Suchen

Fraunhofer-FIT-Umfrage Zufriedenheit im Home-Office steigt

| Autor: Julia Mutzbauer

Aufgrund der Corona-Pandemie arbeiten aktuell immer noch zahlreiche Mitarbeiter von zu Hause aus. Doch wie zufrieden sind sie mit dieser Arbeitsweise? Eine Online-Umfrage des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik FIT zeigt: Die Zufriedenheit im Home-Office ist sowohl bei Teammitgliedern als auch bei Führungskräften noch weiter gestiegen.

Firma zum Thema

Bei einer Umfrage des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik FIT geben 90 Prozent an, dass sie mit der Arbeit im Home-Office zufrieden sind.
Bei einer Umfrage des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik FIT geben 90 Prozent an, dass sie mit der Arbeit im Home-Office zufrieden sind.
(© maglara - stock.adobe.com)

Anfang April 2020 hatte das Fraunhofer FIT eine Home-Office-Umfrage gestartet, um die neue Arbeitssituation wissenschaftlich zu untersuchen. Im Mai 2020 wurde eine Analyse der ersten Erhebungswoche (1. bis 7. April 2020) mit etwa 500 ausgewerteten Fragebogen vorgestellt. Über 80 Prozent der Befragten – 79 Prozent der Frauen und 85 Prozent der Männer – waren demnach zufrieden im Home-Office. Die nun vorliegende Gesamtauswertung von mehr als 2.000 vollständig ausgefüllten Fragebogen bestätigt diesen Trend. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen mit dem Home-Office noch besser zurecht als zuvor. Die Zufriedenheit sowohl von Teammitgliedern als auch von Führungskräften ist demnach weiter gestiegen und liegt nun bei 90 Prozent.

„Dies gilt für alle Branchen gleichermaßen, wobei die IT-Branche aufgrund ihrer Affinität zu digitalen Lösungen den höchsten Wert der Zufriedenheit aufweist. Es folgen die Finanzbranche und das produzierende Gewerbe“, erklärt das Fraunhofer FIT.

Bildergalerie

„Nicht nur die Zufriedenheit ist gestiegen. Auch die individuelle Performanz und die Performanz im Team werden nun besser eingeschätzt. Allerdings wird die Teamperformanz geringer bewertet als die individuelle“, erläutert Prof. Wolfgang Prinz, stellvertretender Institutsleiter des Fraunhofer FIT. „Dies heißt, individuelle Arbeit funktioniert im Home-Office besser als Teamarbeit. Bei der Teamleistung hatte die erste Auswertung noch ein stärker gespaltenes Bild gezeigt. Ausschlaggebend dafür waren die Erreichbarkeit der Kolleginnen und Kollegen sowie Probleme mit der technischen Ausstattung. Diese Hindernisse scheinen aber weitgehend überwunden“, fügt Prinz hinzu.

Gründe für die gestiegene Performanz und Zufriedenheit liegen nach den Auswertungsergebnissen sehr wahrscheinlich darin, dass die Trennung von Berufs- und Privatleben zunehmend weniger vermisst wird. Ein Faktor hierbei sind wohl auch die Schulöffnungen, die eine geregelte Haushaltsführung erleichtern. Denn die Ergebnisse der ersten Auswertung im Mai haben gezeigt: Wenn sich Kinder unter 12 Jahren im Haushalt befinden, sind ein Viertel der im Home-Office Beschäftigten unzufrieden mit ihrer Arbeitssituation. Im Gegensatz dazu sagen dies nur 15 Prozent der Personen ohne Kinder unter 12 Jahren.

Mittlerweile scheint auch die Vielzahl der technischen Werkzeuge kein Problem mehr darzustellen. Zudem wurden Konventionen zur angemessenen Nutzung gefunden. Im Gegensatz dazu wurden in der ersten Home-Office-Explorationsphase noch viele verschiedene Kommunikationswerkzeuge erprobt. Deshalb wurde zuvor auch der Einsatz zu vieler verschiedener Kommunikationsmedien als negativ empfunden.

Was fehlt im Home-Office?

Nach wie vor werden aber auch negative Aspekte genannt. Dabei steht der Mangel an sozialen Kontakte an erster Stelle. Auf die Frage „Was fehlt im Home-Office?“ antworteten die Befragten, dass der persönliche (85 Prozent) und fachliche Austausch (66 Prozent) fehlten. Kaffeepausen und Mittagessen (je rund 65 Prozent) und gemeinsame Kreativ-Sessions (knapp 60 Prozent) werden auch vermisst. Den Weg zur Arbeit vermissen etwa 20 Prozent der Befragten. Dies erstaunt zunächst, liegt aber wohl darin begründet, dass der Weg zur Arbeit auch für entspannende Tätigkeiten wie Lesen oder Radiohören genutzt wird.

Faktoren, die dazu beitragen, dass es gut funktioniert

Die Umfrage hat ergeben, dass eine gute technische Ausstattung, regelmäßige Team-Meetings, eine klare Trennung zwischen Arbeits- und Privatleben und geeignete Räumlichkeiten zur Aufrechterhaltung täglicher Arbeitsroutinen beitragen. „Hier besteht ein klarer Zusammenhang mit der Arbeitszufriedenheit im Home-Office. Um die technische Ausstattung gut in Betrieb nehmen und nutzen zu können, ist menschliche Hilfe förderlich, etwa durch Kolleginnen oder Kollegen. Der Arbeitgeber hat allerdings die Schlüsselrolle bei der Gewährleistung der guten Funktionalität technischer Hilfsmittel inne“, so das Fraunhofer FIT dazu. Allgemein, so heißt es abschließend, werde die Unterstützung des Arbeitgebers als wichtiger empfunden als die gegenseitige Hilfe innerhalb der Belegschaft.

Fazit

„Trotzdem bleibt festzuhalten, dass der Zwang zum Home-Office deutlich mehr positive Aspekte zeigt als erwartet. Für die Unternehmen gibt es keinen einfachen Weg zurück zu alten Büroroutinen. Stattdessen müssen flexible Konzepte entwickelt werden, die die Anforderungen und Wünsche von Arbeitgebern und -nehmern gleichermaßen erfüllen“, so Prinz.

Weitere Informationen

Ziel der Befragung ist es, herauszufinden, wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Situation im Home-Office erleben, sowie zu analysieren, wo für die Zukunft Verbesserungspotentiale liegen. Dabei sollen auch zeitliche Veränderungen und Lernprozesse über die Dauer betrachtet werden. Die Umfrage wird derzeit noch fortgeführt, um Veränderungen über die Zeit weiter zu analysieren. Interessierte Home-Office-Worker können weiterhin unter www.fit4homeoffice.de an der Befragung teilnehmen.

Bildergalerie

(ID:46823903)

Über den Autor

 Julia Mutzbauer

Julia Mutzbauer

Redaktion, eGovernment Computing