Es müssen nicht immer US-IT-Produkte sein. Das bayerische Unternehmen euroNAS etwa hat neue Maßstäbe im Network Attached Storage gesetzt. Der niederländische Hersteller Ardis wiederum hat eine Lösung für die Medienbranche im Programm.
Mit eEVOS gelang euroNAS der Einstieg in den Markt für Virtualisierungslösungen.
(Bild: euroNAS)
Wer nach Alternativen zu US-IT-Produkten sucht, kann bei Virtualisierung, NAS- und Ceph-Software auf Lösungen made in Gräfelfing zurückgreifen. Dort arbeitet seit 2005 euroNAS. Entwickelt wird seit 2011 in Bulgarien. Das Team sitzt in Deutschland, UK, Portugal und Bulgarien. Das Unternehmen beschäftigt heute insgesamt 20, in der Kernmannschaft zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Der Umsatz liegt derzeit bei weniger als fünf Millionen Euro. Die Hälfte des Geschäfts kommt aus Europa, mit steigendem Anteil. Rund 80 Prozent des Umsatzes stammen aus dem OEM-Geschäft. Den Rest verkauft inzwischen der Channel. Größter Distributor ist Exertis Hammer, in Deutschland arbeitet Broadberry mit euroNAS zusammen.
Unkompliziertheit als Unterscheidungsmerkmal
Weil NAS bis dahin zu kompliziert für viele war, setzte euroNAS hier neue Maßstäbe. Die gesamte Bedienung basiert auf einer Web-Schnittstelle. EuroNAS arbeitet hardwareunabhängig und auf Hyper-V/VMware ESX. Alle wichtigen Storage-Protokolle werden unterstützt. Der Support fürs Direktgeschäft mit Kunden wird vom Anbieter selbst erledigt bis auf Level-One-Kontaktaufnahme in der Landessprache, die durch Partner erfolgt.
Im Lauf der Zeit folgten als neue Produkte HA-Software, dann eine Lösung für Enterprise-Virtualisierung (eEVOS), die mit asynchroner Replikation auch für Disaster Recovery geeignet ist. Darin enthalten ist auch ein Input-Wizard zur handbuchfreien Migration von VMware.
Eigene Virtualisierungslösung
Zuerst basierte eEVOS auf KVM, dann entstand wegen funktionaler Begrenzungen von KVM etwa beim Snapshotting eine eigene Virtualisierungslösung. Statt Snapshots werden sogenannte Revlinks, eine etwas andere Lösung, die Speicherplatz spart, plus ein Snapshot-ähnliches Backup benutzt.
Die Ein-Knoten-Lösung Premium Plus erlaubt ZFS und Standard-Filesysteme. Die Hochverfügbarkeitslösung euroNAS HA dagegen schließt ZFS aus, es sei denn, das Produkt wird als Shared Storage eingesetzt.
VMware-Alternative
Mit dem VMware-Verkauf an Broadcom änderte sich der Markt zugunsten von euroNAS – einschließlich der Akquise fachkundigen Personals. „Die neue Situation bei VMware hat unsere Nachfrage erheblich gesteigert“, sagt Tvrtko Fritz, Geschäftsführer der Firma. „Und direkt im Nachbargebäude hat VMware zwei Drittel der Belegschaft entlassen, die nun neue Arbeit sucht.“
Das aktuelle Wachstum sei immens. „Wir können in drei Jahren durchaus dreißig oder vierzig Millionen Euro Umsatz machen“, meint Fritz. Zum Kundenkreis gehören Medienunternehmen, staatliche Institutionen und Firmen unterschiedlicher Branchen, meist aus dem Mittelstand.
Während derzeit häufig die Open-Source-Alternative Proxmox als VMware-Alternative genannt wird, scheint der Anwenderbasis zumindest teilweise das Linux-Wissen zu fehlen.
Auch die Politik spielt euroNAS in die Hände. Die Nachfrage nach europäischen Produkten steige aufgrund der Politik der US-Regierung – erstaunlicherweise aber weniger in Deutschland als in Großbritannien, Spanien, Portugal oder den Niederlanden. Fritz: „Hier kauft man noch sehr gerne von US-Anbietern.“
Einstieg in Ceph
Zum Wachstum trägt insbesondere das Ceph-Geschäft bei. eEVOS wurde 2024 um Ceph-Funktionen für 32 Knoten ergänzt, da es nur wenige Out-of-the-Box-Storage-Lösungen für die Open-Source-Software gibt. Beispiele sind MinIO, Croit und OSNexus; allerdings seien sie alle recht teuer, so Fritz. Daher wurde 2024 eEVOS entwickelt. 2025 kam mit eKAS Scale-Out-Software für Ceph mit bis zu 60 Knoten.
