Neue Aufgaben dank Cloud-Storage

Der Datenbankadministrator als Wissensträger

| Autor / Redakteur: Pascal Poletto* / Dr. Jürgen Ehneß

Geändertes Storage-Verhalten, geänderte Anforderungen: DBAs stehen vor neuen Herausforderungen.
Geändertes Storage-Verhalten, geänderte Anforderungen: DBAs stehen vor neuen Herausforderungen. (Bild: Axians)

Unternehmen verlagern ihre Datenbanken zunehmend in die Cloud, was die Rolle des Datenbankadministrators (DBA) verändert: Routine-Aufgaben wie die Backup-Erstellung fallen weg, und neue Herausforderungen kommen hinzu. Denn statt einem reinen Verwalter wird der DBA zum Business-Enabler.

Mit neuen Technologien wie Internet of Things (IoT), Big Data Analytics und künstlicher Intelligenz (KI) steigt das Datenvolumen in Unternehmen kontinuierlich an. Um diese Flut zu managen und Ressourcen flexibel zu skalieren, setzen immer mehr Unternehmen auf die Cloud. Denn hier lassen sich der Speicherplatz und die Rechenleistung ganz nach Bedarf hoch- und auch wieder herunterskalieren, ohne dass dafür eigene Hardware-Investitionen nötig sind. Aus einer aktuellen Studie von Unisphere Research geht hervor, dass knapp die Hälfte der befragten Unternehmen bereits mit mindestens einer Datenbank in der Cloud arbeiten. Zwei Drittel derer, die dies noch nicht tun, planen es für die Zukunft.

Mit Datenbank-as-a-Service (DBaaS) fallen für Datenbankadministratoren viele traditionelle Aufgaben weg, da sie der Cloud-Provider übernimmt – etwa Installation, Bereitstellung, Backups, Updates und Wartung. Beliebte Anbieter hierfür sind zum Beispiel Amazon Web Services, Microsoft Azure, Google Cloud und Datenbankhersteller wie Oracle oder MongoDB. Überflüssig wird der DBA dadurch nicht, seine Aufgaben verändern sich lediglich. Laut Unisphere Research ist die Zahl der Datenbankadministratoren trotz Cloud-Nutzung in mehr als 60 Prozent der Betriebe gleichgeblieben und in 20 Prozent sogar gestiegen.

Herausforderungen auf dem Weg in die Cloud

Die eigentliche technische Migration der Datenbankschemata und Daten in die Cloud lässt sich heute dank zahlreicher Hilfsmittel meist schnell sowie einfach durchführen. Herausforderungen gibt es aber auf der Feature-Ebene, denn teilweise haben Cloud- und On-Premises-Versionen nicht denselben Umfang an Funktionen. Manche werden noch nicht unterstützt, und andere sind womöglich gar nicht geplant, weil sie veraltet oder überholt sind. Ist eine Applikation auf diese Funktionen angewiesen, spricht das gegen eine Migration.

Dazu kommen mögliche Verbindungsproblematiken. Denn in hybriden Umgebungen, bei denen eine Applikation On-Premises betrieben wird und die zugehörigen Datenbanken in der Cloud liegen, kann es zu Latenzproblemen kommen. Selbst wenn die Verbindung nur wenige Millisekunden länger dauert, führt das bei vielen Abfragen möglicherweise dazu, dass der letzte Anwender zu lange warten muss. Im schlimmsten Fall stürzt eine Anwendung gar ab, weil die Verzögerung über der Toleranzgrenze liegt. DBAs müssen daher testen, ob eine hybride Lösung überhaupt praktikabel ist.

Performance und Kosten optimieren

Laut zwei Dritteln der in der genannten Unisphere-Research-Studie Befragten ist die wichtigste Aufgabe des DBAs bei der Datenbankadministration in der Cloud, die Performance zu monitoren und zu optimieren. Dabei lassen sich durch geschicktes Management und Kapazitätsplanung Probleme oft im Vorfeld vermeiden. Kommt es trotzdem zu langen Wartezeiten bei Datenbankabfragen, gilt es, die Ursache zu ermitteln und zu beheben: vielleicht ist eine SQL-Abfrage schlecht programmiert, oder es kommen sich verschiedene Abfragen, die gleichzeitig stattfinden, in die Quere. Zudem muss der DBA Autotuning-Vorschläge der Cloud prüfen. Stellt diese zum Beispiel fest, dass ein Index lange Zeit nicht mehr verwendet wurde, bietet der Service an, ihn zu löschen.

