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NAS- und Server-Ersatz Dateifreigaben, Container, Serveranwendungen für KMU leicht umsetzen

Von Thomas Joos 6 min Lesedauer

Mit Unraid können Unternehmen auf eigener Hardware ein NAS-System aufbauen, das parallel in der Lage ist, verschiedene Serveranwendungen und Docker-Container zu betreiben. Die Verwaltung läuft über eine webbasierte Oberfläche. Für KMU kann Unraid das ideale System sein.

Unraid hat neben seiner webbasierten Oberfläche und dem breiten Spektrum an Zusatzdiensten eine Vielzahl an Anwendungsmöglichleiten, die die Software vor allem für KMU interessant macht.(Bild:  jahidsuniverse - stock.adobe.com)
Unraid hat neben seiner webbasierten Oberfläche und dem breiten Spektrum an Zusatzdiensten eine Vielzahl an Anwendungsmöglichleiten, die die Software vor allem für KMU interessant macht.
(Bild: jahidsuniverse - stock.adobe.com)

Unterschiedliche Geschwindigkeiten werden für den Datenzugriff bereitgestellt. Dadurch lassen sich zum Beispiel häufig benötigte Dateien auf schnellen SSDs speichern und Archivdaten auf langsameren und günstigeren HDDs. Dabei ist Unraid anderen Anwendungen wie TrueNAS oder OpenMediaVault überlegen, da mehr Flexibilität vorhanden ist. Unraid benötigt für die Absicherung der Daten kein RAID, sondern nutzt für die Parität die verschiedenen Datenträger im System.

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Unraid ist in den drei Editionen Starter, Unleashed und Liftime erhältlich. Die Editionen unterscheiden sich technisch nicht voneinander. Die Unterschiede liegen in der Dauer des Supports und der Anzahl der Volumes, die angebunden werden können. Ein Wechsel der Edition ist in der Weboberfläche jederzeit möglich. Die „Start License“ kostet einmalig 49 US-Dollar und beinhaltet Support sowie Updates für ein Jahr. Bis zu sechs Datenträger können angeschlossen werden. Für 109 US-Dollar können Unternehmen mit der „Unleashed License“ unbegrenzt Datenträger anschließen, für 249 US-Dollar gibt es die „Lifetime License“. Hier läuft die Lizenz nicht ab. Die komplette Lizenzierung und der Kauf des Produktes laufen über die Weboberfläche.

Unraid bietet haufenweise kostenlose Zusatzdienste

Über das Paketzentrum stehen zahlreiche Zusatzdienste zur Verfügung. Neben Automation, KI, Überwachung und vielen weiteren Diensten stehen auch Funktionen zur Installation von VMs zur Verfügung. Da der Grafikadapter des Unraid-Servers an VM weitergereicht wird, kommen auch Anwendungen mit hohen Grafikansprüchen zum Einsatz. Es lassen sich außerdem ein zentraler Werbeblocker, Nextcloud, Dokumentenverwaltung mit Paperless-ngx und vieles mehr betreiben. Der Zugriff ist über jeden Rechner im Netzwerk mit Windows, Linux und macOS möglich. Die Installation der Anwendungen erfolgt einmalig auf Unraid. Der Aufbau einer mächtigen privaten Cloud mit Remote-Zugriff ist dadurch kostengünstig möglich. Das ist bei KMU für mobile Mitarbeiter und für das Home-Office ideal. Unraid lässt sich 30 Tage uneingeschränkt kostenlos testen, danach ist eine Lizenz notwendig. Die Kosten sind für KMU, Vereine und sogar Privathaushalte überschaubar.

Unraid fasst alle Platten im System zu einem gemeinsamen Speicherpool zusammen und stattet ihn mit einer Paritätsfunktion aus. Dadurch gehen auch ohne RAID keine Daten verloren. Unraid ist dazu in der Lage, nicht benötigte Platten einzeln auszuschalten. Bei einem typischen NAS wie TrueNAS ist das nicht möglich. Das spart deutlich Energie im Vergleich zu anderen Systemen ein. Außerdem ermöglicht Unraid eine sehr viel bessere Kontrolle, auf welchen einzelnen Festplatten im Gerät die einzelnen Daten und deren Parität gespeichert werden. Dadurch ist Storage-Tiering problemlos möglich.

Unraid in Betrieb zu nehmen, dauert nur wenige Minuten

Unraid ist sehr schlank und bootet direkt von einem USB-Stick. Das System selbst verbraucht daher kaum Ressourcen, sondern nur die Lösungen, Apps, Container und VMs, die betrieben werden. Nach dem Start können Admins in der Unraid-Konfiguration eigene Pools für HDD und SSD anlegen. Das ermöglicht flexible Speicherkonfigurationen. Unraid kann den Arbeitsspeicher als Cache benutzen. Daher sollte dieser großzügig dimensioniert sein. Größere Datenträger sollten als Parity-Datenträger konfiguriert werden. Auf den Datenträgern befinden sich die Daten, Unraid selbst läuft auf dem USB-Stick. Die Parity-Disks sind die Versicherung, dass keine Daten verloren gehen, wenn eine der Speicherplatten ausfällt. Beim Anlegen von Freigaben kann festlegt werden, auf welchem Datenträger Unraid die Daten speichern soll.

