Das Experteninterview mit Ingmar Löke, Qumulo GmbH

„Die alten Filesysteme kommen langsam an ihre Grenzen“

| Autor / Redakteur: Kriemhilde Klippstätter* / Dr. Jürgen Ehneß

Neu bei Qumulo: „Qumulo File Fabric“ (QF2).
Neu bei Qumulo: „Qumulo File Fabric“ (QF2). (Bild: Qumulo)

Das US-amerikanische Unternehmen Qumulo sorgt derzeit auch hierzulande in der Speicherindustrie für Furore, da die Firma mit dem „Qumulo File Fabric“ (QF2) ein zukunftsträchtiges Filesystem auf den Markt gebracht hat. Insbesondere sollen Unternehmen mit entweder sehr vielen (kleinen) oder aber riesigen Files davon profitieren. Storage-Insider sprach mit Ingmar Löke, bei Qumulo als Director of Sales für den Vertrieb in DACH und Osteuropa zuständig, auch über die Neuerungen im Produktportfolio.

Storage-Insider: Was macht den Erfolg von Qumulo aus?

Ingmar Löke, Qumulo: Auf den Punkt formuliert: Die Kunden müssen sich keine Gedanken mehr über ihre Files machen: Habe ich große Files, habe ich kleine Files, habe ich Milliarden Files? Die Speicherkapazität ist meist nicht das Problem, sondern die Unübersichtlichkeit durch die Vielzahl an Files und Verzeichnissen, …

Ingmar Löke ist bei Qumulo als Director of Sales für den Vertrieb in der DACH-Region und Osteuropa zuständig.
Ingmar Löke ist bei Qumulo als Director of Sales für den Vertrieb in der DACH-Region und Osteuropa zuständig. (Bild: Qumulo)

… die immer wieder lang andauernde „Treewalks“ erfordern.

Genau. Wir separieren die Metadaten von den Nutzdaten und packen sie in eine intelligente B-Tree-Datenstruktur. So müssen wir zu keiner Zeit Verzeichnisabfragen machen. Dazu kommt die Live-Sicht auf die Daten: Wer macht was mit den Daten? Jeder spricht vom Data Lake – und wir sind eigentlich die Taucherbrille dafür.

Wie tief geht die Sicht auf die Daten?

Man kann genau sehen, welcher User sich welche Performance nimmt, welche Kapazität er belegt und so weiter. Mit der neuen Funktion „Audit Tracking“ sieht man zusätzlich, wer was mit einem File gemacht hat: Hat er es verschoben oder gelöscht, und wann hat er das getan? Das ist unter anderem interessant für Unternehmen aus dem Finanzsektor.

Laufen da die Betriebsräte nicht Sturm?

Wir stellen diese Daten nicht in unserem Graphical User Interface [GUI] zur Verfügung. Dort geben wir nur einen Überblick. Aber der normale Administrator kann natürlich schon sehen, was mit den Files passiert ist – etwa, wenn sich jemand über mangelnde Performance beschwert. Wir sehen, wo das Problem liegt. In herkömmlichen Systemen müssen dafür Reports angestoßen werden, die oft Stunden oder sogar Tage beanspruchen, bis die jeweiligen Informationen erhältlich sind. Das wird immer unkomfortabler, je kleiner die Files und je größer deren Anzahl ist. Die Suchzeiten steigen dann exponentiell.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Der Administrator verabschiedet sich am Freitag ins Wochenende und hat dem System 100 Terabyte zur Verfügung gestellt. Am Montagmorgen sind keine Kapazitäten mehr frei – alles ist voll. Er fängt an, sich Logfiles zu ziehen, um herauszufinden, wer das System gefüllt hat und wohin die Kapazitäten verschwunden sind. Die Suche dauert Stunden oder manchmal Tage. Bei uns ist das ein Klick auf die Directorys, und er weiß, wohin die Speicherkapazitäten gegangen sind.

Wir leben in den Zeiten von IoT [Internet of Things] mit der ungeheuren Menge an Sensordaten. Schreien die Unternehmen da nicht nach Qumulo?

Ja, definitiv. Wir sind zum Beispiel mit einigen großen Automobilherstellern im Gespräch, die sich unter anderem mit autonomem Fahren beschäftigen. Da sind wir Faktor zwei bis drei effizienter als der Mitbewerb. Insgesamt aber gilt für Deutschland noch: Viele sprechen über IoT, wenige setzen es um.

Ergänzendes zum Thema
 
Die Neuerungen bei Qumulo

Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Oft liegt es daran, dass die Anforderungen noch gar nicht in der eigentlichen IT angekommen sind und es mit den bereits genannten Herausforderungen und den bisherigen Filesystemen schlicht bis dato sehr aufwendig war, dies umzusetzen. Oft liegt das am zu kleinen Filesystem. Wussten Sie, dass beispielsweise in Drogeriemärkten die einzelnen Kassenbons nachts archiviert werden, Milliarden von Belegen? Da macht kein herkömmliches Filesystem mit.

Aber unsere Architektur eignet sich nicht nur für die vielen kleinen Files, sondern auch für die ganz großen. Die Firma Vexcel Imaging aus Graz beispielsweise hat sich auf Geo-Imaging spezialisiert. Die fliegen mit leistungsstarken Kameras übers Land und fotografieren das Gelände. Pro Fünfstundenflug kommen da schon mal zehn Terabyte an Daten zusammen. Die Größe eines Files liegt meist bei vier Terabyte. Ähnliche Datenmengen ergeben sich bei der Genomsequenzierung oder histologischen Aufnahmen von Gewebeschnitten. Diese Files überschreiten schon heute manchmal vier Terabyte.

