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Archivierung von Kunstwerken Gegen das Vergessen und die Vergänglichkeit

| Autor / Redakteur: Georg Csajkas* / Dr. Jürgen Ehneß

Die Aufgabe eines Museums ist das Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln von Kunst. Das 1910 eröffnete Kunsthaus Zürich sichert seine digitalen Kunstwerke mit iCAS FS von iTernity für die Ewigkeit.

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Das Kunsthaus Zürich mit Werken von Pipilotti Rist.
Das Kunsthaus Zürich mit Werken von Pipilotti Rist.
(Bild: Werke © Courtesy the artist and Hauser & Wirth. Foto © FBM Studio, Zürich)

„Die Kunst ist eine Metapher für das Unsterbliche.“ Damit diese Äußerung von Ernst Fuchs nicht nur der Wunsch des Künstlers bleibt, sondern auch auf organisatorischer Ebene Realität wird, müssen Museen heute große Anstrengungen unternehmen. Die zentrale Aufgabe eines Museums ist die Aufbewahrung der Kunstwerke für nachfolgende Generationen – in hoher Qualität, unveränderbar und langfristig sicher.

Die fortschreitende Digitalisierung des Kunstbetriebs

Diese Aufgabe nimmt in einer digitalisierten Kunstwelt ganz neue Dimensionen an. Neben der Konvertierung und Digitalisierung ursprünglich analoger Werke steigt auch die Anzahl an „Born-digital“-Werken wie digitalen Videos und Fotos. Auch diese müssen sicher und langfristig aufbewahrt werden. Dieser Herausforderung stand das Kunsthaus Zürich (KHZ) gegenüber.

In den kommenden Jahren soll das Kunsthaus Zürich erweitert werden; hier der Stand 2015.
In den kommenden Jahren soll das Kunsthaus Zürich erweitert werden; hier der Stand 2015.
(Bild: © David Chipperfield Architects)

„Mit über 700 Videowerken hat das Kunsthaus Zürich die viertgrößte Videosammlung der Schweiz“, berichtet Kerstin Mürer, Leiterin der Restaurierungsabteilung des KHZ. Mit dem Erweiterungsbau soll das Kunsthaus bis 2020 das größte Kunstmuseum der Schweiz werden. Das bedeutet im gleichen Schritt: mehr Born-digital-Werke und mehr Digitalisate, die gesichert und archiviert werden müssen.

IT und Restaurierungsabteilung unter Zugzwang

Seit 1980 kauft das Kunsthaus Zürich analoge und digitale Videobänder an – aktuell mit Dateigrößen bis zu 300 Gigabyte (GB) pro Video. Die Dateigrößen werden mit den Auflösungen Full HD und 4K in Zukunft jedoch extrem steigen. Thomas Rosemann, Leiter der Bibliothek des KHZ, blickt auf die schrittweise Entwicklung zurück: „Bei uns ist erst im Laufe der Zeit das Bewusstsein gereift, dass wir die Videos nicht nur konvertieren und digitalisieren, sondern zusätzlich auf einem geeigneten System langfristig schützen müssen.“

Während viele andere Museen für diese Aufgabe LTO-Magnetbänder einsetzen, war beim KHZ schnell klar, dass eine digitale und flexible Lösung zum Einsatz kommen soll. „Wir wussten anfangs nicht, welche technische Lösung für unsere Anforderungen am besten geeignet ist, und es hat einige Umwege und Lerneffekte gegeben, bis wir endlich bei iTernity gelandet sind“, erinnert sich Rosemann.

„Seitens der IT war klar der Wunsch nach einer Lösung formuliert, die sich gut in unsere standardisierte IT-Umgebung einfügt und den Verwaltungsaufwand sowohl für die Anwender als auch für die IT minimiert. Dies zusammen mit der überzeugenden Betreuung seitens iTernity und der Flexibilität bei der Wahl des Hardware-Anbieters hat uns als Gesamtpaket überzeugt“, betont Markus Spiri, Leiter Informationstechnologie des KHZ.

