Datenspeicherung in großem Umfang

DDN stellt sich durch Firmenübernahmen breiter auf

| Autor / Redakteur: Kriemhilde Klippstätter* / Tina Billo

DDN setzt auf die Weiterentwicklung der hauseigenen Lösungen plus durch Zukäufe erworbenen Technologien und neue Partnerschaften, um den bislang erfolgreichen Wachstumskurs auch künftig beizubehalten.
DDN setzt auf die Weiterentwicklung der hauseigenen Lösungen plus durch Zukäufe erworbenen Technologien und neue Partnerschaften, um den bislang erfolgreichen Wachstumskurs auch künftig beizubehalten. (Bild: gemeinfrei - ar130405 / Pixabay / CC0)

Durch spektakuläre Übernahmen im vergangenen Jahr hat DataDirect Networks (DDN) seine Marktpräsenz stark verbreitert. Zusätzlich wurden die hauseigene Produktlinie überarbeitet und neue Partnerschaften geknüpft.

"Was für ein Jahr", stöhnt James Coomer, Vice President Products bei DDN Storage, als er zum Jahresende die vergangenen zwölf Monate Revue passieren lässt. So richtig heiß wurde es ab Juni 2018 als DDN bekannt gab, Intel das Geschäft rund um das Open-Source-Filesystem Lustre abzukaufen.

DDN übernimmt das Lustre-Geschäft von Intel

Der Chiphersteller hatte 2012 das Unternehmen Whamcloud gekauft, das Lustre weiterentwickelt und auf den Markt gebracht hatte. Das Lustre-Projekt wurde ursprünglich bereits 2001 von Peter Braam an der Carnegie Mellon University gestartet. Er vermarktete die Entwicklung unter dem Namen "Cluster File System" (CFS). Sun Microsystems kaufte es ihm 2007 ab und wollte es mit dem hauseigenen "Zettabyte File System" (ZFS) kombinieren. Als Oracle 2010 Sun übernahm, hatte die Datenbank-Diva bereits eine Fülle eigener Dateisysteme im Haus und wollte sich nicht noch mehr verzetteln. So wurde im gleichen Jahr Whamcloud gegründet, das sich einzig die Entwicklung und Vermarktung von Lustre auf die Fahnen geschrieben hatte.

Auch nach der Übernahme von Intel behielt die Company ihren Namen bei. Und jetzt betreibt der Speicherhersteller die DDN Whamcloud Division als eine "autonome" Geschäftseinheit. Wie unter Intel sind Andreas Dilger als CTO und Peter Jones als Director Engineering verantwortlich, geleitet wird der Geschäftsbereich von Robert Triendl. Das Trio verfolgt zunächst sechs Ziele: Mehr Support für das Filesystem inklusive besserer und schnellerer Nutzbarkeit auch von neuen Funktionen, eine Roadmap für bestehende Kunden, Investitionen in die Zukunft von HPC I/O sowie die Markterweiterung von Lustre auf Anwendungen wie Big Data, Analytics, künstliche Intelligenz und die Cloud.

Lustre ergänzt DDNs Lösungsangebot optimal

Lustre – der Name leitet sich aus der Kombination von Linux und Cluster ab – ist ein paralleles Filesystem, das für die Speicherung ganz großer Datenmengen geeignet ist. Die meisten Supercomputer weltweit nutzen es und auch sehr große Clusterverbünde. Damit passt das Open-Source-Produkt sehr gut zu DDNs Speicherportfolio.

"Wir haben in der vergangenen Dekade die fortschrittlichste Technik für die Datenverarbeitung in großem Stil (at scale) entwickelt und auf den Markt gebracht - sowohl für Highend-Rechenzentren als auch hybride Cloud-Umgebungen", erklärt Coomer die Gemeinsamkeiten. "Die Übernahme der Lustre-Dateisystemfähigkeit von Intel ist ein mutiger Schritt, der die fortschrittlichste Filesystem-Technologie mit dem bereits umfangreichen HPC-, Analyse- und Cloud-Produktportfolio von DDN kombiniert."

Neue Speicherprodukte für HPC und AI

Rechtzeitig zur Supercomputer-Messe ISC 2018 im Juni wurden neue DDN-Speicherprodukte für den HPC-Markt präsentiert und auch in Frankfurt gezeigt: Die beiden Speicher-Appliances (mit NVMe) SVA200NV und SVA400NV liefern Geschwindigkeiten von bis zu 40 GB/s und 1,5 Millionen IOPS. Für den mittleren Leistungsbereich und zur Speicherkonsolidierung taugt das Hybrid-Flash-Modell SVA7990.

Für die Speicherung von blockbasierten Daten bietet DDN mit dem Modell SFA18K "den weltweit schnellste Block-Speicher", der dazu auch noch dicht gepackt und somit platzsparend ist. Die Leistungswerte: Die Maschine im 4U-Gehäuse liefert bis 3,2 Millionen IOPS und 90 GB/s. Bis zu 72 Flashspeicher und Festplatten lassen sich in einem Chassis kombinieren.

