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Storadera und Auwau Neue Ideen aus dem Norden

Von lic.rer.publ. Ariane Rüdiger 5 min Lesedauer

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Es müssen nicht immer große US-amerikanische Player sein, die IT-Märkte mit frischen Ideen und neuen Produkten versorgen. Auch kleine europäische IT-Schmieden haben einiges zu bieten, beispielsweise beim Thema Backup.

Viele europäische Nutzer bevorzugen mittlerweile Cloud-Backups auf europäischem Boden. Dies sichert ihre Daten vor potenziellen Zugriffen der US-Regierung und unterliegt europäischen Gesetzen, was Vertrauen und Rechtssicherheit stärkt.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Viele europäische Nutzer bevorzugen mittlerweile Cloud-Backups auf europäischem Boden. Dies sichert ihre Daten vor potenziellen Zugriffen der US-Regierung und unterliegt europäischen Gesetzen, was Vertrauen und Rechtssicherheit stärkt.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Was die Journalisten, die an der jüngsten „IT Press Tour“ nach London teilnahmen, kredenzt bekamen, war nicht die übliche Einheitskost aus US-amerikanischen Start-ups. Vielmehr gab es diverse bemerkenswert gute Ideen direkt aus Europa und auf europäische Bedürfnisse zugeschnitten.

Dass diese von den US-Bedürfnissen differieren, zeigt sich besonders gern am Thema Cloud-Backup: Legen doch die meisten europäischen Anwender schon aus rechtlichen Gründen inzwischen Wert darauf, dass ihre Daten sicher vor den potentiellen Übergriffen der US-amerikanischen Regierungsmaschinerie aufbewahrt werden. Und das heißt, auf europäischem Boden und unter europäischer Jurisdiktion.

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Schnell sichern zu günstigen Preisen

Der Start-up Storadera stammt aus dem digitalfreundlichen Estland, genauer aus der Hauptstadt Tallinn. Es hat sich einen auf Standard-Harddisks und -Servern aufgebauten S3-Cloud-Storage-Service ausgedacht. Der Clou: Der Preis für das Ganze liegt bei nur sechs Euro pro TB und Monat.

Die Daten werden ausschließlich in Europa gelagert. Hinsichtlich der Standorte arbeitet der Anbieter mit großen Infrastrukturdienstleistern zusammen, die ebenfalls in Europa ihre Basis haben. In Estland (seit 2021) und den Niederlanden (seit 2023) gibt es bereits welche. Rund hundert Kunden, darunter die estländische Staats-Cloud, nutzen derzeit den Service; das Umsatzwachstum liegt bei jährlich über 80 Prozent.

Schon bald auch in Deutschland

Deutschland soll im Sommer 2025 folgen. Hier sind als Partner Provider wie Hetzner oder OVH im Gespräch, aber auch die litauische Firma Skaylink ist im Gespräch, die auch in Deutschland operiert. Entschieden ist aber noch nichts. Weitere europäische Standorte sollen folgen. Reseller erhalten auf den Preis einen Discount.

Der russischen Bedrohung ist man sich wohl bewusst. Deshalb entstehen so schnell wie möglich Repräsentanzen im Westen. „Wir können die Daten auf Knopfdruck woanders hin migrieren“, sagt Tommi Kannisto. Auch eine Verlagerung des Firmensitzes in sicherere Gefilde ist im Gespräch. Zudem laufen wieder Finanzierungsrunden für den Ausbau. Die Expansion war aufgrund des russischen Angriffskriegs in der Ukraine zunächst ins Stocken geraten.

Flexible, Traffic-abhängige Blockgrößen beim Sichern

Was ist technisch die Besonderheit von Storadera? „Wir können günstige HDs nutzen, außer für Metadaten. Wir haben, statt SSDs zu verwenden, neue, optimierte Software geschrieben“, erklärt CEO Kannisto. Über 100.000 Codezeilen in Go tragen Storadera.

Speziell für die Handhabung kleiner Files zwischen 100k und 500k waren neue Ideen gefragt. Die Lösung, die Storadera seit 2024 umsetzt: variable Blocklängen je nach Last. Wenn die Last niedrig ist, schreibt das System kleine, wenn sie hoch ist, große Blocks. Das bringt so viel Geschwindigkeitsvorteil und vor allem eine gleichmäßig hohe Schreibleistung, dass der Einsatz von SSDs zur Datenspeicherung obsolet wird – die Basis für die günstigen Preise.

Dateien über 16 Mbyte werden zerhackt. Das System erreicht bei 2-MB-Files fast 300 MB/s Schreibleistung.

Hyperkonvergente Standard-Hardware

Beim Set-up seiner Storage-Server nutzt Storadera einen hyperkonvergenten Ansatz: Jeder Server hängt einerseits am Internet, andererseits an einem JBoD. Die gesamte Software läuft auf jedem Server, es gibt also keine Single Point of Failure. „Das ganze Set-up eignet sich ideal als AI-Storage“, sagt Kannisto.

Das System basiert auf einem einzigen VPN, dessen Last derzeit durch DNS gesteuert wird. Gespeichert wird mittels Erasure-Coding auf mindestens sechs Laufwerken (vier Slices, zwei Erasure-Code). Gesichert wird mit Se-V4-Authentisierung, HTTPS, AES-XTS und Object-Lock. Die Datenintegrität wird alle 60 Tage geprüft.

