Kommentar von Ariane Rüdiger zum EMC/Dell-Merger

Was zum Storage bleibt von Dells Portfolio übrig

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Rainer Graefen

Bei der Präsentation der zukünftigen Säulen des Speichergeschäfts beschränkte sich Brian Gallagher, ex-Symmetrix-Verantwortlicher und heute Präsident der Cloud Management Division, auf die EMC-Produkte.
Bei der Präsentation der zukünftigen Säulen des Speichergeschäfts beschränkte sich Brian Gallagher, ex-Symmetrix-Verantwortlicher und heute Präsident der Cloud Management Division, auf die EMC-Produkte. (Bild: Ariane Rüdiger)

Auf der ersten gemeinsamen Veranstaltung der fusionierenden Unternehmen EMC und Dell in der Mainzer Rheingoldhalle wurde klar: Dells Versuche, in den Speichermarkt zu expandieren, werden wohl in der gemeinsamen Firma kaum noch Spuren hinterlassen.

Brian Gallegher, inzwischen President der Cloud Management Division bei Dell/EMC und langjährig für EMCs Symmetrix-Produkte zuständig, war eigens nach Mainz gekommen, um den rund 1.000 Besuchern einen Einblick ins Produktportfolio und die Bedeutung der Cloud und der IT-Transformation klar zu machen. Von Dells Speicherprodukten allerdings war dabei nicht mehr die Rede.

Dells Storage-Portfolio scheint überflüssig

Eigentlich bleibt nur noch die Spekulation, wann die durch Dell in den Jahren vor der Fusion aufgekauften Speicherlösungen verkauft, in EMC-Produkte integriert oder schlicht abgekündigt werden. Auf den Folien schienen nur EMC-Lösungen wie DataDomain, Xtreme IO, Isilon oder ECS auf. Sie sollen dem Anwender eine komplette Produktpalette für alle Speicherbedürfnisse von traditioneller bis zur reinen Cloud-IT liefern.

Dazu kommen natürlich noch die Speicherbestandteile der konvergenten und hyperkonvergenten Infrastrukturen, die Dell/EMC innerhalb der Infrastrukturgruppe in einem separaten Sektor, Convergent Infrastructure Products Division (CIPD), unter weltweiter Leitung von Chad Sakac zusammenfasst.

Speicher-Neuheiten lieferte das Unternehmen in Mainz, wie zu vermuten war, nicht, möglicherweise folgen sie aber demnächst auf der in Austin/Texas stattfindenden Weltkonferenz der vereinigten Firma. Die EMC-Speichertechnologien stecken allesamt in einem von drei neu konfigurierten Unternehmensbereichen der zukünftigen Dell Inc., der Infrastructure Solutions Group, die kommerzielle Kunden mit der nötigen Technologie für ihre Rechenzentren versorgen soll.

Group-Solidarität gefordert

Speicherservices für Firmenkunden, die auf ECS (Enterprise Cloud Storage) beruhen, gibt es vom vereinigten Unternehmen als Produkt vom Zukauf Virtustream, der aber ebenfalls voll integriert zur Infrastrukturlösungsgruppe gehört genau wie die für Sicherheitslösungen elementare RSA. Chef des Sektors wird David Goulden.

Gleichgeordnet neben dieser gehören zwei weitere Gruppen zu Dell Inc. nämlich die Client Solutions Group, in die sich vor allem Dell mit seinen Endgeräten einbringt und die von Dell-Manager Jeff Clark geführt wird, und die Global Services Group, wo alle Kundendienstaktivitäten zusammenfließen.

Neben der Dell Inc. mit den eben genannten Sparten stehen drei Strategically Aligned Partner (dieser Begriff ersetzt die bisher gepflegte "Federation"), nämlich VMware, Pivotal und Secureworks. Sie agieren unabhängiger von der Konzernmutter, können also ihr geistiges Eigentum zum Beispiel auch von Drittfirmen nutzen lassen, die ansonsten mit Dell/EMC konkurrieren. Über alledem thront als Holding Dell Technologies.

Speicherspezialisten arbeiten Kundenvertrieb zu

Jeder Kunde, der nicht ausschließlich über den Channel bedient wird, erhält einen spezifischen Ansprechpartner. Der Sparten-zentrierte Vertrieb wird umorganisiert: Die Kunden werden spartenübergreifend in Enterprise, Mittelstand, Public und Kleinkunden eingeordnet, wobei die Klein- und Kleinstkunden traditionell vom Channel bedient werden.