Wo lagern Ihre Kunden diese Datenmengen?

Qumulo ist eine Software-Firma, und wir haben bei der Entwicklung von Beginn an auf die Cloud gesetzt. In Deutschland fängt man ja gerade erst an mit Cloud Computing …

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Na ja, unsere Cloud-Provider sagen aber etwas anderes.

Wenn man Microsoft-365-Cloud-Dienste nutzt, dann ist das für mich noch kein Cloud Computing. Erst wenn man durchgängig Prozesse bei Amazon oder Google abbildet – und da sind andere Länder viel weiter.

Aber Cloud ist teuer.

Die Anbieter sagen, ja, wir sind teuer, wenn der Anwender nichts an seiner IT verändert. Wenn der Betrieb immer im 24-Stunden-Modus läuft, mit immer den gleichen Buffer-Kapazitäten, wenn ich in der Cloud alles genau so haben will wie im eigenen Data-Center, dann ist die Cloud nicht billiger.

Hinzu kommen die Sicherheitsbedenken …

In puncto Sicherheit kann man Google und Konsorten nichts vorwerfen. Für die hat Sicherheit die höchste Priorität – anders als in vielen Unternehmen.

Ich meine die Unsicherheit hinsichtlich der Zugriffsmöglichkeiten der US-Regierung auf die US-Cloud-Anbieter.

Aber es gab doch einmal die deutsche „Trusted Cloud“ von Microsoft und der Telekom. Die war 20 Prozent teurer als die normale Cloud von Microsoft – und kaum jemand war bereit, das zu bezahlen.

Dafür soll jetzt das Projekt „Gaia X“ eine europäische Lösung werden.

Für die European Cloud wage ich die Prophezeiung, dass der BER eher aufmacht, bis man sich da auf Standards et cetera geeinigt hat. Und dann bleibt die Frage: Was ist der Preis dafür?

Qumulo braucht also die Cloud?

Nein. In Deutschland sind 95 Prozent unserer Kunden On-Premises-Anwender. Sie nutzen Qumulo auf Quanta- oder Apollo-Systemen von HPE im eigenen Data-Center. Wir bieten für die Quanta-Speicher drei Klassen an: All-Flash-Speicher, Hybrid-Storage mit SSDs sowie HDDs (wobei writes immer zuerst auf SSD landen und reads proaktiv in den SSD-Tier geladen werden). Außerdem bieten wir Archive-Knoten auch mit SSDs, aber mehr HD-Kapazität. Bei HPE sind derzeit nur die Hybrid- und Archivlösungen zu haben, All-Flash ist in Vorbereitung.

Der Einsatz von Quanta-Speichern zusätzlich zu HPE ist neu, oder?

Nein, wir waren von der ersten Minute an Software-Defined und unterstützen prinzipiell Standard-Hardware. Mit unseren eigenen zertifizierten Quanta-Systemen und den HPE-Apollo-Systemen wollen wir dem Anwender mehr Wahlmöglichkeit für den Einsatz im eigenen Data-Center bieten. Auch für die Quanta-Lösungen geben wir Leistungsgarantien auf die Plattform. Bei Software-Updates liefern wir zudem alle Neuerungen mit, die für die Speicher-Hardware notwendig sind. Der Kunde muss sich also um kein Linux kümmern oder darum, ob Firmware A zu Firmware B passt. Für ihn stellt sich die zertifizierte Plattform wie eine integrierte Appliance dar. Das finden die Kunden cool. Aber die Kunden können sie auch eins zu eins beim Service-Provider buchen.

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Ist die All-Flash-Lösung der Verkaufsschlager bei Qumulo?

Ich sehe All-Flash aktuell noch nicht als Riesenmarkt im Filestorage-Umfeld, bezogen auf den deutschsprachigen Raum.

Nein? Weil es zu teuer ist?

Hier unterscheiden wir uns auf Grund unserer Flash-First-Architektur stark von anderen, da bei den meisten Workloads eine hybride Basis vollkommen ausreichend ist. Für AI- oder HPC-Anwendungen benötigt man kein intelligentes Filesystem. Da geht es um Geschwindigkeit. Dafür eignet sich zum Beispiel Lustre. Das kann nicht viel, rechnet aber pfeilschnell. Diese Geschwindigkeit werden wir nie mitgehen, weil bei uns Sicherheit und File-Konsistenz Top-Priorität haben.

Den einzigen Anwendungsfall für All-Flash-Speicher sehe ich derzeit im Media- und Entertainment-Umfeld. Da ist der deutsche Markt aber auch ein bisschen hinterher, wenn ich beispielsweise von 6k- oder 8k-Editing spreche. ARRI ist einer unserer Referenzkunden aus dem Medienbereich, aber auch für deren 4k-Anwendungen reichen unsere Hybridsysteme.

Ab wann lohnt sich eine Qumulo-Lösung?

Unsere Erfahrung zeigt, ab einer Kapazität von 150 Terabyte sollte man spätestens an einen Umstieg denken, außer man hat Milliarden Files, dann schon eher.

*Das Gespräch mit Ingmar Löke führte Kriemhilde Klippstätter, freie Autorin und Systemischer Coach (SE) in München.

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