Sinnvolle Technologien für den Mittelstand

Neueste Storage-Trends in der Hybrid Multi Cloud

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Dr. Jürgen Ehneß

NetApp will das Datenmanagement für Kunden und Partner vereinfachen.
NetApp will das Datenmanagement für Kunden und Partner vereinfachen. (Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Dieses Jahr ist alles anders – statt in Berlin auf der „NetApp Insight“ haben wir Johannes Wagmüller von NetApp am Telefon zu den jüngsten Entwicklungen am Storage-Markt befragt. Er ist bei NetApp seit Ende vergangenen Jahres als Senior Director Solutions Engineering EMEA tätig, zuvor bekleidete er den Posten auf DACH-Ebene.

Storage-Insider: Herr Wagmüller, Storage-Insider hat sich bereits ausführlich die Strategie Ihres Unternehmens für das Management von Multi-Cloud-Umgebungen angesehen. In Berlin auf der Insight hätte es vorrangig darum gehen sollen, wie Kunden und Partner eine Data Fabric für eine hybride Multi Cloud aufbauen können. Wie können sie denn das?

Johannes Wagmüller, NetApp: Bei der Data Fabric handelt es sich um eine Architektur und ein Portfolio von Datenservices, die Endpunkte in On-Premises- und Cloud-Umgebungen miteinander verbinden und mit übergreifenden Funktionen ausstatten. Das sorgt für Datentransparenz, Zugriff auf und Kontrolle über Daten, für Datensicherung und Datensicherheit. So wird das Datenmanagement in den angebundenen Umgebungen deutlich einfacher.

Ein zentrales Konstruktionselement einer Data Fabric im Rechenzentrum ist unsere Hyper-Converged Infrastructure (NetApp HCI). Die Lösung ist in weniger als 30 Minuten voll funktionstüchtig und beseitigt 90 Prozent der im Rechenzentrum üblichen leistungsbezogenen Probleme. Über eine intuitive GUI bietet das VMware-vCenter-Plug-in Kontrollmöglichkeiten über die gesamte Infrastruktur hinweg. Zudem unterstützt die Lösung die Integration von Partnerlösungen, etwa von VMware, Red Hat OpenShift, Google Anthos, Veeam und Commvault.

Damit setzen Sie bei NetApp voll auf die Cloud, genauer gesagt, auf die Multi-Cloud. Dabei erzählen uns doch gewisse Analysten, dass es eine große Rückbewegung von Anwendungen und Workloads aus der Cloud hinein ins heimische Rechenzentrum gebe. Ist dem so, bemerken Sie das auch?

Wagmüller: Das mag es vereinzelt geben, wobei sich die Mehrheit der Kunden verstärkt in Richtung Cloud bewegt. Jedes Unternehmen muss für sich ausrechnen, welche Art der Service-Bereitstellung besser geeignet und günstiger ist. Klar ist aber, dass, wenn es um Dinge wie Prototyping von Anwendungen oder Plattformen geht, die Cloud die agilere Lösung darstellt. Bei sensiblen Daten etwa vom Personal gilt einigen das heimische Rechenzentrum nach wie vor als der sicherste Hafen. So oder so: Der Mehrwert unserer hybriden Infrastruktur- und Datenmanagementlösungen liegt genau darin, Flexibilität – und damit Investmentschutz – in beide Richtungen zu gewährleisten.

Damit reden wir über die Modernisierung der IT – inwieweit können KMU von Konzernen lernen? Wo machen Sie Unterschiede in den Bedürfnissen aus, was ist gleich?

Wagmüller: Die Mittelständler in Deutschland sind ja oft sehr spezialisiert und in ihren Nischen „hidden champions“. Da muss auch die IT eine sehr auf den konkreten Business-Case ausgerichtete sein. Große Unternehmen haben oft mehr Spielraum. OpenStack war zum Beispiel eine Sache, die von Enterprise-Kunden mit Begeisterung aufgenommen wurde, im Mittelstand aber eher weniger angekommen ist. Anders verhält es sich dagegen mit Containern: Kubernetes wird auch von KMU gerne genutzt; die Vorteile sind einfach eklatant. Unser Storage-Orchestration-Tool „Trident“ für Container steht kostenlos auf GitHub – anhand der Download-Zahlen können wir ablesen, dass die Nachfrage danach auch in KMU stetig wächst.