Darüber hinaus sind DBAs dafür verantwortlich, die Kosten für die Datenbanken im Auge zu behalten. Da in der Cloud nach Nutzung abgerechnet wird, kann Wildwuchs schnell das Budget sprengen. Deshalb sollte ein Anwender nur die Ressourcen anlegen, die er tatsächlich braucht. Um dies zu gewährleisten, empfiehlt es sich, einen Genehmigungsprozess zu etablieren, bei dem der DBA den Entwicklern passende Ressourcen zuweisen kann.

Für Security und Compliance sorgen

Als Inhaber der Datenhoheit müssen sich DBAs auch damit auseinandersetzen, wie Datenschutz sowie -sicherheit beim Datenbankbetrieb in der Cloud funktionieren, denn die DSGVO stellt hier hohe Anforderungen. Damit personenbezogene Informationen nicht in unbefugte Hände gelangen, sind eine Verschlüsselung und ein gutes Rechtemanagement unabdingbar. Es liegt in der Verantwortung des DBA, Richtlinien zur Arbeit mit Datenbanken zu entwickeln und zu implementieren. Über einen Identity- and Access-Management-Service im DBaaS lassen sich Nutzergruppen einrichten, Rollen zuweisen und Policies definieren. So können DBAs genau festlegen, welcher Nutzer auf welche Daten zugreifen darf.

Entwickler und Trendscout sein

Nicht zuletzt sollten DBAs bereit sein, sich laufend weiterzubilden, denn Cloud-Services befinden sich in einem kontinuierlichen Fluss. Neue Features und Technologien stehen hier deutlich schneller zur Verfügung als in On-Premises-Versionen. DBAs sollten diese neuen Möglichkeiten ausloten, um ihr Unternehmen optimal bei der Digitalisierung zu unterstützen. Gleichzeitig müssen sie ein Stück weit Entwickler sein. Denn auch wenn es für das Datenbankmanagement viele verschiedene Tools gibt, kann es vorkommen, dass keines davon die aktuell gewünschte Aufgabe erfüllt. DBAs sollten dann in der Lage sein, auch selbst einmal ein Skript zu schreiben, um Abläufe zu optimieren und zu automatisieren.

Pascal Poletto ist Teamleiter Data Platform Solutions bei Axians IT Solutions.
Pascal Poletto ist Teamleiter Data Platform Solutions bei Axians IT Solutions. (Bild: Axians)

Fazit: vom Verwalter zum Berater und Architekten

Datenbankadministratoren können sich heute nicht mehr auf Verwaltungsaufgaben zurückziehen. Sie müssen über den Tellerrand hinaus blicken und sich auch mit Cloud-Umgebungen, Security und neuen Trends auseinandersetzen. Je stärker Daten ins Zentrum des Geschäftserfolgs rücken, desto wichtiger wird die Rolle des DBAs als deren Hüter und Bereitsteller. Er muss sich als Wissensträger etablieren und Fachabteilungen beraten, mit welchen Technologien sie ihre Ziele erreichen können. Mit seinem Know-how trägt der DBA dazu bei, die Zukunft des Unternehmens zu gestalten – und nimmt somit eine essenzielle Rolle für den Geschäftserfolg ein.

*Der Autor: Pascal Poletto,Teamleiter Data Platform Solutions bei Axians IT Solutions.

Empfehlenswerte Konferenzen und Events

Um ihrer neuen Rolle gerecht zu werden, müssen sich DBAs kontinuierlich weiterbilden. Die folgenden Konferenzen und Events sind für SQL-, Db2- und Oracle-Administratoren empfehlenswert:
SQL Server Konferenz Deutschland
SQL Saturday
IDUG Db2 Tech Conference
DEDUG
DOAG

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