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Storage als Grundlage: Edge-Computing für industrielle KI Die Infrastruktur hinter smarter Automation

Ein Gastbeitrag von Stefan Zieboll* 5 min Lesedauer

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Künstliche Intelligenz wandert zunehmend direkt in Maschinen, Produktionsanlagen und Robotersysteme. Für industrielle Anwendungen zählen dabei nicht möglichst große Modelle, sondern die Fähigkeit, Daten lokal, sicher und in Echtzeit zu verarbeiten. Ob Qualitätsprüfung, autonome Robotik oder Predictive Maintenance: Erst das Zusammenspiel von Compute, Storage, Software, Security und Connectivity schafft die Grundlage für zuverlässige Edge-KI.

Storage bildet die Grundlage für industrielle Edge-KI, auf der alle anderen Komponenten aufbauen.(Bild:  KI-generiert)
Storage bildet die Grundlage für industrielle Edge-KI, auf der alle anderen Komponenten aufbauen.
(Bild: KI-generiert)

Kameras, Sensoren, Antriebe und Steuerungen erzeugen im laufenden Betrieb kontinuierlich Daten. Diese müssen häufig innerhalb von Millisekunden ausgewertet werden, etwa um fehlerhafte Bauteile zu erkennen, Bewegungsabläufe anzupassen oder drohende Maschinenausfälle frühzeitig zu melden. Dafür benötigen industrielle Edge-AI-Systeme geringe Latenzen, hohe Verfügbarkeit und die Kontrolle über sensible Produktionsdaten.

Das European Telecommunications Standards Institute (ETSI) beschreibt Multi-Access-Edge-Computing als Infrastruktur, die Rechenressourcen, Speicher und Anwendungen näher an den Ort der Datenerzeugung verlagert. Für industrielle Betreiber entsteht dadurch die Möglichkeit, Entscheidungen unabhängig von einer Cloud-Anbindung zu treffen. Die Cloud bleibt wichtig für Analysen, Flottenmanagement und die globale Modellverteilung. Produktionskritische Entscheidungen müssen jedoch lokal erfolgen.

Eine robuste Edge-KI-Infrastruktur basiert auf fünf eng miteinander verbundenen Bausteinen: Compute, Storage, Software, Security und Connectivity. Erst ihr Zusammenspiel ermöglicht einen langfristig zuverlässigen Betrieb.

Compute: vom Inference-System zur lokalen KI-Plattform

Die aktuelle Generation industrieller Edge-AI-PCs bietet eine Rechenleistung, die noch vor wenigen Jahren ausschließlich in Rechenzentren verfügbar war. Moderne Systeme kombinieren Hochleistungs-CPUs mit GPUs und spezialisierten NPUs. Dadurch lassen sich heute selbst komplexe KI-Anwendungen direkt an der Maschine betreiben.

Während Edge-Systeme bislang hauptsächlich für Inference eingesetzt wurden, verlagern sich zunehmend auch Trainings- und Optimierungsaufgaben an den Netzwerkrand. Lokales Fine-Tuning ermöglicht die Anpassung von Modellen an produktspezifische oder standortspezifische Anforderungen.

Gerade in der Robotik entsteht daraus ein erheblicher Vorteil. Bewegungsabläufe, Greifstrategien oder Qualitätsparameter können auf Grundlage realer Prozessdaten kontinuierlich optimiert werden.

Storage: das Fundament industrieller Edge-KI

Trotz aller Fortschritte bei Prozessoren und KI-Beschleunigern bleibt Storage eine zentrale Infrastrukturkomponente industrieller Edge-AI-Anwendungen. Compute verarbeitet Informationen, Storage bewahrt Modelle, Konfigurationen, Betriebsdaten und die Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen.

Industrielle Systeme laufen mindestens fünf Jahre, häufig deutlich länger. In dieser Zeit werden Betriebssysteme aktualisiert, KI-Modelle ersetzt, Datensätze erweitert und neue Funktionen ergänzt. Damit steigen auch die Anforderungen an den Speicher.

In Robotikzellen entstehen kontinuierlich Prozess-, Bild-, Diagnose- und Qualitätsdaten. Machine-Vision-Systeme speichern hochauflösende Bildserien für Training, Validierung und Rückverfolgbarkeit. Predictive-Maintenance-Anwendungen sammeln über Jahre Sensordaten, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Speicher darf deshalb nicht nur nach Kapazität ausgewählt werden. Entscheidend sind Endurance, Datenintegrität und langfristige Zuverlässigkeit. Industrielle Lösungen müssen hohe Schreiblasten, häufige Updates und anspruchsvolle Umgebungsbedingungen wie Temperaturwechsel, Vibrationen, Staub oder Spannungsschwankungen beherrschen.

Wichtige Merkmale sind Error-Correction, Power-Loss-Protection, Health-Monitoring, definierte Firmware-Stände und ein kontrollierter Produktlebenszyklus. Wird ein System während eines Schreibvorgangs unerwartet abgeschaltet, schützt Power-Loss-Protection vor Datenkorruption und reduziert Ausfallrisiken.

Auch die Kapazitätsplanung wird oft unterschätzt. Neben dem KI-Modell benötigen Trainingsdaten, Metadaten, Backups, Log-Dateien und mehrere Modellgenerationen zusätzlichen Platz. Hinzu kommen langfristige Aufbewahrungspflichten. Wer Storage nur für die erste Modellversion auslegt, schafft frühzeitig einen Engpass.