Wenn also eine Technologie sinnvoll ist, dann wird sie auch vom Mittelstand genutzt, da darf man KMU nicht unterschätzen. Themen wie DevOps, künstliche Intelligenz (KI), Internet of Things (IoT) oder der Dauerbrenner Security spielen auch in mittleren Unternehmen eine große Rolle. Gleich ist beiden Fraktionen, dass die Cloud sowohl IT als auch Business beschleunigt. „Je cloudiger, desto schneller“, könnte man sagen.

Der Gesprächspartner: Johannes Wagmüller, Director Solutions Engineering bei NetApp.
Der Gesprächspartner: Johannes Wagmüller, Director Solutions Engineering bei NetApp. (Bild: Alex Schelbert)

Machen Sie neben dem Cloud Computing weitere übergreifende Trends aus? Was sind die wirklichen Storage-Bedürfnisse der Unternehmen?

Wagmüller: Es gibt schon eine Reihe von Trends, die man im Storage-Bereich beobachten kann: Da wäre zum einen Flash statt Disk, einfach weil Flash-Lösungen technisch ausschließlich Vorteile mit sich bringen, keine Nachteile – bis auf den trotz Effizienztechnologien höheren Medienpreis pro GB. Wo sich dieser in der Gesamtbetrachtung rechnet, ist Flash der De-facto-Standard für primäre Workloads. Große HDDs behalten ihre Berechtigung für große sekundäre Workloads.

Dann leidet jedes Anwenderunternehmen unter der Personalknappheit – Automatisierungslösungen müssen zunehmend fehlende Fachkräfte ersetzen, etwa in den Bereichen der Provisionierung von Services und Testumgebungen, unter anderem im SAP- sowie Kubernetes-Umfeld. Solche Automatisierungsbemühungen finden sich in vielen größeren mittelständischen Firmen.

Das Thema Object Storage gewinnt immer mehr an Bedeutung. Neben einem stark ansteigenden Einsatz im Archiv- und Backup-Umfeld sind zunehmend Industrie-4.0-Anwendungen sowohl im Enterprise-Bereich als auch im Mittelstand die Treiber. Gebraucht werden dabei örtlich verteilte Speicherlösungen, die unter einem „Namespace“ ein für den Anwendungsfall flexibles und damit effizientes Metadatenmanagement erlauben.

Security war, ist und bleibt ein großes Thema für alle Anwender, natürlich auch im Storage-Bereich. Ähnliches gilt für das Desaster-Management. Neu auf dem Schirm ist der ganze Bereich des Home-Office, da muss schnell in die Cloud skaliert werden können.

Wenn Sie von verstärkten Bemühungen um Automatisierung berichten, meinen Sie damit auch KI-Anwendungen? Spielen KI und Machine Learning (ML)/Deep Learning (DL) nun auch außerhalb der Forschung eine immer größere Rolle?

Wagmüller: Meine Beobachtung ist, dass KI/DL bei der Automatisierung von IT-Prozessen noch keine so große Rolle spielt. Sehr wohl aber im Erkennen von Mustern sowie Trends in den Bereichen Monitoring, Maintenance, Security und Compliance. In der Industrie und bei den öffentlichen Auftraggebern sehen wir reges Interesse und zunehmend Projekte für konkrete Anwendungsfälle: zum Beispiel bei der Medizinischen Hochschule Hannover, da ging es um die Auswertung von Röntgenaufnahmen zur Früherkennung von Lungenkrankheiten – ein sehr aktuelles Thema. Der Mittelstand adaptiert KI streng Use-Case-bezogen. Qualitätssicherung und Predictive Maintenance sind neben Service-Assistenten die häufigsten Anwendungsszenarien. Klar ist, dass sich solche Lösungen rechnen müssen; der ROI muss stimmen.

Johannes Wagmüller ist Director Solutions Engineering bei NetApp. In dieser Position leitet er seit 2010 den technischen Vertrieb des Spezialisten für Daten in der Hybrid Cloud in Deutschland. Seit 2013 koordiniert er in dieser Verantwortung zusätzlich die Area DACH, seit Ende 2019 EMEA. Die technische Beratung sowie die Konzeption von Storage- und Datenmanagementlösungen ist der Schwerpunkt seiner Arbeit. Wagmüller ist bereits seit 2002 bei NetApp, wo er in München als Systems Engineer begann. Vor NetApp war Wagmüller in Professional-Service- und Pre-Sales-Funktionen tätig, unter anderem bei Compugraphic und Silicon Graphics.

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