Dementsprechend wurde auch das Anforderungsprofil an das Langzeitarchiv definiert:

  • Archivierung großer Dateien von 300 GB und mehr,
  • Sicherung und automatische Überwachung der Datenintegrität,
  • Redundanz der Archivdaten durch Spiegelung über mehrere Standorte,
  • einfache Handhabung und gute Performance,
  • Zukunfts- und Planungssicherheit bei geringen Gesamtkosten.

Der Druck, eine geeignete Lösung zu implementieren, wurde immer spürbarer, wie Mürer berichtet: „In der Restaurierung müssen wir rechtzeitig und proaktiv handeln, bevor der Verfallsprozess der Kunstwerke einsetzt oder die Speichermedien aufgrund des technologischen Wandels nicht mehr ausgelesen werden können.“

Das Archiv als Grundpfeiler der Prozessoptimierung

„Mit iCAS FS speichern wir Bilder und Videos des Museums revisionssicher auf drei unterschiedlichen Servern“, erklärt Simon Polomski, Mitarbeiter der Betriebsinformatik und maßgeblich an der Einführung der Archivlösung beteiligt. „Zwei Archive haben eine unbegrenzte Aufbewahrungsdauer, das dritte läuft als Backup-Ersatz mit einer Retention-Time von fünf Jahren.“

Ergänzendes zum Thema
Die Fallstudie im Überblick

Unternehmen: Kunsthaus Zürich

Branche: Museum/Kunst & Kultur

Hintergrund:

Die Aufgabe eines Museums ist das Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln von Kunst. Die Sicherung der Qualität und der Integrität der Kunstwerke sowie deren Erhalt für nachfolgende Generationen haben einen hohen Stellenwert. Die Digitalisierung erschwert diesen Auftrag einerseits (Stichwort: Datenwachstum), gestaltet ihn gleichzeitig aber auch einfacher, da neue Lösungen die Arbeitsabläufe optimieren.

Herausforderung:

- Schutz digitaler Kunst „für die Ewigkeit“,

- Speicherung extrem großer Dateien,

- Sicherstellung der Datenintegrität und Redundanz bei geringen Gesamtkosten der Lösung.

Lösung: iTernity iCAS FS

Der Erfolg auf einen Blick:

- Sicherung der Kunstwerke für nachfolgende Generationen mit Fokus auf Unveränderbarkeit und Skalierbarkeit,

- Schutz der Datenintegrität archivierter Video-, Foto- und Bildwerke mit der Hardware-unabhängigen Software-Lösung iCAS FS,

- Speicherung extrem großer Dateien bei guter Performance,

- Redundanz der Daten und automatische Prüfung der Integrität.

Über iCAS FS:

iCAS FS ist eine Software-basierte Scale-Out-Speicherplattform für zukunftssichere Datenaufbewahrung und Compliance (DSGVO, RVÖ et cetera) bei geringen Gesamtkosten. Die Archivlösung hilft bei der Erfüllung gesetzlicher Vorgaben und interner Compliance-Anforderungen und minimiert damit maßgeblich die Geschäftsrisiken. Die iCAS-FS-Plattform optimiert die langfristige Speicherung und den Schutz großer Datenmengen aus verschiedenen Anwendungen.

Implementierung und Handhabung:

Die Appliance-ähnliche Architektur von iCAS FS kommt mit einem minimalen Infrastruktur-Footprint aus: Zum Start werden nur ein Standard-Ethernet-Netzwerk und zwei Industriestandardserver (x86) benötigt. iCAS FS ist für Standard-Hardware konzipiert und bietet ein integriertes Monitoring des Gesamtsystems. iCAS FS gewährleistet Datenintegrität und Verfügbarkeit über lange Zeiträume hinweg: skalierbar, rechtskonform und einfach in der Handhabung.

