hauptplatine – ähnlich den Ball-Grid-Arrays vieler Chips. Das bedeutet: Die ein- oder zweiseitig mit Speicherchips bestückten CAMM-Platinen werden nicht mehr in Federkontaktleisten gesteckt, sondern mithilfe von sechs Schrauben auf eine Kontaktfläche gedrückt. Die Schraubtechnik wirkt erst einmal antiquiert, macht das ganze System aber weniger anfällig gegenüber Erschütterungen und somit zuverlässiger. So könnte die Technik die Vorteile fest verlöteter Speicherchips mit denen austauschbarer Module vereinen.

Das Kontaktfeld eines CAMMs hat mehrere hundert Kontakte, die je nach vorgesehener Funktion unterschiedlich groß sind. 128 davon leiten Daten, so dass schneller Dual-Channel-Betrieb mit 2 x 64 Bit möglich sein soll. Laut Dell sind die Signalwege bei der Technik kürzer als bei den etablierten Modulen, was in der Regel höhere Taktfrequenzen ermöglicht. Gegenüber den üblicherweise übereinander angeordneten SODIMMs sollen die CAMMs knapp 60 Prozent Bauhöhe einsparen – was dem Trend zu immer flacheren Notebooks entgegenkommt. Wenig überraschend sieht Dell zunächst Kapazitäten von 16 Gigabyte bis 128 GB pro Modul vor, die mit 3.600 bis 4.800 MHz getaktet sind.

Kontaktfeld als Heatsink

Wie Schnell betont, sei das aber nicht der einzige Vorteil: Auch benötigten CAMMs weniger Energie, ließen sich leichter in die Schaltung eindesignen und hätten auch beim Wärmemanagement Vorteile. So könne beispielsweise die Kontaktleiste auch als Heatsink genutzt werden. Zu guter Letzt müssten die neuen Riegel auch nicht die Altlasten älterer Modulgenerationen mitschleppen – wie eben die SODIMMs. Die gibt es seit nunmehr 25 Jahren, die neueste Iterationsstufe sind DDR5-Riegel.

Spätestens mit den in der Entwicklung befindlichen DDR6-Speichern sieht Dell das Ende der Fahnenstange für SODIMMs erreicht. Dann müsste ohnehin ein neues Format entwickelt werden. Wie praktisch, dass die eigenen CAMMs nach eigenen Angaben auch höhere Taktfrequenzen in Kombination mit höheren Speicherdichten unterstützen – und damit wohl auch als DDR6-SDRAM geeignet wären. Einen Nachteil muss Dell allerdings noch ausräumen: Bislang sind die CAMM-Riegel nur als Nicht-ECC-Variante verfügbar, was für Firmenkunden ein Showstopper sein könnte.

Dieser Beitrag stammt ursprünglich von unserem Partnerportal Elektronik Praxis.

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