Unraid in Betrieb nehmen

Über die Webseite von Unraid wird der bootfähige USB-Stick erstellt. Dieser enthält später auch die Lizenz. Die Daten des Sticks und die Lizenz lassen sich auf Wunsch in der Cloud bei den Entwicklern speichern. Dadurch sind schnelle Wiederherstellungen problemlos möglich. Über den Assistenten werden Servernamen und IP-Konfiguration festgelegt. Unraid benötigt maximal 500 MB, daher sollte der Stick nicht größer als 16 GB sein. Größere Sticks unterstützt das System nicht. Die Installation lässt sich alternativ über eine SD-Karte durchführen.

Nach der Erstellung des USB-Sticks kann der Server gebootet werden. Die Verwaltung erfolgt später über die Weboberfläche. Diese steht wiederum über die IP-Adresse zur Verfügung, die bei der Erstellung angegeben wurde. Standardmäßig wird der Modus „Unraid OS“ gestartet. Mit „Unraid OS GUI Mode“ startet ein lokaler Browser, und das System kann direkt an der Konsole konfiguriert werden.

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Festplatten den Pools zuweisen

Über den Menüpunkt „Main“ werden die Datenträger dem System zugewiesen. Unraid unterscheidet zwischen Arrays, Pools und Parity-Disks. Unter „Main“ sind bei „Unassigned Devices“ die Datenträger zu sehen, die noch nicht zugeordnet sind. Im Bereich „Array Devices“ werden die Datenträger festgelegt, die für die Datenspeicherung verwendet werden sollen. Dies stellt den gesamten Speicherplatz im Array dar, der sich mit jeder Platte um die Größe der hinzugefügten Platte erhöht.

Unter „Parity“ werden Datenträger ausgewählt, die der Ausfallsicherheit dienen. Die Datenträger müssen mindestens so groß sein wie die größte Platte im Array. Es ist sinnvoll, zwei Parity-Disks zu definieren. Wenn eine Platte im Array ausfällt, kann Unraid die auf dieser Platte gespeicherten Daten mit Hilfe der Parity-Platten wiederherstellen.

Die schnellen SSDs im NAS können bei „Pool Devices“ hinzugefügt werden. Diese Datenträger werden von Unraid als schneller Cache verwendet. Unraid verschiebt automatisch die nicht mehr benötigten Daten auf die herkömmlichen Datenträger. Dadurch wird der Speicherplatz im Cache wieder frei, während gleichzeitig sichergestellt wird, dass die häufig verwendeten Daten so schnell wie möglich zur Verfügung stehen.

Danach aktiviert man bei „Format“ die Option „Yes, I want to do this“ und klickt auf „Format“. Unraid unterstützt das Dateisystem ZFS. Ein entscheidender Vorteil von ZFS ist der robuste Datenschutz. Standardmäßig verwendet Unraid das Dateiformat XFS. Dies wird in der Spalte FS angezeigt.

Erste Schritte mit dem Unraid-Dashboard

Nachdem die Volumes zugeordnet sind, ist im Dashboard eine Zusammenfassung des Systems zu sehen. Im unteren Bereich des Fensters sollte der Status „Array started“ angezeigt werden. Das NAS ist jetzt bereit, Daten zu speichern. Über „Management Access“ unter „Settings“ können Admins unter „Start page“ mit der Einstellung „Dashboard“ steuern, dass Unraid beim Aufruf der Webseite direkt das Dashboard öffnet.

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Apps aus der Community zu Unraid hinzufügen

Die große Menge an kostenlosen Apps aus der Community ist eine der größten Stärken von Unraid. Mit wenigen Klicks werden sie problemlos in Unraid eingebunden. Dazu steht im Hauptmenü von Unraid der Bereich „Apps“ zur Verfügung. Mit einem Klick auf „Install“ wird das das benötigte Plug-in für die Verbindung zum App-Store installiert. Danach stehen über den Menüpunkt „Apps“ die Anwendungen zur Verfügung, die über einen Klick auf „Install“ in Unraid installiert werden können. Neben den bereits erwähnten Funktionen gibt es hier Apps zur Datensicherung, zum Aufbau von VPN-Tunneln, Cloud-Tools und vieles mehr. Die Bereiche sind in verschiedene Themengebiete unterteilt. Viele Apps werden von den Entwicklern als Docker-Container zur Verfügung gestellt, andere als Plug-in für Unraid. Daher sollte nach der Installation der Umgebung auch die Docker-Funktionalität in Unraid eingerichtet werden.

Docker in Unraid richtig einrichten

Um Docker-Container betreiben zu können, sollten im Vorfeld unter „Settings“ über „Docker“ die notwendigen Einstellungen vorgenommen werden. Bei „Docker data-root“ ist die Option „directory“ sinnvoll. Mit ihr werden alle Container in separaten Verzeichnissen gespeichert. Sollte Docker abstürzen, gehen die Daten nicht verloren.

Dateifreigaben erstellen

Über den Menüpunkt „Freigaben“ werden die Dateifreigaben von Unraid angezeigt. Standardmäßig sind bereits Systemfreigaben vorhanden. Admins können über „Add Share“ eigene Freigaben erstellen und unter „Primary Storage“ bestimmen, wo die Daten auf den Datenträgern des Arrays gespeichert werden sollen. Unter „SMB Security Settings“ werden die Sicherheitseinstellungen für die Freigabe festgelegt. Bei der Auswahl von „Secure“ haben Benutzer Leserechte und die Benutzer, denen die entsprechenden Rechte zugewiesen sind, Schreibrechte. Die Benutzer von Unraid werden bei „Users“ verwaltet. Durch die Auswahl von „Private“ können die Benutzer ausgewählt werden, die auf die Freigabe schreiben und lesen dürfen. Mit der Schaltfläche „Add Share“ wird die Freigabe gespeichert und erscheint unter den Shares.

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