CBL fordert Verhaltenskodex für die Datenrettungsbranche

„Ein Mindestmaß ethischer Standards“

| Redakteur: Dr. Jürgen Ehneß

Von dieser externen Festplatte konnte CBL Datenrettung die darauf gespeicherten wissenschaftlichen Arbeiten und Unterrichtsmaterialien wiederherstellen und merkt dazu an: „Das im Fernsehbericht von Armin Ghassim genannte Waliser Unternehmen hatte von der Dozentin zuvor 600 Euro kassiert und behauptet, eine Datenrettung sei unmöglich.“
Von dieser externen Festplatte konnte CBL Datenrettung die darauf gespeicherten wissenschaftlichen Arbeiten und Unterrichtsmaterialien wiederherstellen und merkt dazu an: „Das im Fernsehbericht von Armin Ghassim genannte Waliser Unternehmen hatte von der Dozentin zuvor 600 Euro kassiert und behauptet, eine Datenrettung sei unmöglich.“ (Bild: CBL Datenrettung)

Ein NDR-Bericht deckt fragwürdige Methoden bei einigen Unternehmen der Datenrettungsbranche auf und kommt zu dem Schluss, dass es „schwarze Schafe“ gebe. Die CBL Datenrettung GmbH fordert nun einen Verhaltenskodex für die Branche.

Trotz aller Ermahnungen und Aufrufe zur Datensicherung passiert es täglich und überall: Hardware-Schäden verhindern urplötzlich und ohne Vorwarnung den Zugriff auf wichtige und nur einmal vorhandene Daten. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um wichtige Unternehmensdokumente, zeitkritische Studienarbeiten oder unersetzliche Urlaubsfotos handelt. Ein typischer Fall sind defekte Festplatten und mittlerweile auch SSDs. Manchmal ist es „nur“ eine streikende Software, die den physischen Schadensfall vorgaukelt, oft genug aber sind es tatsächlich technisch bedingte Ausfälle oder mechanische Beschädigungen.

Dass es sich in solchen Fällen nicht empfiehlt, das Gerät zu öffnen und nachzuschauen, wo denn die Daten geblieben seien, hat sich glücklicherweise herumgesprochen. Die einzige sinnvolle Lösung für Unternehmens- wie Privatkunden ist demnach, einen professionellen Datenretter einzuschalten, der in vielen Fällen über Methoden verfügt, verlorengeglaubte Dokumente oder Bilder zu bergen.

Investigativer Journalismus

Dass sich in diesem Umfeld Unternehmen tummeln, die auf den Leidensdruck der Betroffenen setzen, um sich zu bereichern, deckte vor kurzem ein siebenminütiger TV-Beitrag des NDR von Armin Ghassim und Nils Naber mit dem Titel „Fragwürdige Geschäfte mit Computer-Datenrettung“ auf, der am 15. Oktober 2019 im Politikmagazin „Panorama 3“ ausgestrahlt wurde und in der NDR-Mediathek archiviert ist. Bei Youtube findet sich eine mit rund 19 Minuten deutlich längere Version des Beitrages mit dem Titel „Selbstversuch Datenrettung: Welches Unternehmen zockt mich ab?“, in der NDR-Reporter Armin Ghassim sein Prozedere detailliert erläutert und weitere Hintergründe liefert.

Im Stil eines klassischen investigativen Journalisten deckt Ghassim Methoden auf, die nicht gerade Vertrauen einflößen: nachweislich falsche Diagnosen, nicht benötigte, aber in Rechnung gestellte Leistungen, willkürliche bis völlig überzogene Preise (bis zu 3.189 Euro), mutwillige Beschädigungen. Dabei fallen Begriffe wie „schwarze Schafe“ und „abzocken“. Als Testobjekte dienen via Software manipulierte externe SSDs – von Ghassim konsequent als „Festplatten“ bezeichnet –, bei denen der Datenzugriff durch eine gelöschte Partitionsstruktur verhindert wird.

Der Reporter wendet sich unter falschem Namen an mehrere Firmen, die zwar über Annahmebüros in deutschen Großstädten verfügen, die SSDs aber nach Wales oder Österreich verschicken. Dazu befragt er Geschädigte und einen unabhängigen Sachverständigen, der die Daten bei einem der Testobjekte in Sekundenschnelle wiederherstellt. Allenthalben wird Ghassim zunächst eine kostenfreie Diagnose zugesagt, doch fallen am Ende teilweise horrende Beträge an, ohne dass die Daten entgegen zuvor getätigter Versprechungen gerettet würden.

