Im Gastbeitrag erläutert Daniel Arabié von Impossible Cloud, wie Managed Service Provider richtig auf die durch generative KI und verschärfte Compliance-Anforderungen wie NIS-2 geänderten Anforderungen im Storage-Umfeld reagieren, um die Bedürfnisse ihrer Kunden optimal zu erfüllen.
Vom reinen Infrastruktur-Lieferanten zum strategischen Begleiter ihrer Kunden: Die Rolle von MSPs wandelt sich.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Die weltweite Datensphäre erreicht neue Rekordmarken. Laut dem IDC Global DataSphere Forecast wird das Datenvolumen bis Ende 2026 auf deutlich über 200 Zettabyte anwachsen. Dieses Wachstum, getrieben durch generative KI und verschärfte Compliance-Anforderungen wie NIS-2, stellt Managed Service Provider (MSPs) vor eine paradoxe Situation: Während der Bedarf an Speicher-Kapazitäten exponentiell wächst, geraten die traditionellen Geschäftsmodelle vieler Provider unter Druck. Wer heute noch wie 2024 plant, riskiert, dass Storage von einem stabilen Umsatzbringer zu einem unkalkulierbaren Margenfresser wird.
Entscheidend ist dabei weniger die absolute Datenmenge als deren Charakter: KI-Workloads erzeugen kontinuierliche Lese- und Schreibzugriffe, Metadatenabfragen und Replikationsprozesse. Damit verschiebt sich die Kostenstruktur von planbaren Kapazitäten hin zu transaktionsgetriebenen Modellen, die deutlich schwerer kalkulierbar sind.
Für MSPs bedeutet das konkret: Selbst moderate Wachstumsraten auf Kundenseite können in transaktionsbasierten Abrechnungsmodellen zu überproportional steigenden Betriebskosten führen. Das Datenwachstum skaliert linear, die Nebenkosten tun es nicht.
Das wirtschaftliche Spannungsfeld der MSPs
Die Herausforderung für moderne Provider liegt in einer strukturellen Scherenbewegung. Auf der einen Seite fordern Kunden zunehmend skalierbare Lösungen für KI-Anwendungen und rechtskonforme Backups. Auf der anderen Seite verschieben sich die Datenanteile massiv in den Bereich unstrukturierter Daten. Marktanalysen bestätigen, dass mittlerweile 80 bis 90 Prozent des Zuwachses auf unstrukturierte Informationen entfallen.
Für viele MSPs, deren Geschäftsmodell oft auf dem Reselling von Hyperscaler-Kapazitäten basiert, entsteht hier ein konkretes Margenrisiko. Da Kunden zunehmend Pauschalmodelle erwarten, liegt das finanzielle Risiko steigender Infrastrukturkosten allein beim Provider. Wenn das Datenvolumen des Kunden schneller wächst als die Effizienz der genutzten Plattform, schrumpft die Marge gegen null.
Die unsichtbaren Profit-Killer: API- und Egress-Gebühren
In modernen IT-Szenarien ist der Preis pro Gigabyte oft nur noch eine Randnotiz. Die tatsächliche wirtschaftliche Belastung resultiert aus variablen Faktoren, die bei vielen Public-Cloud-Anbietern schwer kalkulierbar sind. KI-gestützte Datenanalysen und automatisierte Ransomware-Scans verursachen Millionen von Metadaten-Abfragen. Wenn jeder einzelne API-Aufruf (PUT/GET-Requests) abgerechnet wird, können diese Transaktionskosten die Wirtschaftlichkeit eines Managed Service massiv gefährden.
Ebenso kritisch wirkt die sogenannte „Egress-Falle“. Sobald Daten für hybride Cloud-Szenarien oder regelmäßige Disaster-Recovery-Tests bewegt werden müssen, fallen oft signifikante Gebühren für den Datenausgang an. Dies macht hybride IT-Landschaften für MSPs finanziell unberechenbar. Wirtschaftliche Planbarkeit entsteht erst dann, wenn intensive Datenbewegung, API-Last und Recovery-Tests nicht zu unkalkulierbaren Zusatzkosten führen. MSPs benötigen Modelle, bei denen Transaktionsvolumen nicht automatisch Margenverlust bedeutet. Andernfalls wird jedes zusätzliche Kundenprojekt zum kalkulatorischen Risiko, selbst dann, wenn der nominelle Speicherpreis attraktiv erscheint.