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Zugleich unterstützt lokaler Storage Data-Governance und Datenhoheit. Fertigungswissen, Qualitätsdaten und trainierte Modelle bleiben in der eigenen Infrastruktur. Das reduziert Abhängigkeiten sowie Kosten für Cloud-Storage und Datenübertragung.

Software: die Intelligenz zwischen Sensor und Entscheidung

Die Software-Ebene verbindet Hardware, Sensorik und KI zu einem funktionierenden Gesamtsystem. Sie umfasst Betriebssysteme, Treiber, Middleware, Datenerfassung, Datenaufbereitung und die eigentlichen KI-Modelle.

Large Language Models unterstützen Bediener bei Diagnose- und Serviceprozessen. Vision Language Models kombinieren Bildverarbeitung mit Kontextverständnis und ermöglichen komplexere Qualitätsbewertungen. Vision-Language-Action-Modelle verbinden Wahrnehmung, Interpretation und Handlung in einer einzigen Architektur.

Gerade in der Robotik eröffnen VLA-Systeme neue Möglichkeiten. Das System erkennt Objekte, bewertet deren Zustand, interpretiert die Situation und leitet daraus unmittelbar die nächste Aktion ab. Dadurch verschmelzen Bildverarbeitung, Entscheidungslogik und Maschinensteuerung zunehmend zu einer integrierten Plattform.

Security: Datenhoheit als strategischer Vorteil

Mit der zunehmenden Nutzung von KI steigt gleichzeitig die Bedeutung der Cyber-Sicherheit. Produktionsdaten enthalten häufig vertrauliche Informationen über Fertigungsprozesse, Qualitätsstandards und Unternehmens-Know-how. Deshalb sollten Daten möglichst innerhalb des eigenen Produktionsnetzwerks verbleiben.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) betrachtet Multi-Access-Edge-Computing als potenziell kritische Infrastrukturkomponente und weist auf die Bedeutung geeigneter Schutzmaßnahmen hin. Secure-Boot, signierte Firmware, verschlüsselte Speicherbereiche, rollenbasierte Zugriffsrechte und sichere Update-Mechanismen bilden die Grundlage moderner Edge-Security.

Lokale Datenverarbeitung verbessert nicht nur die Datensicherheit, sondern reduziert gleichzeitig Abhängigkeiten von externen Plattformen. In vielen Anwendungen werden deshalb nur aggregierte Ergebnisse, Statusinformationen oder ausgewählte Datensätze an die Cloud übertragen.

Connectivity: Echtzeit vor Bandbreite

Für industrielle KI-Anwendungen ist weniger die maximale Bandbreite entscheidend als vielmehr die Fähigkeit, Daten zuverlässig und mit minimaler Latenz bereitzustellen.

Produktionskritische Entscheidungen können nicht auf die Antwortzeiten entfernter Cloud-Rechenzentren warten. Qualitätsprüfungen, Bewegungssteuerungen und sicherheitsrelevante Funktionen benötigen deterministische Reaktionszeiten. Edge-KI ermöglicht genau diese lokale Entscheidungsfähigkeit.

Gleichzeitig muss die Kommunikationsinfrastruktur Netzwerkunterbrechungen tolerieren können. Intelligente Edge-Systeme arbeiten auch ohne Cloud-Verbindung weiter und synchronisieren relevante Daten erst nach Wiederherstellung der Verbindung.

Edge-AI braucht ein belastbares Fundament

Industrielle Edge-KI ist vor allem eine Infrastrukturaufgabe. Compute liefert die notwendige Rechenleistung. Software verwandelt Daten in Entscheidungen. Security schützt Wissen und Prozesse. Connectivity verbindet Systeme und Datenquellen. Storage bildet jedoch die Grundlage, auf der alle anderen Komponenten aufbauen. Eine leistungsfähige, langlebige und industrielle Speicherinfrastruktur entscheidet darüber, ob KI-Anwendungen über viele Jahre hinweg zuverlässig, nachvollziehbar und wirtschaftlich betrieben werden können.

Stefan Zieboll, Product Marketing Manager bei Swissbit.(Bild:  Swissbit)
Stefan Zieboll, Product Marketing Manager bei Swissbit.
(Bild: Swissbit)

* Der Autor: Stefan Zieboll ist Product Marketing Manager bei Swissbit und verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung im Produktmanagement und Marketing technologiegetriebener Lösungen. Seine Branchenschwerpunkte liegen in den Bereichen Automation & Robotik, Energie & Smart Infrastructure, Healthcare sowie Gaming & Signage.

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Speichern am Netzwerkrand: Edge-Storage

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E-Book „Edge-Storage“
(Bild: Storage-Insider)

Speicherkapazitäten am Netzwerkrand werden immer häufiger genutzt, denn die Zahl der Geräte, die am Edge eingesetzt werden, vervielfacht sich. Ein Edge-Storage kann dabei vielfältig verwendet werden.

Die Themen im Überblick:

  • Einsatzbereiche: Der Netzwerkrand ist (fast) überall
  • Technologien bei der Edge-Storage-Nutzung
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