Umfrage zu Software-defined Storage, Teil 4

Ist SDS zu langsam für den Unternehmenseinsatz?

| Autor / Redakteur: Dietmar Müller / Rainer Graefen

Friedhelm Peplowski, Director Global Sales & Marketing, Artec IT Solutions
Friedhelm Peplowski, Director Global Sales & Marketing, Artec IT Solutions (Bild: Artec IT Solutions)

Geschwindigkeit ist Trumpf. Unternehmen versuchen, stets schneller als die Wettbewerber zu sein, sei es nun bei den Releases von neuen Anwendungen, bei der Performance von Websites oder beim Zugriff auf Daten. Letztere liegen in der einen oder anderen Form im Speicher herum. Software-defined Storage (SDS) verspricht, Daten schneller liefern zu können als herkömmliche Formen der Speicherung. Stimmt das?

In der Praxis haben sich SDS und Flash-Bausteine aber ab und an als Bremser erwiesen. Wir wollten daher von verschieden Branchenvertretern wissen, ob SDS sein Versprechen gebrochen hat.

„Absolut nicht“, erklärt Johannes Sieben, Pre-Sales Manager, Converged Platforms and Solutions Division, Dell EMC. “SDS hat den Vorteil, dass mit jedem SDS-Knoten auch gleich ein sehr starker Server geliefert wird, jeder Knoten bringt also einen eigenen Controller mit. Somit ist ein Cluster aus SDS-Knoten schnell leistungsfähiger als ein ausgewachsenes Storage-Subsystem. Aus Sicht der Speicherphysik nutzen SDS-Knoten meist dieselbe SDS-

und Flash-Technologie wie konventionelle Speichersysteme. Entscheidend ist aber das Zusammenspiel von Servertechnologie und Storage-Software."

Auch Gerald Sternagl, Business Unit Manager Storage, EME, bei Red Hat, sieht dies im Prinzip so: „SDS und ein schneller Datenzugriff sind keineswegs ein Widerspruch. Der Ansatz von SDS besteht darin, das Storage-Medium von der Hardware zu entkoppeln. Dadurch vergrößert sich die Auswahl der Speichermedien und es können auch verschiedene Storage-Medien kombiniert werden. So lassen sich beispielsweise Festplatten mit SSD oder NVMe ergänzen, um Latenzzeiten beim Zugriff zu reduzieren, ohne dabei die hohe Speicherdichte und niedrigen Kosten von Festplatten zu verlieren“, antwortet Gerald Sternagl.

SDS ermögliche eine dreidimensionale Skalierung: „Erstens eine skalierbare Kapazität durch eine Scale-Out-Architektur, bei der mehr Storage-Knoten die Speicherkapazität erhöhen. Zweitens eine skalierbare Performance ebenfalls als Folge der Scale-Out-Architektur, wobei durch Lastverteilung auf mehr Storage-Knoten der Durchsatz steigt. Drittens eine Verbesserung der Performance und Latenz durch Einsatz unterschiedlicher Speichermedien, ergänzt um Caching oder Tiering“, so der Red Hat-Manager.

Auch Ralf Colbus, Leading Solution Sales Professional Storage, IBM Deutschland, widerspricht: „Software-defined bedeutet nicht gleich langsamer, es heißt vielmehr, dass Standard Storage Services als Software zu beziehen sind, die auf ‚commodity‘-Hardware implementiert werden können.“ Commodity stehe in diesem Fall für x86 oder einfache POWER-Systeme. Er gibt zu bedenken: „Wir schaffen mit SDS-Systemen im NAS-Bereich über 40 GByte/s sequentielle Transfers - das ist alles andere als langsam!“

„SDS bietet Einfachheit und Flexibilität“, hebt Erik Sterck, geschäftsführender Gesellschafter der Erik Sterck GmbH, die Stärken der Flash-Technologie hervor. „Verschiedene Ressourcen können zu Speicher-Pools zusammengefasst werden und sorgen so für eine einfache und skalierende Speicherumgebung.“ Auch er bricht eine Lanze für SDS: „Durch die automatisierte und flexible Zuordnung von Ressourcen werden Daten mit der maximal möglichen Geschwindigkeit gespeichert und gelesen.“

Zielführend sei dabei, „dass die Logik bei SDS-Umgebungen dafür sorgen kann, dass Daten, die tatsächlich häufiger im Zugriff sind – sogenannte ‚heiße‘ Daten - auf den schnellstmöglichen Medien abgelegt werden, während Daten, die weniger genutzt werden – die sogenannten ‚kalten‘ Daten - auf langsameren Medien gespeichert werden.“ Diese bereits von Red Hat-Mann Sternagl angeführte Tiering-Funktion sorge nicht nur für verbesserte Wirtschaftlichkeit (da bei eher selten benötigten Daten günstige Speichermedien zum Einsatz kommen können), sondern trage eben auch zu einer optimalen Nutzung der Ressourcen in Bezug auf die Geschwindigkeit bei.

Auch für Friedhelm Peplowski, SVP Global Sales & Marketing bei der Artec IT Solutions, bietet SDS viele Vorteile, allen voran die größere Flexibilität: „Wir verstehen Software-defined Storage in erster Linie als eine Softwareschicht vor dem Speicher oder einer Speichervirtualisierung. Die Vergangenheit hat aus unserer Sicht gezeigt, dass die Virtualisierung sich vielfach nicht durchgesetzt hat. Unserer Erfahrung nach ist es aus diesem Grund sinnvoll, SDS als Softwareschicht in Applikationen zu integrieren. Auf diese Weise kann speicherunabhängig auf verschiedenste Entwicklungen reagiert werden. Das hat den zusätzlichen Vorteil, dass sich Erweiterungen und Migrationen schnell und unkompliziert durchführen lassen. Also ein klares Plus an Flexibilität.“

Für Florian Bettges, Category Manager Hybrid IT und Cloud Solutions bei HPE, ergibt die Frage wenig Sinn, schließlich sei SDS „sogar vom schnelleren Datenzugriff abhängig, da in SDS-Architekturen oft mit lokalem Storage gearbeitet wird. Je näher dieser an der CPU liegt und je schneller dieser zugänglich ist, desto schneller ist die SDS-Lösung.“ Aus diesem Grund sei momentan viel über NVMe und Storage Class Memory (SMC) in Zusammenhang mit SDS-Lösungen zu lesen. Diese Architekturen ermöglichten in Zukunft einen wesentlich schnelleren Storage-Zugriff.

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