Operative Resilienz: Warum Backup allein nicht reicht
Ein oft unterschätzter Aspekt ist die „Recovery-Lücke“. Backups sind heute technisch ausgereift, doch die Wiederherstellung großer Datenmengen scheitert oft an der Zeit oder an der Abhängigkeit von einem einzigen Ökosystem. Wenn die Datenerzeugung schneller wächst als die verfügbare Bandbreite für den Recovery-Prozess – oft limitiert durch technische Drosselungen der Cloud-Plattformen –, geraten vereinbarte Service-Level-Agreements (SLAs) in Gefahr.
Für MSPs ist das nicht nur ein technisches, sondern ein finanzielles Risiko: Verzögerte Wiederherstellungen bedeuten Vertragsstrafen, erhöhten Supportaufwand und Reputationsschäden. Je stärker Recovery-Prozesse an ein einzelnes Plattform-Ökosystem gebunden sind, desto größer wird das Risiko nicht kalkulierbarer Zusatzkosten bei der Einhaltung zugesicherter Service-Level-Vorgaben.
Stand: 08.12.2025
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Eine zweite, unabhängige Storage-Säule außerhalb des primären Hyperscaler-Ökosystems kann hier zusätzliche Stabilität schaffen. Durch S3-kompatiblen Object-Storage außerhalb der großen Big-Tech-Ökosysteme entkoppeln MSPs die Recovery-Prozesse von der Steuerungsebene eines einzelnen Hyperscalers. Damit wird Backup von einer reinen Datensicherung zu einem echten Instrument der Business Continuity, das auch dann funktioniert, wenn zentrale Plattformdienste globaler Anbieter eingeschränkt sind.
Der MSP als Enabler digitaler Souveränität
Im Jahr 2026 ist digitale Souveränität kein politisches Schlagwort mehr, sondern ein hartes Compliance-Kriterium. Der Bitkom Cloud Report 2025 belegt, dass über die Hälfte der deutschen Unternehmen eine zu große Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern als Risiko sieht. MSPs stehen in der Pflicht, ihren Kunden Lösungen anzubieten, die nicht dem US Cloud Act unterliegen und volle Datenkontrolle garantieren.
Ein europäischer Anbieter kann hier mehr leisten als reine Datenlokation. Es geht um „Sovereignty by Design“. Wenn Architektur, Schlüsselverwaltung und Governance in einem rein europäischen Kontext organisiert sind, entsteht für den MSP ein Alleinstellungsmerkmal: Er verkauft nicht nur Speicherplatz, sondern rechtliche und operative Sicherheit. Dank nativer S3-Kompatibilität lassen sich solche souveränen Lösungen ohne technologischen Bruch in bestehende Stacks wie Veeam oder Commvault integrieren.
Strategische Neuausrichtung des Geschäftsmodells
Der Erfolg von Managed Service Providern wird maßgeblich davon abhängen, ob sie die Kontrolle über ihre Kostenstruktur und ihre technologische Unabhängigkeit zurückgewinnen. Der Wechsel zu souveränen, performanten Cloud-Alternativen ist dabei keine bloße Kostenoptimierung. Es ist die notwendige Antwort auf die wirtschaftlichen Realitäten einer KI-getriebenen Welt, in der operative Steuerbarkeit und Kostenkontrolle zum zentralen Wettbewerbsfaktor werden.
MSPs, die sich frühzeitig mit starken, spezialisierten Partnern aus Europa positionieren, wandeln sich vom reinen Infrastruktur-Lieferanten zum strategischen Begleiter ihrer Kunden. Sie lösen das Versprechen ein, das Cloud-Computing einst gegeben hat: Skalierbarkeit bei gleichzeitiger Kostenkontrolle und technologische Leistungsfähigkeit ohne Verlust operativer Steuerbarkeit. 2026 entscheidet sich nicht, wer am meisten Speicher verkauft, sondern wer Speicher wirtschaftlich beherrscht.
* Der Autor: Daniel Arabié, Vice President Sales EMEA bei Impossible Cloud
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