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Kontextualisierte, miteinander verknüpfte und interpretierbare Daten Wenn Metadaten wertvoller werden als Daten

Ein Gastbeitrag von Andy Bell* 6 min Lesedauer

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Für KI-fähige Daten können Metadaten genauso wertvoll sein wie die Daten selbst. In manchen Fällen sogar wertvoller.

Die Zukunft ist metadatengetrieben.(Bild:  KI-generiert)
Die Zukunft ist metadatengetrieben.
(Bild: KI-generiert)

Das ist eine gewagte Aussage, doch sie steht für einen grundlegenden Wandel in der Datenlandschaft. Während Unternehmen ihre Investitionen in KI weiter ausbauen, zeigt sich zunehmend: Die schiere Menge an Daten ist längst nicht mehr der entscheidende Vorteil, der sie einmal war. Viel wichtiger ist die Frage, ob diese Daten von KI-Systemen tatsächlich genutzt werden können.

Der Wandel hin zu KI-fähigen Daten

Jahrelang konzentrierten sich Unternehmen darauf, große Datenmengen zu erfassen und zu speichern. Die Annahme dahinter war einfach: Mehr Daten führen zu besseren Erkenntnissen. Doch KI hat diese Gleichung verändert. Heute geht es nicht mehr in erster Linie darum, wie viele Daten ein Unternehmen besitzt. Entscheidend ist vielmehr, ob diese Daten KI-fähig sind.

KI-Fähigkeit bedeutet dabei mehr als saubere oder strukturierte Daten. Daten müssen kontextualisiert, miteinander verknüpft und in großem Maßstab interpretierbar sein. Sie müssen Bedeutung vermitteln und Beziehungen abbilden. Und sie müssen nicht nur für Menschen verständlich sein, sondern auch für Maschinen, die auf ihrer Grundlage in Echtzeit Entscheidungen treffen. Genau hier werden Metadaten entscheidend.

Warum Metadaten jetzt zum eigentlichen Vermögenswert werden

Traditionell wurden Metadaten eher als unterstützende Ebene betrachtet: nützlich, aber letztlich zweitrangig. Im Zeitalter der KI greift diese Sichtweise jedoch zu kurz. Metadaten geben Daten Kontext. Sie zeigen, woher Daten stammen, wie sie mit anderen Daten zusammenhängen, wie sie interpretiert werden sollten und ob ihnen vertraut werden kann. Ohne diese Ebene sind selbst die umfassendsten Datensätze nur schwer effektiv nutzbar.

Diese Entwicklung beschreibt keine rein theoretische Herausforderung. Sie wird für Unternehmen zunehmend zu einem praktischen Problem. Viele Organisationen verfügen über riesige Datenmengen. Ohne aussagekräftige Metadaten lassen sich diese jedoch nur schwer für KI-Anwendungen nutzbar machen. In vielen Fällen übernehmen Metadaten inzwischen einen Großteil der eigentlichen Arbeit. Sie machen Daten auffindbar, erleichtern die Integration und liefern die Struktur, auf die KI-Modelle angewiesen sind, um aussagekräftige Ergebnisse zu erzeugen. Ihr Wert ist damit längst nicht mehr nur ergänzend. Metadaten werden zur Grundlage.

Die versteckten Kosten „nicht bereiter“ Daten

Besonders deutlich wird dieses Problem bei der Frage, wie lange es dauert, aus neuen Datenquellen einen konkreten Nutzen zu ziehen. Trotz moderner Tools und leistungsfähiger Infrastrukturen verbringen Unternehmen nach wie vor einen Großteil ihrer Zeit mit der Vorbereitung von Daten, statt sie tatsächlich zu nutzen.

Das ist mehr als eine reine operative Ineffizienz. Es zeigt, dass Daten häufig nicht in einem Zustand vorliegen, in dem sie unmittelbar genutzt werden können. Sind Metadaten unvollständig oder inkonsistent, müssen Teams Daten manuell interpretieren, Annahmen treffen und unterschiedliche Datensätze miteinander verknüpfen. Beziehungen müssen neu hergestellt, Zusammenhänge rekonstruiert und Kontext erst wieder erschlossen werden. Laut dem „2026 State of Data Integrity and AI Readiness Report“ sehen 43 Prozent der Befragten mangelnde Datenbereitschaft als Haupthindernis für die Ausrichtung von KI an den Geschäftszielen. Bis die Daten schließlich einsatzbereit sind, kann der entscheidende Moment zum Handeln bereits verstrichen sein.

Daten miteinander verbinden

Eine der effektivsten Möglichkeiten, Daten KI-fähig zu machen, besteht darin, klare und konsistente Verbindungen zwischen verschiedenen Datensätzen herzustellen. Zunehmend geschieht dies mithilfe eindeutiger Identifikatoren, die als gemeinsamer Bezugspunkt über unterschiedliche Datenquellen hinweg dienen. Wenn Datensätze über ein einheitliches Identitätsmodell verfügen, lassen sie sich nahtlos miteinander verknüpfen. Adressen können Gebäuden zugeordnet werden. Gebäude lassen sich mit Unternehmen verbinden. Unternehmen wiederum können mit demografischen Daten, Risikodaten und vielen weiteren Informationen verknüpft werden. Aus isolierten Datensätzen entsteht so ein vernetztes Informationsökosystem.

