STORAGE Technology Conference 2014, Keynotespeaker-Interview Bernhard Dreibus

Wir stehen am Ende des Speicherzyklus

| Redakteur: Rainer Graefen

Bernhard Dreibus, Technology Training & Consulting
Bernhard Dreibus, Technology Training & Consulting (Foto: Dreibus)

Speicher in seiner jetzigen Form als Ansammlung von unterschiedlich schnellen "Drives", die unter der Hoheit eines Storage-Controllers stehen, das ist in Zukunft nicht mehr haltbar, lautet ein wenig überspitzt die These von Keynotespeaker Bernhard Dreibus. Sie können seinen kenntnisreichen Vortrag über Software Defined Storage im April in vier Städten live erleben.

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Storage-Insider: Warum sind alle mit der aktuellen Speichervirtualisierung unzufrieden?

Bernhard Dreibus: Die klassische Storage-Umgebung, auch die etablierten Formen der proprietären Speichervirtualisierung, werden den neuen Anforderungen aus Big Data, Analytics und Cloud absehbar nicht mehr gerecht (Flexibilität, Latenz, Kosten).

Wir stehen am Ende eines Produktzyklus, welcher für die etablierten Aufgaben, z. B. Buchhaltung, sich über viele Jahre optimiert hat und heute hochverfügbar, aber auch im hohen Maße durch den x86-Industriestandard (Commodity) austauschbar ist. Mit SDS und der damit verbundenen Neuorientierung stehen wir vor einer disruptiven Zäsur für Storage, welcher den neuen unternehmensrelevanten Schwerpunkten eine Plattform bietet.

Was soll Software Defined Storage (SDS) eigentlich leisten und wo installiert man es?

Bernhard Dreibus: Unter SDS subsumieren sich heute mehrere Strömungen. Auf der einen Seite stehen die etablierten proprietären software- und appliancebasierten Storage-Lösungen, welche sich in dem seit 2012 eingeführten Begriff SDS sammeln.

Auf der anderen Seite steht die komplette Abstraktion der logischen Speicherdienste und Features auf dem Commodity Softlayer, von dem aus die Commodity Hardware gesteuert und verwaltet wird. Dies geschieht optimalerweise aus der Verwaltungsoberfläche der Applikation heraus.

In der übergreifenden Steuerung des Speichers, von der Hardware bis hin zu den Applikationslayern, steckt das Potential von SDS. Aus den anfangs genannten Gründen werden SDS-Installationen in Form von APIs bis hin zu kompletten SDS-Stacks, ebenso wie in Hardware, Appliances, Betriebssystem-Plug-Ins und Softwarelösungen überall zu finden sein.

Steuert man mit SDS auch Thin Provisioning und Deduplizierung?

Bernhard Dreibus: Als Bestandteil eines SDDC (Software Defined Data Center) zielt SDS nicht nur darauf ab die etablierten Features aus Block, File und Objekt Storage zu integrieren, sondern gerade die einfache und schnelle Anpassung an neue bzw. individuelle Fragestellungen / Applikationen sind die wesentlichen Vorteile.

Ist der Flexframe Orchestrator von Fujitsu das Ideal von SDS, weil es auch heterogene Umgebungen einbinden kann, um Applikationen auf unterschiedliche Hardware zu verschieben?

Bernhard Dreibus: Meinem Verständnis nach bewegen wir uns zur Zeit in einer Transitionsphase, d. h. wir haben es in der Regel bestenfalls mit Hybridsystemen zu tun, welche eher an der proprietären Hardware oder an der Applikation angebunden sind.

Zurück zum Flexframe Orchestrator: dieser stellt sich eher als übergeordneter SDDC auf, welcher verschiedene meist proprietäre Lösungen aus dem SAP/SAP HANA Umfeld zusammenfasst. Sicher eine interessante Lösung, jedoch als Idealbild oder Schablone für SDS ungeeignet.

Braucht man für SAP HANA / In-Memory SDS?

Bernhard Dreibus: Gerade In-Memory-Systeme als Technologie und SAP Hana als Applikationsplattform können besonders durch die Anpassung und Flexibilität von SDS profitieren.

Mal ein wenig in die Zukunft gedacht. Wenn durch Flash-Technik immer mehr Transaktionen im Serverspeicher stattfinden, wozu brauche ich dann noch SDS?

Bernhard Dreibus: Mit Flash-DIMMs oder allgemein mit Non Volatile Memory (NVM), gehen wir den vorletzten Schritt und verlagern Storage direkt in das nächste Umfeld der CPU, d. h. Blockspeicher im Geschwindigkeitsbereich von In-Memory Systemen.

Heute reden wir schon von bis zu 96 TByte Storage im Memory Bus. Diese Storage wird rein über Software verwaltet und ist „per se“ einer der Kernentwicklungsplattformen des SDS der Zukunft.

Die Big-Data-Analyse findet entweder im ERP-System statt oder auf einer Hadoop-Plattform. Was könnte SDS da noch verbessern?

Bernhard Dreibus: SDS hat sich in den letzten zwei Jahren von der ursprünglichen Definition von Vmware zu einer eigenständigen Architektur entwickelt, es steht jedoch immer im Kontext zum SDDC mit dem Ziel der Steuerung durch die Applikation.

In diesem Sinne haben gerade für viele neue Anforderungen aus dem ERP- und Hadoop-Umfeld die klassischen Storage-Lösungen den Geschmack eines Holzdübels, welcher mehr oder weniger passt und nur mit viel Holzleim die Strukturen zusammenhält. Hier werden wir in Zukunft viele neue standardisierte und gleichzeitig hochgradig anpassbar dynamische SDS Lösungen haben.

Ebenso wie wir heute auf den Holzdübel als ein Relikt aus vergangenen Zeiten blicken, werden wir in fünf bis acht Jahren mit Verwunderung auf unsere heutigen Storage-Lösungen sehen.

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