Das Lizenzierungsverfahren bei Virtualisierungsprodukten und Ceph besteht im einmaligen Verkauf der Knoten plus mindestens dreijährigem Support-Abo. Bei Lizenzverlängerungen werden daher nur Supportkosten fällig. Ceph wurde um einige Spezialfunktionen erweitert. So lassen sich IP-Groups einbauen, die die Ressourcen gleichmäßig verteilen und für Ersatz sorgen, falls eine Ressource ausfällt.
Die Medienbranche bedient der im niederländischen Arnheim beheimatete Hersteller Ardis. Sein Produkt ist der Dynamic Drive Pool (DDP). Diese Branche hat spezifische Anforderungen, auf die Geschäftsführer Jan de Wit die Produkte seines Unternehmens zugeschnitten hat.
So müssen Akustik und Optik genau synchronisiert werden. Kritisch ist hier eine Kombination von hoher Bandbreite und hoher Kapazität, wobei SSDs in der Regel zu teuer sind. Wegen des Fehlens von Personal, das sich in Medien und IT-technologie auskennt, sind einfache Bedienung und ein guter Support wesentlich.
Stand: 08.12.2025
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Kleine Firma, große Idee
Gegründet wurde Ardis 2006. Die Firma befindet sich in Privatbesitz und hat lediglich sechs Mitarbeiter. Distribuiert wird in Europa direkt, in den einzelnen Ländern gibt es Reseller. In der übrigen Welt übernehmen die Verteilung Distributoren. Der Support wird inhouse geleistet.
Hardwarebasis aller Projekte sind vor allem günstige RAID-geschützte rotierende Festplatten. Die technische Finesse liegt darin, dass Anwender trotz einer Ordnerstruktur auf der Benutzerebene direkt auf die Medien zugreifen, wenn sie ganze Projekte cachen. Das macht das eigens dafür entwickelte hochverfügbare Shared-Storage-Filesystem AVIS möglich. Kein anderes Softwareprodukt bietet laut de Wit bisher diese Fähigkeit. Das System gibt es nur als On-Premises-Lösung, nicht als Cloud-Service. Einziger Kompromiss: die Zusammenarbeit mit der Münchner Archiware, ein Archivierungsservice aus der Cloud.
Direktzugriff aufs Speichermedium
Das DDP-HA-DDPHead ermöglicht den Aufbau einer hochverfügbaren, über Ethernet verbundenen Konfiguration mit nur einem Standard-Storage-Array und einem Ethernet-Switch.
(Bild: euroNAS)
AVIS verwendet Hardlinks, also Links auf spezielle Hardware-Positionen, und keinen Namespace. Das ist vorteilhaft, weil meistens auf sehr große Files zugegriffen wird. Die sogenannten Folder-Volumes können auf Desktops (Windows, Linux, iOS) gemountet werden. Darunter liegen normale Ordner, die Unterbereiche des Projekts kennzeichnen. So lassen sich alle Bereiche eines gecachten Projekts direkt auf der Hardware adressieren. Das ermöglicht Project-Caching mit Leitungsgeschwindigkeit.
Wird ein Folder-Volume im Gesamtsystem verschoben, verändert sich das Hardlink automatisch im Hintergrund, so dass der direkte Zugriff auch nach einer Verschiebung erhalten bleibt. Das funktioniert auch, wenn die Dateien offen sind. Folder können, um das Caching zu ermöglichen, sogar zwei valide Links haben: einen zum Hard-Disk-Standort und einen zum Caching-Standort. Davon merken die Anwender aber nichts. Das Originalprojekt bleibt erhalten, so dass der Cache jederzeit gelöscht werden kann, ohne das Projekt zu gefährden. Alle DDP-Systeme nutzen diese Technologie.
Breites Hardwareportfolio
Ardis hat inzwischen eine ganze Reihe Hardwareprodukte mit unterschiedlichen Merkmalen im Programm, die jedoch alle AVFS verwenden. Darunter gibt es auch hybride mit SSD oder eine Variante, die den Aufbau einer ausfallsicheren Konfiguration über Ethernet und iSCSI mit Hilfe eines Standard-Ethernet-Switches, eines Standard-Storage-Arrays und nur eines einzigen, redundant angebundenen DDP-HA-DDPHeads erlaubt.
Einsteigerlösungen gibt es für um die 14.000 Euro. Die Highend-Lösungen können durchaus eine halbe Million Euro kosten. Der durchschnittliche Systempreis liegt bei 70.000 Euro.
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