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Eine solche Interoperabilität reduziert den Aufwand für die Integration neuer Daten. Gleichzeitig ermöglicht sie KI-Systemen, Beziehungen und Zusammenhänge zu erkennen, die ansonsten verborgen bleiben würden. Auch hier spielen Metadaten eine zentrale Rolle. Sie definieren diese Verbindungen, dokumentieren ihre Bedeutung und stellen sicher, dass sie systemübergreifend konsistent genutzt werden können.

Standortdaten: ein anschauliches Beispiel

Standortdaten liefern eines der überzeugendsten Beispiele für diesen Wandel. Sie sind bereits tief in die Geschäftsprozesse vieler Unternehmen integriert: Sie ermöglichen Kundenanalysen im Einzelhandel, Risikomodelle in der Versicherungsbranche und die Netzplanung in der Telekommunikation.

Doch reine Standortdaten reichen nicht aus. Eine Reihe von Koordinaten oder eine Adresse besitzt isoliert betrachtet nur einen begrenzten Wert. Der eigentliche Mehrwert entsteht, wenn Standortdaten angereichert und miteinander verknüpft werden. Sie können mit Konsumentenverhalten, Gebäudemerkmalen, Umweltrisiken und Bewegungsmustern verbunden werden. So entsteht eine dynamische Abbildung der realen Welt – ein digitaler Zwilling.

Diese Transformation von statischen Daten hin zu kontextbezogener Intelligenz macht Standortdaten wirklich KI-fähig.

Von Daten zu Data-Products

Mit diesem Wandel zeichnet sich ein neues Paradigma ab: Data-Products, die speziell für KI entwickelt werden. Im Gegensatz zu klassischen Datensätzen werden KI-fähige Data-Products von Anfang an mit Blick auf ihre Nutzbarkeit entwickelt. Sie sind vorintegriert, umfassend mit Metadaten beschrieben und so strukturiert, dass sie unmittelbar einen Mehrwert liefern können. Anstatt Wochen oder Monate in die Vorbereitung zu investieren, lassen sie sich direkt in bestehende Workflows und Modelle integrieren.

Das verändert die Wirtschaftlichkeit von Daten grundlegend. Unternehmen müssen nicht mehr umfangreich in Onboarding und Integration investieren, nur um überhaupt mit der Nutzung beginnen zu können. Stattdessen können sie sich darauf konzentrieren, Daten gezielt für konkrete Geschäftsergebnisse einzusetzen. Das Ziel ist nicht einfach ein schnellerer Zugriff auf Daten. Es geht um einen schnelleren Zugriff auf Erkenntnisse.

Auswirkungen in der Praxis

Wenn Daten tatsächlich KI-fähig sind, zeigen sich die Vorteile schnell. Unternehmen können schneller handeln, fundiertere Entscheidungen treffen und mit größerer Sicherheit auf sich verändernde Rahmenbedingungen reagieren. Operative Prozesse werden effizienter, gleichzeitig entstehen neue Möglichkeiten für Innovation.

In einem Beispiel ermöglichten vernetzte und angereicherte Daten einem Telekommunikationsanbieter, den Ausbau seiner Infrastruktur effizienter zu gestalten, die Prüfung der technischen Verfügbarkeit zu beschleunigen und die Erfolgsquote bei der Bereitstellung deutlich zu verbessern. Selbst vergleichsweise kleine Verbesserungen können dabei erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben.

Diese Ergebnisse entstehen nicht allein durch die Menge der verfügbaren Daten. Sie entstehen durch Daten, die tatsächlich genutzt werden können.

Die Zukunft ist metadatengetrieben

Wir treten in eine neue Phase der Datenentwicklung ein – eine Phase, in der Kontext ebenso wichtig wird wie Inhalt. Die Unternehmen, die in diesem Umfeld erfolgreich sein werden, sind nicht zwangsläufig diejenigen mit den größten Datensätzen. Es werden vielmehr diejenigen sein, die in Daten investiert haben, die verständlich, vernetzt und vertrauenswürdig sind.

Andy Bell, Senior Vice President Global Data Product Management bei Precisely.(Bild:  Precisely)
Andy Bell, Senior Vice President Global Data Product Management bei Precisely.
(Bild: Precisely)

Metadaten stehen im Zentrum dieser Transformation. Sie ermöglichen es KI-Systemen, Daten korrekt zu interpretieren. Sie ermöglichen die Verbindung unterschiedlicher Datensätze. Und sie schaffen die Grundlage für Erkenntnisse, die die reale Welt möglichst genau abbilden.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, worin der grundlegende Wandel liegt: Im Zeitalter der KI geht es nicht mehr allein darum, wie viele Daten ein Unternehmen besitzt, sondern darum, wie gut diese Daten verstanden und genutzt werden können.

* Der Autor: Andy Bell, Senior Vice President Global Data Product Management bei Precisely

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