Die Open Source Community wird von allen Seiten hofiert

Nun wird auch IBMs Großrechner zum Linux-Rechenknecht

| Autor / Redakteur: Rudi Kulzer / Rainer Graefen

Das Modell IBM LinuxONE Emporer (Kaiserpinguin) basiert auf einem System z13 und ist vor allem für Transaktionen in Echtzeit gedacht.
Das Modell IBM LinuxONE Emporer (Kaiserpinguin) basiert auf einem System z13 und ist vor allem für Transaktionen in Echtzeit gedacht. (IBM Werkfoto)

Auf der Fachkonferenz LinuxCON in Seattle vor zwei Tagen hat IBM eine bemerkenswerte Erweiterung seiner Großrechner/Mainframe-Strategie bekanntgegeben: Dabei geht es um einen umfassenden Einsatz von Open-Source-basierten Technologien und die Kooperation mit Open-Source-Communities.

Das Ziel ist es, Linux-Großrechner-Kunden leistungsstarke Rechner mit hochsicheren Werkzeugen für die kommende Computing-Ära anzubieten. Dort können Mainframes zunehmend Basis für unternehmensweite Analytik und hybride Clouds werden aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften.

Das Unternehmen setzt damit in großem Stil auf Open Source in Unternehmen. In diesem Zusammenhang kündigte IBM in Seattle zwei neue Linux-Mainframe-Server unter dem Namen LinuxONE an, die ausschließlich mit diesem offenen Betriebssystem arbeiten. Die leistungsstarken Rechner sollen vor allem für moderne Softwareanwendungen und in hybriden Clouds eingesetzt werden.

Starke Erweiterung der Plattform Mainframe durch LinuxONE

Der Code, den IBM nun zugänglich macht, enthält Technologie und Know-how aus dem Mainframe-Bereich, mit dem Unternehmen ungewöhnliche Systemvorgänge und eventuelle Normabweichungen oder sich abzeichnende Ausfälle rechtzeitig erkennen können, bevor sie geschehen. Damit steigt die Leistung auch quer über Systemplattformen. Eine bessere Integration mit der Cloud wird möglich.

„Vor fünfzehn Jahren überraschte IBM die Branche mit dem Schritt, Linux auf dem Mainframe einzuführen. Heute nützen mehr als ein Drittel der IBM Großrechnerkunden Linux“, sagt Tom Rosamilia, Senior Vice President, IBM Systems. „Wir vertiefen unser Engagement mit der Open Source-Community und kombinieren das Beste aus der offenen Welt mit dem derzeit fortschrittlichsten Computersystem auf dem Markt. Damit helfen wir Kunden, neue Mobile- und Hybrid-Cloud-Workloads zu realisieren“.

Die Linux-Dirigenten

Mit LinuxONE als neues Angebot aus Hardware, Software und Services will IBM zwei neue, dedizierte Linux-Systeme für große und mittelständische Unternehmen zur Verfügung stellen, die mit dem bestehenden Speicherangebot verbunden werden können.

LinuxONE Emperor ("Kaiserpinguin") basiert auf dem IBM z13-Großrechner und ist das derzeit technologisch am weitesten fortgeschrittene Linux-System. Außerdem verfügt es über den derzeit schnellsten Prozessor in der Branche.

Das System ist geeignet zur Analyse von Transaktionen in "Echtzeit" und kann dabei helfen, eventuelle Betrugsversuche über IT-Systeme direkt zu verhindern. Das System kann auf bis zu 8.000 virtuelle Maschinen oder Tausende von Containern skalieren.

Das kleinere System LinuxONE Rockhopper ("Felsenpinguin") ist gedacht für mittelgroße Kunden oder Einsatzbereiche in Schwellenländern, bei denen Geschwindigkeit, Sicherheit und Verfügbarkeit eines Großrechners verlangt werden, jedoch in einem kleineren Leistungspaket. Beide Systeme sind nach Angaben von IBM sofort verfügbar.

Neue offene Software und Branchenwerkzeuge für den Großrechner

Die Optionen zum Softwareeinsatz auf dem Mainframe haben sich für Unternehmen deutlich erweitert: IBM ermöglicht jetzt den Einsatz von wichtigen Open-Source- und Branchenlösungen für LinuxONE und IBM z Systems, darunter Apache Spark, Node.js, MongoDB, MariaDB, PostgreSQL, Chef und Docker. Diese Technologien arbeiten so reibungslos auf dem Mainframe wie auf anderen Plattformen, nutzen aber die Leistungsvorteile des Mainframes. Das Beste: Für ihren Betrieb auf dem Großrechner werden keine speziellen plattformspezifischen Fähigkeiten benötigt - ein Riesenvorteil in der Administration.

IBM war ein Pionier der Virtualisierung auf dem Großrechner (seit 1972 mit VM) und will mit seinem starken Engagement jetzt noch mehr Möglichkeiten für das Thema Virtualisierung bieten: Die neuen LinuxONE- Systeme können als virtuelle Maschine durch den auf offenen Standards basierenden KVM-Hypervisor zur Verfügung gestellt werden. SUSE als einer der wichtigen Distributoren von Linux liefert dazu die Unterstützung von KVM für den Mainframe.

Open Mainframe Project

Canonical und IBM haben darüber hinaus eine Initiative angekündigt, um den Einsatz von Ubuntu Linux auf dem z Systems zu ermöglichen. Canonical plant, Ubuntu für LinuxONE und z Systems bereit zu stellen als eine dritte Linux-Distribution für den Mainframe neben SUSE und Red Hat. Canonical plant auch, KVM für den Mainframe zu unterstützen.

IBM beteiligt sich an neuem Projekt der Linux Foundation aufgrund wachsender Nachfrage nach Mainframes in der Open Source Community. Ein wesentlicher Teil davon ist vorhersagende IT-Analysesoftware, die ständig Ausschau nach ungewöhnlichem Systemverhalten hält und rechtzeitig davor bewahrt, dass Softwareprobleme zu eventuellen Systemausfällen werden können. Der Code darf von Entwicklern verwendet werden, um ähnliche Analyse- und Reaktionssysteme auf anderen Plattformen zu realisieren.

LinuxONE Developer Cloud ohne Kosten

Mit der heutigen Ankündigung wird IBM auch einen kostenfreien Zugang für Entwickler zum Mainframe bereitstellen, um Innovationen zu fördern, die aus der Open Source Community kommen. IBM stellt dazu die LinuxONE Developer Cloud vor.

Das Marist College und die School of Information der Syracuse University (beide USA) planen, Clouds zur Verfügung zu stellen, die Entwicklern Zugriff auf ein virtuelles IBM LinuxONE ohne Kosten ermöglichen. Im Rahmen des Programms wird IBM auch eine spezielle Cloud für Softwareanbieter (ISVs) bereitstellen, die an den IBM Standorten Dallas, Peking und Böblingen gehostet wird.

Wesentlichen Anteil an der aktuellen Ankündigung hat das deutsche IBM Entwicklungslabor: Die Entwicklungshauptverantwortung für KVM for IBM z Systems liegt bei IBM Böblingen, das ein weltweites Team an Entwicklern orchestriert. Die IBM Entwicklungsabteilung sieht KVM for IBM z Systems als eine Lösung, die speziell für Kunden interessant sein kann, die bisher keine Großrechner betreiben, aber die Notwendigkeit für eine Konsolidierung ihrer verteilten Linux-Infrastruktur erwägen.

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