Aber auch innerhalb des Systems soll bald AI eingesetzt werden: zur Beschleunigung beim Lesen und Löschen. Weiter plant Storadera auf die Dauer den Einsatz von Shingled Disks. Außerdem sind zusätzliche Add-On-Services geplant, „aber erst mittel- bis langfristig“. Vorläufig soll es mehr Standorte geben.

Storage-Backup und -Security unter einem transparenten Dach

Am anderen Ende, bei den hochkomplexen Systemen und den MSPs, ist Auwau (von „Oh, wow!“, nicht von „Vorsicht, bissiger Hund“) angesiedelt. Der Start-up kommt aus Kopenhagen und stammt aus dem Bereich „sicheres IBM-Management“. Auwau wurde 2016 gegründet.

Die Auwau-Lösung Cloutility löst Aufgaben bei S3-Datensicherheit und -Backup. Sie spannt über den oft uferlosen Dschungel, den Firmen in diesem Bereich betreiben, eine Metaebene. Cloutility besteht aus einer gemeinsamen Benutzeroberfläche, die die transparente und möglichst automatisierte Verwaltung einer Fülle von Lösungen, S3-Buckets, Backups und Tenants bewirkt.

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Derzeit ist Cloutility mit IBM Storage Protect, Rubrik, Cohesity, IBM Storage Defender Data Protect, IBM Cloud Object Storage und Point Archival Gateway integriert. Cloutility ist sogar über eine IBM-Produktnummer verfügbar. Weitere Integrationen sollen aber bald folgen, insbesondere Veeam.

Ein in Deutschland präsentes Unternehmen, das Cloutility nutzt, ist Cristie. Weitere Kunden sind Advania oder die Universität von Uppsala.

Plug-and-play-Set-up

Nach der Installation von Cloutility sei das folgende Set-up samt Konfiguration nur noch eine Plug-and-play-Aufgabe, sagt CEO Thomas Bak. „Man bindet die Backup- und S3-Server an und weist die Backups den Kunden und Geschäftseinheiten zu.“ Das System ist von vornherein Multi-Tenant-fähig ausgelegt. Daher kann es sowohl von Providern als auch von Unternehmen mit mehreren Bereichen, Abteilungen oder auch Tochterfirmen sinnvoll eingesetzt werden.

Einmal angelegt und angebunden, können alle Abteilungen, Kunden oder sogar einzelne Mitarbeiter per Do-it-Yourself Backups in ihrem Bereich anlegen und durchführen, auch wenn sie dedizierte Systeme nutzen. Backups und Backend-Server können sowohl automatisch über Geschäftsregeln als auch händisch zugewiesen werden. Auch das Löschen von Daten lässt sich in Cloutility so konfigurieren, dass keine Daten ungewollt verlorengehen.

Eigene Backups auf jeder Ebene definieren

Die Nutzerbasis wird über ein rollenbasiertes Konzept mit abgestuften Privilegien gesteuert. In Supportsitzungen können User auch simuliert werden. Das System bietet Single-Sign-on und 2-Faktor-Authentisierung. Außerdem werden alle Aktionen mitgeschrieben und lassen sich so nachverfolgen.

Die Multi-Tenant-Struktur ist nach unten unbegrenzt. Die Nutzer eines Tenants auf einer tieferen Ebene haben Zugriff auf den jeweiligen Tenant und seine Abkömmlinge. „Das bedeutet, dass jeder Tenant seine Kunden ohne Beschränkungen hinzufügen kann, als würde er die Lösung selbst betreiben“, erklärt Bak. Die Lösung wird auch als White Label vertrieben, auch unter ihrer eigenen Marke.

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Übersichtliches Reporting und automatisiertes Billing

Braucht man Daten über die eigenen Kunden und beispielsweise deren Leistungsbeanspruchung, findet man auf einer Übersichtsseite die wichtigsten Informationen kundenspezifisch zusammengefasst und kann dann auf tiefere Ebenen gehen. Report-Formate werden auf alle tieferen Ebenen weitervererbt, können dort aber auch modifiziert oder für den eigenen Bereich neu aufgesetzt werden.

Ein besonderes Schmankerl ist, dass das System durch den transparenten Überblick auch das verursachergerechte Billing der Backup- respektive Sicherheitsleistung bis hinab zur tiefsten angelegten Ebene ermöglicht. Gerade in Zeiten knapper Kassen und Personaldecken ist dies sicher für viele Anwender ein wichtiges Argument.

Aktuelles eBook

Ransomware-Schutz durch Object Lock und WORM

eBook „Ransomware-Schutz“
(Bild: Storage-Insider)

Um ein Storage-System effektiv von Ransomware-Angriffen zu schützen, bieten sich neben Backup/Disaster Recovery und Verschlüsselung vor allem Object Lock und WORM an. Das gelingt nicht nur im eigenen Haus, sondern auch in der Hybrid-Cloud.

Die Themen im Überblick:

  • Ransomware-Trends
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  • WORM mit Bandspeicher
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