Neue Infrastruktur für 12.000 Bioprodukte Biogroßhändler migriert auf festplattenlose Storage

Autor / Redakteur: lic.rer.publ. Ariane Rüdiger / Dr. Jürgen Ehneß

Im Großhandel kommt es auf ständige Lieferbereitschaft an. Um die zu garantieren, müssen die Speichersysteme mit den relevanten Daten hochverfügbar und schnell sein – ein Grund, um auf festplattenfreie Systeme zu wechseln.

Der Biogroßhändler Weiling beliefert rund 1.400 deutsche Bioläden und verfügt über ein Sortiment von rund 12.000 Produkten.
Der Biogroßhändler Weiling beliefert rund 1.400 deutsche Bioläden und verfügt über ein Sortiment von rund 12.000 Produkten.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die Weiling GmbH ist ein typisches mittelständisches Familienunternehmen mit guten Wachstumsaussichten im umkämpften Segment Lebensmittel. Gründer Bernd Weiling hob 1975 den jetzigen Großhandel für Biolebensmittel aus der Taufe.

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Heute hat das Unternehmen in Deutschland zwei Niederlassungen. Geschäftsführer Dr. Peter Meyer: „Die Niederlassung Coesfeld beliefert den Norden, Lonsee bei Ulm den Süden Deutschlands.“ Rund 1.400 Bioläden erhalten ihre Produkte vollständig oder teilweise von Weiling. Das Sortiment umfasst 12.000 davon – laut Website ausschließlich erstklassige Bioware. Geliefert wird an sechs Tagen in der Woche.

2020 machte Weiling einen Umsatz von rund 300 Millionen Euro und beschäftigte rund 750 Mitarbeiter, etwa 10 bis 12 davon Lehrlinge. „Unsere IT ist bis auf drei Tage im Jahr ständig in Betrieb“, sagt IT-Leiter Michael van Dülmen.

Gemeinsam mit dem IT-Leiter ERP/Software-Leiter lenkt er ein Team von insgesamt zehn Mitarbeitern, von denen drei explizit für die Infrastruktur zuständig sind. Zu ihren Aufgaben gehört auch der hauseigene Support. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Weiterentwicklung des selbst betriebenen Navision-Systems.

Schon zwei Stunden Ausfall können, so der IT-Spezialist, erhebliche Auswirkungen haben. Denn Weiling unterhält kein breites Niederlassungsnetz, sondern alle Waren werden entweder von Lonsee oder von Coesfeld auf den Weg gebracht. Das funktioniert bei weiter entfernten Kunden nur, wenn die Lieferlogistik durchgängig funktioniert.

Zudem bewegt sich Weiling in einem heiß umkämpften Markt: Rund 30 Großhändler für Biolebensmittel gibt es in Deutschland, Weiling ist Nummer zwei hinter Marktführer Dennree, der aber zahlreiche eigene Läden betreibt – eine komplett andere Strategie, als Weiling sie verfolgt. Der Großhändler aus Coesfeld hilft Interessierten dabei, Läden aufzubauen, konkurriert aber nicht direkt mit ihnen.

Für eine hochverfügbare IT, wie Weiling sie braucht, spielt die Storage selbstverständlich eine wichtige Rolle. Das Unternehmen betreibt einen Cluster aus zwei Pure Storage FlashArray mit jeweils 40 Terabyte nativer Speicherkapazität als Primär-Storage – jüngst stand die Migration vom Vorläufermodell M20R2 an. Die Systeme sind derzeit etwa zur Hälfte ausgelastet.

Gesichert werden die Daten auf Pure Storage FlashArray//C. Das C steht hier für „Capacity“. Jede halbe Stunde werden das hauseigene, stark individualisierte Navision-System mit 17 TB und Exchange mit acht TB gesichert. Über sechs Stunden hinweg können die halbstündlichen Sicherungen zurückgeholt werden, ältere werden gelöscht. Die Backups erledigt Veeam-Software.

Auf die Storage-Systeme greifen 14 Fujitsu-Server zu, auf denen die VDI (Virtual Desktop Infrastructure) des Unternehmens läuft. Sie verteilen sich hälftig auf die beiden Seiten des Clusters. Dazu kommen insgesamt acht VMware-ESX-Server und zwei, auf denen SQL-Server läuft, auch sie beidseitig auf die zwei Rechenzentren des Unternehmens verteilt. „Damit haben wir Vollredundanz“, sagt van Dülmen. Auf der Hardware laufen knapp 800 virtuelle Maschinen, von denen rund 50 als virtuelle Server fungieren. Container nutzt Weiling noch nicht.

Die Niederlassung in Lonsee, die für ein Drittel der Umsätze verantwortlich ist, erhält ihr VDI direkt aus der Coesfelder Zentrale.

Als van Dülmen 2007 zu Weiling kam, liefen dort noch NetApp-Maschinen. Dann migrierte man zu EMC und verwendete hier vor allem Xtreme IO, aber auch die plattenbasierte Lösung VMXe.

Als EMC von Dell übernommen wurde, war man über die Produktpolitik des neuen Infrastrukturanbieters Dell EMC nicht begeistert. Van Dülmen: „Wir hätten unsere Xtreme-IO-Systeme tauschen müssen, eine andere Möglichkeit hat man uns nicht angeboten. Dabei gab es in den Systemen keinerlei technische Änderung, nur das Logo auf der Blende hätte sich geändert.“ Das sei sinnlos und gerade aus Nachhaltigkeitssicht nicht zu vertreten, schließlich lief ja alles noch einwandfrei.

Also machte man sich gleich auf die Suche nach einem anderen Lieferanten, allerdings ohne die Konzeption der Infrastruktur insgesamt in Frage zu stellen. An die Nutzung einer Public oder Hybrid Cloud beispielsweise wurde nicht ernsthaft gedacht. Van Dülmen: „Dafür sind in Deutschland die Verbindungen einfach zu schlecht.“

Stattdessen hatte Weiling die Chance, bei seinen Großhändlern Schuster & Walther sowie TIM die ins Auge gefassten Storage-Systeme gründlich auch unter Last auf Herz und Nieren zu testen. Ergebnis: Die ebenfalls erwogene Nimble-Lösung ging bei höheren Belastungen in die Knie. „Ab 85 Prozent Füllung verschlechterte sich die Metrik massiv“, erinnert sich van Dülmen.

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Die Alternative Pure dagegen zeigte keine Schwächen, weshalb der Umstieg dorthin erfolgte. Als besonders beeindruckend empfindet van Dülmen das einfache Management und die Stabilität der Systeme, beispielsweise bei Upgrades. „Das verläuft völlig unkompliziert. Man erhält eine E-Mail, nennt das Wartungsfenster und bekommt am Ende eine Mail, dass alles erledigt ist. Vom Rest merken wir nichts.“ Vor kurzem sei es sogar gelungen, vier Controller im laufenden Volllastbetrieb auszutauschen.

Weitere Pläne für den Ausbau der Infrastruktur gibt es schon. So soll ein letztes verbliebenes VMXe-System durch einen Aktiv-Aktiv-Cluster aus zwei Pure Storage FlashArray//X10 ersetzt werden. Weiter ist geplant, die IT-Infrastruktur so zu gestalten, dass die Filiale in Lonsee autonomer arbeiten kann. Sie kommt ganz ohne IT-Spezialisten vor Ort aus.

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Freie Journalistin, Redaktionsbüro Rüdiger