Dezentrale Speicherplattform

Storj – die Alternative zur Storage Cloud?

| Autor / Redakteur: Matthias Semlinger / Rainer Graefen

(Bild: Storj)

Die Speicherung von Daten außerhalb des eigenen Unternehmens muss wohlüberlegt sein, denn sowohl die Sicherheit der Daten als auch der ungehinderte und zeitnahe Zugang zu diesen sind unter allen Umständen sicherzustellen. Storj versucht sich als dezentrale Speicherplattform an dieser Herausfoderung.

Unternehmen können nämlich schnell hohe finanzielle Schäden entstehen, die sogar die Existenz des Betriebs gefährden können, wenn wichtige Daten nicht mehr zugänglich oder - noch schlimmer – gestohlen werden. Cloud-Speicher haben zwar Flexibilität und leicht verfügbare Kapazitäten für Unternehmen wie Privatanwender gebracht, doch wenn man die Technik kritisch hinterfragt, bleiben einige grundsätzliche Bedenken bei Diensten wie Dropbox & Co.

Trau, schau, wem

Erstens sind die hochgeladenen Daten grundsätzlich dem Betreiber ausgeliefert, und können dort jederzeit vom Personal, etwa einem untreuen Admin, abgegriffen werden. Damit sind sie auch vor dem Zugriff von Behörden im In- und Ausland nur bedingt geschützt. Außerdem können selbst renommierte Unternehmen pleite gehen oder ganz trivial den Dienst einstellen, weil sich der Fokus des Unternehmens ändert oder der Dienst sich nicht als ausreichend profitabel erwiesen hat. Außerdem bleibt die bange Frage, was mit den Daten nach der Schließung des Dienstes passiert.

Die Lösung: Dezentralisierung

Genau bei diesen Problemen setzt Storj an. Denn das 2014 gestartete Projekt bietet seinen Usern eine dezentralisierte Storage-Plattform, die es seinen Usern ermöglichen will, Daten verschlüsselt und anonym auf Computern anderer zu speichern und diese jederzeit in Echtzeit wieder abzurufen. Dadurch besteht auch für den Betreiber der Plattform, die in Atlanta, Georgia ansässigen Storj Labs, keinerlei Möglichkeit, die Daten der Nutzer auszulesen oder sonstwie zu kontrollieren. Wer skeptisch ist, kann jederzeit den Quellcode studieren, denn das Projekt ist Open-Source. Als Anreiz gibt es für Hoster Geld, wer Daten auslagert, muss dafür bezahlen.

Das Storj-Prinzip

Mitmachen bei Storj kann jeder. Anders als etwa bei Minebox, wo spezielle Hardware mit autonomen Festplatten und Controllern verwendet wird, benötigen User zum Mitmachen lediglich einen ganz normalen PC mit Festplatte.

Wer probeweise die verschlüsselten Daten anderer hosten möchte, muss keine besonderen Voraussetzungen erfüllen: Da fast jeder User Festplatten in seinem System hat, die nicht ausgelastet sind, reserviert er einen Teil davon für storj und gibt ihn in der App für andere frei.

Wird diese Kapazität von anderen Nutzern zur Ablage von Daten verwendet, bekommt der Besitzer der Festplatte Geld. Einen ersten Betrag bekommt er für die Ablage der Daten auf seiner Festplatte, eine weitere Vergütung für den Download der bei ihm gespeicherten Daten. Sprich: Je öfter die Dateien runtergeladen werden, desto mehr Geld gibt’s. Reich wird man im Normalfall dabei nicht, denn die Gebühren sind verhältnismäßig niedrig. Es sollte aber zumindest reichen, um die Gebühren für die eigene Nutzung zu erwirtschaften.

Bei der Nutzung der Plattform fallen je GByte und Monat 0,015 US-Dollar an. Dieser Grundbetrag gilt nur für den tatsächlich genutzten Speicherplatz. Je heruntergeladenem GByte zahlen Sie 0,05 US-Dollar, der Endbetrag hängt natürlich davon ab, wie oft und wie viele Daten Sie herunterladen. Das ist deutlich günstiger als bei Cloud-Anbietern wie Amazon S3 (0,23 US-Dollar/Monat) oder Microsoft Azure (0,30 US-Dollar/Monat).

Der aktuelle Stand

Soweit klingt das alles gut, doch ein durchdachtes Konzept ist bei weitem nicht alles. Aktuell ist die Share-Software, also der Teil, mit dem sich Teile der Festplatte mit anderen teilen lässt, so weit gediehen, dass er auch für Normalsterbliche problemlos zu bedienen ist. Für andere Teile gilt das nicht. Wer Dateien ins Netzwerk einspeisen oder davon herunterladen will, ist derzeit noch auf libstorj angewiesen, ein Tool, das exklusiv per Kommandozeile zu bedienen ist.

Der kürzlich durchgeführte Verkauf von Tokens scheint gut gelaufen zu sein, das Unternehmen meldete den Verkauf von rund 73 Millionen STORJ Token. Anlass zur Sorge geben jedoch die kürzlich erfolgten Einträge im Firmen-Blog: Vor kurzem erst ist Shawn Wilkinson als CEO zurückgetreten, um die Rolle des CTO zu übernehmen.

Schon im nächsten Post wurde er dagegen als Chief Strategy Officer benannt. James Prestwich ist zeitgleich von seinen Posten als CFO und COO zurückgetreten, und CTO wird nun Philip Hutchins, während ein neuer CEO weiterhin gesucht wird. Klingt sehr nach wilden Streitereien und Grabenkämpfen.

Storj im Vergleich

Neben Storj und Minebox gibt es noch zwei andere Projekte für dezentralisierten Storage, die einen genaueren Blick wert sind. Sowohl Maidsafe als auch Sia besitzen nämlich Potenzial. Maidsafe zeichnet sich durch ein Konzept aus, bei dem Sicherheit und Anonymität im Vordergrund stehen und nur die User Kontrolle über ihre Daten haben.

Klingt soweit altbekannt, aber die Technik im Hintergrund soll keine Blockchain sein, sondern eine neue und damit bislang unerprobte Technik. Zur Sicherheit lässt sich deshalb bislang nur wenig sagen. Außerdem steht das für Up- und Downloads erforderliche Netzwerk noch nicht bereit. Ein interessantes Feature besteht im Aussortieren von Duplikaten. Wird eine einmal gehashte Datei mehrfach hochgeladen, soll die Software die Dublette aus dem Netzwerk löschen und einen Link auf die Originaldatei erstellen, um so Ressourcen zu schonen. Der große Nachteil: Maidsafe steckt noch in einem ziemlich frühen Alpha-Stadium und ist bislang über Tests nicht hinausgekommen.

Sia scheint da schon weiter zu sein, unterscheidet sich von den anderen Projekten aber dadurch, dass hier eher im stillen Kämmerlein gearbeitet wird, um der Community bei Fertigstellung ein möglichst vollständiges und fehlerfreies Produkt anbieten zu können. Unternehmen dürfte ein solches Konzept besonders stark ansprechen, zumal die Ersparnis für die Auslagerung hier besonders hoch ausfallen soll.

Je GByte sollen nämlich lediglich 0,2 US-Dollar-Cent für die Speicherung und 0,05 US-Dollar-Cent für die Übertragung der Daten fällig werden. Herkömmliche Cloud-Anbieter verlangen ein Vielfaches dieser Beträge. Außerdem lassen sich in der Blockchain Smart Contracts ablegen, die dafür sorgen sollen, dass Hoster bezahlt werden, auch wenn die Uploader nur einmal ihre Dateien hochladen und dann verschwinden.

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