Schließlich fragt Ghassim „Woran erkennt man potentiell fragwürdige Anbieter?“ und gibt sich und den Zuschauern gleich die Antwort in fünf Punkten: „Sie werden aggressiv, haben Scheinbüros, checken ab, wie wichtig die Daten sind, geben unklare Diagnosen und haben eine unklare Preisgestaltung.“ Der hinzugezogene Sachverständige geht noch ein Stück weiter, beschreibt die Branche als „unehrlich“ und bestätigt, dass ein Gütesiegel helfen könnte.

Branche würde profitieren

„Schwarze Schafe“ gibt es vermutlich überall, doch wenn diese eine komplette Branche in Verruf bringen, schaden sie nicht nur den Kunden, sondern auch seriösen Anbietern. Bezüglich des vorliegenden Falles meldet sich nun die CBL Datenrettung GmbH zu Wort und fordert einen „Data Recovery Code of Conduct“, also einen Verhaltenskodex für Datenretter.

Der Gedanke dahinter ist absolut nachvollziehbar: „Wenn alle Anbieter ein Mindestmaß ethischer Standards einhalten würden, könnte das den schlechten Ruf der Branche verbessern. Dies würde verhindern, dass sich Betroffene aus Angst vor Abzocke mit einem eigentlichen behebbaren Datenverlust abfinden. Die Bereitschaft, Datenrettung zu beauftragen, würde steigen – die Branche würde letztlich auch wirtschaftlich von einem Verhaltenskodex profitieren.“

CBL Datenrettung umreißt zudem in fünf Punkten, wie ein derartiger Kodex aussehen könnte:

1. Der Kunde bekommt eine wahrheitsgemäße Diagnose seines Schadens und einen verbindlichen Kostenvoranschlag.

2. Der Preis wird nach dem Aufwand der Dienstleistung berechnet und nicht nach der Zahlungskraft des Kunden.

3. Der Dienstleister verschleiert nicht den Standort seines Labors oder die Einbeziehung externer Kräfte.

4. Die Rekonstruktion der Daten erfolgt auf Basis eines forensischen Klons, die Daten auf dem Kundendatenträger bleiben unverändert.

5. Wenn ihm die Datenrettung nicht gelingt oder der Kunde den Auftrag zurückzieht, gibt der Dienstleister dem Kunden den Datenträger in bestmöglichem Zustand zurück, damit dieser die Möglichkeit hat, eine zweite Meinung einzuholen.

„Datenrettung ist Vertrauenssache“

CBL Datenrettung selbst kann auf Grund der langjährigen Branchenerfahrung die Spreu recht gut vom Weizen trennen: So hatten die Datenretter mehrfach Festplatten in ihren Labors, die zuvor bei Konkurrenzunternehmen gelandet waren – teilweise hatten diese sich korrekt verhalten, teilweise fielen aber auch Ungereimtheiten auf (siehe Bildergalerie).

Gerlinde Wolf, Channelmanagerin bei CBL Datenrettung, fasst zusammen: „Leider ist das, was der Reporter des NDR erlebt hat, kein Einzelfall, wir konnten selbst schon einigen der durch diese Firmen Geschädigten als Zweitgutachter mit einer Datenrettung helfen. Datenrettung ist Vertrauenssache, deshalb arbeiten wir zum Beispiel nicht mit Business-Center-Dienstleistern zusammen, die teilweise an einem Standort ‚Niederlassung‘ mehrerer Datenretter simulieren. Wir setzen lieber auf IT-Händler und Systemhäuser als Partner, die kompetent beraten und unsere Grundsätze mittragen: kostenlose Diagnose und das Prinzip ‚keine Daten, keine Kosten‘.“

Abseits ethischer Richtlinien, die für die Datenrettungsbranche gefordert werden, fällt ein Kommentar zu besagtem Youtube-Video besonders auf: „Wie wäre es damit: Regelmäßig ein Backup auf externer Festplatte!!! Dann braucht ihr die ganzen Abzocker nicht.“

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