Die Workflows laufen beim Kunsthaus dabei noch zu wesentlichen Teilen manuell ab. Das liegt zum einen an der Art der Archivdaten, wie die Restauratorin im Bereich Medienkonservierung Eléonore Bernard aufzeigt: „Es braucht viel Zeit, sich mit dem Kunstwerk auseinanderzusetzen, um beispielsweise zu klären, was das eigentliche Kunstwerk ist und ob dieses in der vorliegenden Form archivierbar ist.“ Zum anderen mussten im Kunsthaus die Prozesse klar definiert werden. Auch die Schnittstellen der einzelnen Systeme (Museumsdatenbank MuseumPlus und ECM Archivematica) müssen noch gestaltet werden.

Zur Archivierung eines Werkes sind aktuell somit noch mehrere Schritte notwendig: Das Werk muss analysiert und gegebenenfalls mit dem Künstler besprochen werden, die Dateien müssen mit den Metadaten verpackt und die Dokumentation in der Museumsdatenbank ergänzt werden. Mit der Einführung von iCAS FS als digitales Langzeitarchiv hat sich beim Kunsthaus Zürich das Bewusstsein für die internen Prozesse enorm weiterentwickelt. IT und Restaurierungsabteilung sind sich einig: „Die Umstellung auf iCAS FS hat uns bei der Optimierung unserer Prozesse enorm geholfen.“ Das liegt nicht zuletzt an der Flexibilität der Lösung.

Aufgeräumte IT-Infrastruktur, reduzierter Aufwand

„Die Handhabung von iCAS FS ist äußerst einfach; das Gesamtsystem bedarf keiner besonderen Verwaltung durch unsere IT und erfordert keine kostspielige proprietäre Hardware“, erklärt Spiri. Die Wartung der Hard- und Software wird komplett durch iTernity durchgeführt und kontrolliert, was die IT-Abteilung stark entlastet.

Dank einer Replikation der Daten über verschiedene Standorte entfällt auch die bis dato eingesetzte Backup-Lösung über LTO-Bandspeicher. Dabei werden die Archivdaten automatisch auf allen Servern abgeglichen, sodass deren Datenintegrität dauerhaft gewährleistet ist.

Sammlung „Zeitgenössische Kunst“ im KHZ mit einem Werk von Franz Gertsch.
Sammlung „Zeitgenössische Kunst“ im KHZ mit einem Werk von Franz Gertsch.
(Bild: © Franca Candrian)

Auch die Anwender aus der Restaurierungsabteilung freuen sich über das einfache Handling und die deutlich verbesserte Performance. „Erst mit iCAS FS sind wir in der Lage, unsere Kunstwerke sicher aufzubewahren. Keine der evaluierten Alternativlösungen konnte eine vergleichbare Flexibilität, Performance und Sicherheit gewährleisten“, erzählt Kerstin Mürer. Nicht ohne Stolz ergänzt Thomas Rosemann: „In Europa gibt es aktuell wenige andere Museen, die eine so zukunftsorientierte und ganzheitliche Lösung im Einsatz haben.“ Auf dem Erreichten möchte man sich jedoch nicht ausruhen – die Liste an geplanten Projekten ist lang.

Ausblick und Automatisierung

Zum einen sollen weitere Bildbestände digitalisiert und archiviert werden. Parallel will das KHZ die bestehenden Prozesse weiter optimieren: „Wir wollen unsere Workflows stärker automatisieren und die eingesetzten Lösungen wie Museumsdatenbank und Werksverzeichnis mit dem Langzeitarchiv iCAS FS verknüpfen“, zeichnet Mürer den Plan des KHZ auf.

Der Umsetzung blickt das KHZ dabei entspannt entgegen, denn „die Zusammenarbeit mit iTernity war immer extrem kompetent und schnell“. Auch der Trend steigender Datenmengen und immer größerer Dateien beunruhigt das Team des KHZ dank iCAS FS nicht.

Mit dem Einsatz von iCAS FS setzt das Kunsthaus Zürich auf eine zukunftssichere und ganzheitliche Archivierungslösung und erfüllt damit den Wunsch des Schweizer Aphoristikers Paul Schibler: „Wir sind es jedem echten Künstler, der Bleibendes geschaffen hat, schuldig, sein Werk vor dem Vergessenwerden zu bewahren.“

*Der Autor: Georg Csajkas, Director Marketing, Product Management & Business Development bei iTernity

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