Eine schnelle Schmuckschatulle: Das neue Flaggschiff SFA18K kommt im attraktiven 4U-Gehäuse.
Eine schnelle Schmuckschatulle: Das neue Flaggschiff SFA18K kommt im attraktiven 4U-Gehäuse. (Bild: DDN)

Speziell für Anwendungen, die künstliche Intelligenz nutzen, hat der Speicherhersteller – zusammen mit Nvidia und HPE - die A3I-Produktfamilie entwickelt. Sie soll "Accelerated, Any-Scale AI" ermöglichen. Die Speicher liefern optimierte parallele Datenpfade zwischen Storage und der AI-Arbeitslast und liefern laut DDN beispielsweise für ein einzelnes Nvidia GPU-System einen Durchsatz von mehr als 38 GB/s. Die Speicher arbeiten mit fast allen Deep-Learning-Frameworks wie TensorFlow, Horovod, Torch, Caffe oder Theano zusammen und sind auch dafür getestet. Es gibt sie als reine Flash- oder hybride Speicher: Die Modelle AI200 und AI400 bezeichnet DDN als Scale-out All-Flash-Plattformen, Modell AI7990 ist die mit Flash- und Harddrives bestückte Version. Alle Geräte kommen im schicken 2U-Chassis.

Die A3I-Familie für Anwendungen mit künstlicher Intelligenz und Deep Learning.
Die A3I-Familie für Anwendungen mit künstlicher Intelligenz und Deep Learning. (Bild: DDN)

Und dann noch die Übernahme von Tintri

Mitten im Sommer 2018 traf es 80 Prozent der Mitarbeiter von Tintri, Hersteller von Flash-Speicher, hart: Ihnen wurde gekündigt - nur knapp ein Jahr nach dem Börsengang. Die Niederlassungen in Europa wurden geschlossen, Mitarbeiter in England, Holland und Deutschland sollen angeblich für Juni kein Gehalt bekommen haben. Am 10. Juli sahen auch die verbliebenen rund 20 Mitarbeiter keine andere Möglichkeit, als die Firma nach US-Recht unter Chapter 11 zu stellen, also Bankrott anzumelden. Die Tinte des Insolvenzantrags war noch nicht trocken, als Hilfe kam: DDN veröffentlichte am gleichen Tag eine Absichtserklärung "im Wesentlichen alle Vermögenswerte von Tintri" übernehmen zu wollen. Die Empfehlung zur Übernahme von Tintri stammt nach Angaben von DDN-Manager Coomer übrigens von einem deutschen Kunden.

Tintri-CTO und Mitgründer Kieran Harty bezifferte die Schulden seiner Firma auf eine Summe zwischen zehn und 50 Millionen Dollar. Hauptgläubiger war Flextronic mit 4,5 Millionen Dollar gefolgt von Salesforce.com mit knapp einer halben Million. DDN blätterte, nach einer hitzigen Auktion, 60 Millionen Dollar auf den Tisch und übernahm am 4. September das unglücklich agierende Startup.

Die Übernahme von Tintri ermöglicht DDN verstärkt im Enterprise-Markt Fuss zu fassen.
Die Übernahme von Tintri ermöglicht DDN verstärkt im Enterprise-Markt Fuss zu fassen. (Bild: Kriemhilde Klippstätter)

Kein schlechter Deal wenn man bedenkt, dass Tintri insgesamt 260 Millionen Dollar bei Venture Capitalists – allen voran New Enterprise Associated, Silver Lake Kraftwerk, Insight Venture Partners and Lightspeed Venture Partners – eingesammelt hatte. DDN-CEO und Mitgründer Alex Bouzari begeisterte sich vor allem deshalb an der Neuerwerbung: "Tintri bietet die besten Analysefunktionen mit prädiktiven, effizienten und intuitiven Einblicken für virtualisierte Umgebungen und Datenbanken."

DDN setzte zunächst den durch die Liquiditätsprobleme von Tintri unterbrochenen Support für die bestehenden Kunden wieder in Gang und formierte ein Verkaufsteam, zum Teil aus zurückgeholten Mitarbeitern. Im übrigen soll Tintri seine Eigenständigkeit behalten und firmiert jetzt als "Tintri by DDN". Zudem wurde Mark Gritter, Gründer von Tintri und Architekt der Technologie, an Board geholt und übernimmt als CTO weitere Entwicklungen.

Fazit

Neben dem ausgedehnten Hardwareangebot, liefert die Company auch passende Software, die unter dem Namen DataFlow vermarktet wird und nach eigenen Angaben "mit jedem Speichersystem arbeitet". Mit ihr sollen sich Speicheraufgaben wie Backup, Archive, Datenverlagerung und File-Synchronisierung erledigen lassen.

Die Dataflow-Software arbeitet laut Hersteller mit jedem Speicher zusammen.
Die Dataflow-Software arbeitet laut Hersteller mit jedem Speicher zusammen. (Bild: DDN)

Die 1998 von Alex Bouzari (CEO) und Paul Bloch (President) gegründete DDN befindet sich noch immer in Privatbesitz und ist nach eigenen Angaben der Welt größte unabhängige Speicheranbieter. Die DDN-Zentrale befindet sich im kalifornischen Chatsworth, die deutsche Niederlassung in Düsseldorf.

*Kriemhilde Klippstätter ist freie Autorin und Systemischer Coach (SE) in München.

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