Mittelständische Unternehmen landen bei Dell-Deutschland-Chefin Albiez und ihrem Team, Großunternehmen bei Dinko Eror, dem deutschen EMC-Spitzenmann. Die Geschäftsführung der deutschen Dell-Tochtergesellschaft übernehmen beide gemeinsam.

Das spartenübergreifende strategische Vertriebsteam soll Produkte von Dell Inc. und den strategischen Partnern lösungsorientiert verkaufen. Matthias Zastrow, derzeit Leiter strategischer Vertrieb der deutschen Tochter des vereinigten Unternehmens beschrieb seine zukünftige Arbeit so: "In den nächsten Monaten besteht eine meiner Hauptaufgaben darin, jeden Kunden dem richtigen Mitarbeiter zuzuweisen."

Drehmoment auf die Straße bringen

Daneben gibt es aber Spezialisten, die für bestimmte Produktgruppen, beispielsweise Speicherprodukte, zuständig sein werden, und die den strategischen Vertriebsmitarbeitern mit "Kundenbesitz" zuarbeiten sollen. Ein Beispiel dafür ist die Spezialistengruppe, die sich mit den Highend-Produkten Isilon und ECS beschäftigt und zu der auch die Analytik gerechnet wird. Zuständig für das 30-köpfige Team, das dieses Thema seitens der produktspezifischen Vertriebsunterstützung in Deutschland betreut, ist Benjamin Krebs, der seinerseits auf Presales-Ingenieure zugreifen kann.

Auf den ersten Blick scheint es unlogisch, auch Analytik hier einzuordnen, doch ist das wegen der neuen Speicherarchitekturen, etwa Data Lakes, auf die Analytikprodukte häufig bauen, durchaus sinnvoll. Gerade in dem Highend-NAS-Produkt Isilon sieht Dell/EMC einen strategischen Pluspunkt seines Portfolios.

Der große Marktgegner HP habe hier nichts entgegenzusetzen, argumentiert Krebs, da seine 3Par-Lösung Files nicht unterstütze. Auf den Kunden werden bei Projekten also voraussichtlich immer ein technischer Spezialist zusammen mit einem auf den speziellen Kunden bezogenen Mitarbeiter zugehen.

Die richtigen Lösungskomponenten zusammenbringen

Wie fein die fachlichen Zuständigkeiten in den Spezialistenteams letztlich ziseliert werden, ist derzeit wie viele andere Details noch unklar, genauso wie sich auch die Frage stellt, wie tief VMwares Speichervirtualisierungstechnologie vSAN in Zukunft ins Portfolio der Infrastrukturgruppe integriert wird. Grundsätzlich kann die gesamte Dell Inc. auf alle Produkte und Technologien der Allianzpartner zurückgreifen.

Derartige und andere Details werden wahrscheinlich bis Februar geliefert, wenn alles gut geht.

Nicht mehr unklar sind wichtige Kennziffern des neuen Players:

  • 140.000 Mitarbeiter, davon mehr als 30.000 im Kundendienst,
  • Aktivitäten in 180 Ländern,
  • 20.000 Patente,
  • 74 Milliarden Umsatz,
  • gemeinsames Forschungsbudget in den vergangenen drei Jahren: 12,7 Milliarden Mark,

wobei nicht bekanntgegeben wurde, wie viel davon in Speicher geflossen ist.

Rolle von EMC Storage noch unscharf

Wenig dürfte es angesichts der Historie des Unternehmens nicht sein. Marktführerschaft beansprucht Dell Technologies unter anderem für Speicher und Flash und beruft sich dabei auf IDC-Daten. Freilich erfuhr das Publikum in Mainz noch nicht einmal, ob es sich hierbei um Umsätze oder Volumina handelte.

Leider lassen sich Umsatz und andere Kennzahlen kaum noch mit denen des großen Rivalen HPE vergleichen, da in dem Einen Unternehmen Endanwendertechnologien stecken, im Anderen bekanntlich nicht mehr. Ganz sicher ist aber damit zu rechnen, dass Speichertechnik auch in Zukunft im fusionierten Unternehmen eine sehr wichtige Rolle spielen wird – schließlich wollte Dell ja durch das Zusammengehen mit dem Storage-Spezialisten eine Lücke gerade im Highend-Storage-Bereich und bei professionellen Großkunden füllen.

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