Daten richtig speichern – und richtig löschen Altgeräte beherbergen Unmengen persönlicher Daten

Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Elke Witmer-Goßner

Die Cloud wurde ja gerne wegen ihrem angeblich mangelhaften Datenschutz verunglimpft. Aus diesem Grund landeten und landen unvorstellbare Mengen persönlicher Daten – teils sogar sehr persönlich wie private Sexfilmchen – auf USB-Sticks, Speicherkarten und den Festplatten von Heimcomputern. Und anschließend auf dem Müll oder im Wiederverkauf, wo sie jeder abgreifen kann.

Auf alter Hardware finden sich unvorstellbare Mengen an persönlichen Daten – teils sogar sehr persönliche.
Auf alter Hardware finden sich unvorstellbare Mengen an persönlichen Daten – teils sogar sehr persönliche.
(Bild: gemeinfrei© Nicola Giordano / Pixabay )

Davor warnen die Kaspersky-Sicherheitsexperten Marco Preuß, Leiter des Forschungs- und Analyse-Teams Europa, und Christian Funk, Leiter des Forschungs- und Analyse-Teams in der Region DACH. Sie haben gemeinsam im Oktober und November 2020 gebrauchte Notebooks sowie diverse Speichermedien verschiedener Formate auf mögliche Datenspuren hin untersucht. Das Ergebnis ist alarmierend. Auf fast allen Speichermedien wurden nicht oder nur unzureichend gelöschte Daten eingesehen. Neben eher unkritischen Dateien wie Musik- und Videodateien oder Anwendungsprogrammen fanden sich auch:

  • private Fotos, darunter Fotos oder Scans von Ausweisdokumenten und Führerscheinen,
  • Kreditkarten (teilweise Vorder- und Rückseite),
  • private Videos,
  • pornographische Inhalte,
  • Partybilder mit Alkohol und Drogen.
  • Bilder einer Cannabis-Aufzucht,
  • Nacktfotos der Partner,
  • Bankunterlagen (unter anderem auch die kompletten Daten eines Home-Banking-Accounts inklusive Passwort),
  • Zugangsdaten zu allerlei Onlineplattformen wie Social-Media- und Shopping-Seiten,
  • intime Briefkorrespondenzen,
  • Arztbefunde,
  • Gaming-Inhalte,
  • Kalendereinträge,
  • Kontaktdaten,
  • Gehaltsabrechnungen,
  • Arbeitsverträge,
  • Steuerbescheide und -unterlagen,
  • Rechnungen,
  • WhatsApp-Korrespondenzen,
  • Korrespondenzen, zum Beispiel mit dem Arbeitsamt,
  • Bewerbungen,
  • Universitätsunterlagen.
  • Urlaubsunterlagen und Tickets,
  • Malware. Ja, auf den Speichermedien schlug bei 16,6 Prozent der Viren-Scanner Alarm. Das heißt, auf diesen wurde mindestens ein Schadprogramm entdeckt.

Für die Analyse wurden insgesamt 185 Speichermedien (63 Micro-SD-Karten, 29 SD-Karten, 28 interne Festplatten von Laptops und Notebooks, 21 M2-Speicherkarten, 17 externe USB-Laufwerke, 11 CF-Speicherkarten, 6 Speichersticks, 6 Mini-SD-Karten, 2 MMC-Speicherkarten und 2 USB-Sticks) einer Überprüfung nach möglichen Datenspuren unterzogen.

Persönliches lieber in der Cloud speichern

Preuß empfiehlt Käufern von Secondhand-Geräten direkt nach dem Erwerb und vor dem ersten Gebrauch immer zuerst eine Sicherheits-Software zur Prüfung zu aktivieren und einen Scan durchzuführen. Auch das Speichern persönlicher Inhalte in der Cloud erscheint unter diesem Gesichtspunkt sehr angeraten.

„Vertrauliche Daten auf Laptops, Tablets oder Smartphones und dergleichen sollten generell immer verschlüsselt gespeichert werden. Denn selbst, wenn man das Gerät behalten möchte, also nur für den Eigenbedarf nutzt, muss man immer die Möglichkeit eines Verlusts oder eines unautorisierten Zugriffs in Betracht ziehen. Der mögliche Schaden, wenn persönliche Daten in falsche Hände gelangen, ist enorm. Neben Identitätsdiebstahl oder Zugriff auf Konten wären auch eine Erpressung oder gar der gesellschaftliche Ruin der ursprünglichen Besitzer möglich. Zudem könnten Daten benutzt werden, um Angriffe auf den vorherigen Eigentümer des Geräts wie auch dessen nahestehende Personen – Familie, Freunde oder Peers – durchzuführen“, so Marco Preuß.

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Dr. Dietmar Müller

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Journalist