Automatisierte Lösungen und Backup-as-a-Service erleichtern den IT-Alltag Backup: Warum beschwerlich, wenn’s auch einfach geht?

Autor / Redakteur: Sergei Serdyuk* / Dr. Jürgen Ehneß

Beim Gedanken an Backup & Recovery entweicht so manchem IT-Team ein Seufzen. Warum? Weil die nötigen Prozesse für irrsinnig viel Aufwand sorgen und Netzwerke nahezu lahmlegen können – dabei jedoch leider alternativlos sind. Mit der richtigen Strategie und den passenden Lösungen kann allerdings vieles vereinfacht werden. Der unangefochtene Silberstreif am Backup-Horizont: Backup-as-a-Service.

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Bei Backup-as-a-Service werden die Daten bei Cloud-Anbietern auf entsprechender Hardware in Datenzentren gesichert.
Bei Backup-as-a-Service werden die Daten bei Cloud-Anbietern auf entsprechender Hardware in Datenzentren gesichert.
(Bild: © Eisenhans - stock.adobe.com)

Die Ursachen für Datenverluste sind vielseitig: Neben physischen Auslösern wie Hardware-Schäden, Stromausfällen, Bränden oder Naturkatastrophen sind es häufig auch Software-seitige Gründe wie das Überschreiben mit fehlerhaften Daten oder Hackerangriffe, die wertvolle digitale Informationen auslöschen. Wer meint, er könne bei all diesen Ursachen ein Null-Risiko-Niveau erreichen, der irrt. Es ist selbst mit der besten IT-Sicherheit schlicht unmöglich, jedwedes Risiko auszuschalten.

Deshalb mögen durchgängige Backup-Maßnahmen zwar unbequemen Extraaufwand im IT-Tagesgeschäft mit sich bringen, sie sind zugleich absolute Pflicht für jedes Unternehmen – auch der Mittelstand ist hiervon nicht ausgenommen. Denn sind die Daten erst einmal verloren, wird es teuer. Laut einer Studie von Dell aus dem Frühjahr 2020 sind die finanziellen Folgen alles andere als ein Pappenstiel: Datenverluste kosteten Unternehmen durchschnittlich 900.000 Euro pro Jahr.

An einem Mangel an wirkungsvollen und zugleich bezahlbaren Backup-Lösungen kann es nicht liegen. Was ist dann der Grund dafür, dass so viele Unternehmen nach einem Crash ihrer IT-Landschaft datentechnisch vor dem Niemandsland stehen? Die Antwort: Manchmal fehlt es an Problembewusstsein, meistens jedoch mangelt es einfach nur an der richtigen Strategie. Für beides gibt es Abhilfe – mit den folgenden Ratschlägen machen wir einen Anfang.

In fünf Schritten zum verlässlichen Backup

Für eine effiziente Backup-und-Recovery-Strategie braucht es vor allem eine gute Planung. Denn je gewissenhafter ihre Vorbereitung, umso effektiver sind die entsprechenden Maßnahmen im Ernstfall – und umso besser ist die Kosten-Nutzen-Bilanz. Es sind im Wesentlichen fünf Schritte zu berücksichtigen: Klassifizierung der Daten, Definition von Recovery Point Objectives (RPOs), Festlegung der Backup-Methode, regelmäßiges Testen der Wiederherstellbarkeit und Umsetzung der 3-2-1-Regel. Neben diesen Einzelmaßnahmen ist die Wahl der passenden Software-Lösungen sicherlich ein weiterer Aspekt, der über Gelingen oder Scheitern einer Backup-Strategie entscheidet. Hier ist die Erstellung eines klaren Anforderungskataloges ebenso klassisch wie unverzichtbar.

Daten & Workloads identifizieren

Der erste Schritt, die Klassifizierung der Daten, bildet die Basis einer jeden Backup-und-Recovery-Strategie: Um Ihre Daten zu schützen, müssen Sie zuerst wissen, über welche Art von Informationen Sie überhaupt verfügen und wo diese hinterlegt sind. Zudem sollte klar sein, um welche Art von Daten es sich handelt. Schließlich müssen aktuelle Vertrags- oder Produktdaten aus dem ERP-System mit einer höheren Priorität behandelt werden als beispielsweise Archivdaten – die Relevanz von Workloads ist eine zentrale Frage, die vor der Festlegung einer Backup-Strategie und erst recht vor der Implementierung von Software und Prozessen beantwortet sein muss.

Ausgereifte Backup-Lösungen verfügen über KI-basierte Funktionen, die Daten und ihre typischen Zugriffs-, Speicher- und Lesemuster automatisiert erfassen und kategorisieren. Deshalb empfehlen wir nachdrücklich, diese Option in den Anforderungskatalog für die Wahl des Backup-Tools aufzunehmen.

Zeiträume und Methode festlegen

Gerade bei Daten mit tagesaktuellem Geschäftsbezug ist es wichtig, sie bei einem Systemausfall möglichst mit dem jüngsten Zustand vor dem Crash wiederherzustellen. Dafür braucht es allerdings kurze Backup-Zyklen. Um die Abstände einzelner Backups festzulegen, werden RPOs festgelegt – der zweite Schritt einer cleveren Backup-Strategie. RPOs sind ein wesentlicher Teil jedes Disaster-Recovery-Plans (DRP) und beschreiben den Zeitraum, der zwischen zwei Backups liegen darf. Logisch ist dabei, dass die RPOs zur Aktualisierungshäufigkeit von Daten passen müssen. So brauchen Daten, die sich nur alle paar Wochen verändern, seltener ein Backup als Informationen, die stündlich neu im System hinterlegt werden.

