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Kontinuierliche Datensicherung in der Praxis

Kann Continuous Data Protection ein traditionelles Backup ersetzen?

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Unterschiede beim Recovery

Der wahre Unterschied zwischen Near- und Real-CDP liegt in der Recovery-Phase. Ein per Real-CDP gesichertes System kann zu jedem x-beliebigem Zeitpunkt in der Vergangenheit wiederhergestellt werden. Wenn man beispielsweise einen Microsoft-Exchange-User löscht und es sich dann gleich anders überlegt, so kann man das ganze System um drei Sekunden zurückversetzen und so den User wiederherstellen.

Wenn man in diesem Fall Near-CDP einsetzt, stündlich Snapshots zieht und der letzte Snapshot 59 Minuten zurückliegt, dann muss man die ganze Datenbank um mindestens eine Stunde zurückversetzen. Oder anders ausgedrückt: Der einzige Unterschied bei beiden Ansätzen, der wirklich von Bedeutung ist, liegt in den Recovery Point Objectives. Während sich Real-CDP-Systeme zu jedem beliebigen Zeitpunkt in der Vergangenheit wiederherstellen lassen, ist das mit Near-CDP-Systemen nur zu bestimmten Zeitpunkten möglich, die man vorher definieren muss.

Manche lehnen den Begriff Near-CDP ab

Einige in der Branche lehnen den Begriff Near-CDP mit dem Hinweis ab, dass man entweder kontinuierlich sichert oder nicht. Man könne nicht nahezu kontinuierliche Backups erstellen. Das ist meiner Meinung nach technisch richtig, allerdings gibt es in der IT auch einige eindeutige Bedingungen, bei denen man von „fast“ oder „nahezu“ spricht, etwa „nahezu tot“ oder „fast“ voll.

Near-CDP hat in meinen Augen so viel mit Real-CDP zu tun wie mit herkömmlichen Backups. Es wird kontinuierlich den ganzen Tag über ausgeführt und es ist im Grunde ein inkrementelles Backup. Das traditionelle Backup und CDP unterscheiden sich allerdings beim Recovery. Dieses wird bei beiden CDP-Verfahren ausgeführt, indem man ein Dateisystem mounted.

Beim traditionellen Backup muss etwas wiederhergestellt werden, was eine begrenzte Zeit in Anspruch nimmt. Wenn man etwa eine Oracle-Datenbank mit zehn Terabyte wiederherstellen möchte, dann wird man damit eine Weile beschäftigt sein. Wenn man hingegen Near- oder Real-CDP einsetzt, dann kann man die kontinuierliche Datensicherung als Recovery-System mounten und es sofort einsetzen, während man das Primärsystem wieder flott macht.

Wenn man allerdings per Near-CDP sichert, so kann man nicht alles wiederherstellen, sondern nur die Daten zu gewissen Zeitpunkten. Nochmals: Das Verfahren ist nahezu kontinuierlich, arbeitet aber nicht kontinuierlich. Ich bin mit dem Begriff, wie auch viele andere in der Branche, einverstanden. Allerdings ist es aufgrund dieser Kontroverse unwahrscheinlich, dass der Begriff Near-CDP offiziell werden wird.

Weiter mit: Kann CDP das herkömmliche Backup ersetzen?

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