Die kluge Festlegung von Backup-Zyklen sorgt übrigens auch dafür, dass das Netzwerk nicht zu stark belastet wird. Innerhalb der Backup-Methode – Schritt 3 auf dem Weg zu einem wasserdichten Backup-Konzept – wird deshalb unter anderem auch definiert, wann Full Backups umgesetzt werden müssen. Dies geschieht idealerweise nachts oder am Wochenende. Zudem wird in dieser Phase festgelegt, wann inkrementelle, also schrittweise Backups sinnvoll sind. Diese sind ressourcenschonender und können auch während des laufenden Betriebs durchgeführt werden.

Testen und auf Nummer sicher gehen

Der vierte Schritt klingt profan, er ist allerdings alles andere als unwesentlich: Testen Sie, ob Ihr Backup-System hält, was es verspricht, indem Sie regelmäßig die Wiederherstellbarkeit überprüfen. Schließlich können Ihre Daten noch so gewissenhaft klassifiziert und Ihre RPOs methodisch noch so klug implementiert sein – wenn das Backup-System nichts taugt, stehen Sie am Ende doch wieder mit großen Datenverlusten da.

Auch hier gibt es Lösungen, die auf Basis von VMware, Nutanix oder auch Microsoft HyperV automatisiert und nach Plan Überprüfungen vornehmen. Außerdem empfiehlt es sich in diesem Fall trotz drohenden Vendor-Lock-ins, nicht auf mehrere Hersteller, sondern auf ein Produkt aus einer Hand zu setzen. Der Grund: Backup-Lösungen sind oft nicht oder nur unzureichend in der Lage, untereinander zu kommunizieren. Das Ergebnis sind unzuverlässige Backup-und-Recovery-Prozesse. Und damit Ärger und zusätzliche Kosten.

Die entstehen übrigens auch, wenn Sie die 3-2-1-Regel nicht berücksichtigen: Sorgen Sie dafür, dass Sie stets mindestens drei Kopien anfertigen, die durch mindestens zwei unterschiedliche Speichertechnologien durchgeführt werden und von denen mindestens eine Kopie außerhalb des eigenen Unternehmensstandorts vorgehalten werden soll.

Neuer Podcast: Storage-Insider im Gespräch mit Christian Kubik von Commvault zum Thema „Backup in der Praxis“.

Storage-Insider-Podcast: Datensicherung und Business Continuity – wie Unternehmen eine Backup-Strategie entwickeln

Backup in der Praxis

Backup-as-a-Service

Ein Ansatz, der die 3-2-1-Regel mit einem Streich erfüllt, ist Backup-as-a-Service. Die Backups werden nicht länger auf den eigenen internen Servern erstellt und gepflegt, sondern an Cloud-Anbieter weitergegeben. Diese Spezialisten halten Backup-Equipment in großen Datenzentren vor – und sind damit in der Regel deutlich besser vor physischen Schäden durch Hochwasser oder Feuer geschützt.

Zudem sind Backups über BaaS deutlich einfacher zu verwalten, sowohl im Hinblick auf die Hardware als auch auf die Software – eine einfache Konfiguration und Zuverlässigkeit im täglichen IT-Betrieb bringen gute Lösungen mit. Erst recht als „One Product“-Lösung, die die tägliche Administration noch einmal mehr vereinfacht. Speichergeräte müssen nicht erweitert oder modifiziert werden, während Integritäts- und Wiederherstellbarkeitstests in regelmäßigen Abständen automatisiert durchgeführt werden.

BaaS ist bereits seit einigen Jahren im Aufwind, hat durch die Pandemie allerdings noch einmal ordentlich an Schub gewonnen, da viele Unternehmen plötzlich auf Cloud-Ressourcen zurückgreifen mussten, um Homeoffice-Infrastrukturen zu realisieren – und diese Heterogenität besser mit einem dezentralen Dienst als mit den hergebrachten Backup-Lösungen vor Ort abdecken konnten.

Gerade vor dem Hintergrund, dass während der Corona-Krise möglichst schnell, möglichst kosteneffiziente und zugleich zuverlässige Backup-Lösungen gefunden werden mussten, verwundert es wenig, dass BaaS an Akzeptanz und Verbreitung gewonnen hat. Letztlich bieten Cloud-basierte Backup-Anwendungen eine günstige Alternative zu On-Premises-Lösungen – und schaffen die nötige Voraussetzung, das tägliche Seufzen des IT-Teams durch ein Lächeln zu ersetzen.

Sergei Serdyuk, Mitbegründer von Nakivo.
Sergei Serdyuk, Mitbegründer von Nakivo.
(Bild: Nakivo)

*Der Autor: Sergei Serdyuk hat Nakivo 2012 mitgegründet. Seit 2018 verantwortet er als Vice President of Product Management das gesamte Produktportfolio des Software-Unternehmens. Er ist seit über 15 Jahren in der IT-Branche tätig und verfügt über umfangreiche Erfahrungen in den Bereichen Software-Projektmanagement, Produktmanagement, Virtualisierung, Cloud und Datenschutz. Mit der Mission, die ultimative Datenschutzlösung zu entwickeln, liegt Sergei Serdyuks Leidenschaft darin, kundenorientierte Produkte zu entwickeln, mit denen Menschen Zeit, Geld und Aufwand sparen können. Neben dem Produktmanagement ist Sergei Serdyuk auch für das Marketing und den Kundensupport von Nakivo tätig.

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