Assistenzsysteme und Chatbots KI hilft durch den Compliance-Dschungel

Autor: Dr. Stefan Riedl

Nicht erst seit der DSGVO schweben Verstöße gegen Compliance-Regeln wie ein ­Damoklesschwert über Firmen und Akteuren. Kann das Thema ohne Hotline zum Anwalt bald nur noch durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz bewältigt werden?

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Dank Künstlicher Intelligenz können Verantwortliche im Compliance-Dschungel zuversichtlich bleiben.
Dank Künstlicher Intelligenz können Verantwortliche im Compliance-Dschungel zuversichtlich bleiben.
(Bild: stokkete - stock.adobe.com)

Compliance heißt letztlich, dass Recht und Gesetz durch Unternehmen und seine Mitarbeiter eingehalten werden. Das wird häufig durch festgelegte Regeln im Unternehmen vereinfacht, die auch für eine gute Außenwahrnehmung sorgen sollen. Dagegen kann eigentlich niemand etwas haben. Verhaltensregeln und die Art und Weise, wie sich ein Unternehmen nach außen und innen präsentiert, sollen Skandale vermeiden und dafür sorgen, dass das Image in Social-Media-Zeiten nicht leidet. Konzerne beschäftigen mittlerweile dedizierte CCO (Chief Compliance Officer).

Schwierige Gesamtgemengelage

Künstliche Intelligenz kann mit kalter Analytik dabei helfen, richtige Compliance-Entscheidungen zu treffen.
Künstliche Intelligenz kann mit kalter Analytik dabei helfen, richtige Compliance-Entscheidungen zu treffen.
(Bild: © Binkski - stock.adobe.com)

Allerdings widersprechen sich mitunter gesetzliche Vorschriften, Konzernverhalten in der Kommunikation wird von unterschiedlichen Rezipienten teilweise völlig verschieden bewertet, und nicht zuletzt seit der Corona-Gesamtgemengelage ergeben sich neue Herausforderungen, bei denen sich viele Verantwortliche eine Rund- um-die-Uhr-Anwaltshotline wünschen. In ­diese Lücke stoßen zunehmend ­Software-basierte Assistenzsysteme, die mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) relevante Daten und Sachverhalte analysieren und damit Fachentscheidungen vorbereiten oder vorschlagen. Chat­bots – so die Kernthese – könnten auf Basis von Fragen und Antworten sicherstellen, dass die ausgegebenen Entscheidungen rechtssicher sind.

Marktpotenzial

Spezialisierte digitale Lösungen sind dieser Tage noch eher selten. In Deutschland hat erst etwas mehr als ein Drittel der Unternehmen ein ganzheitliches Compliance-Management-System implementiert, wie eine Umfrage der Hochschule Aalen und des Aalener Instituts für Unternehmensführung unter 142 Firmen nahelegt.

Aber auch weniger spezialisierte Tools auf Basis von KI können den umfangreichen Compliance-Abteilungen bei ihren Auf­gaben helfen – zum Beispiel in Form von ­Assistenzsystemen und Chatbots. Hierbei lassen sich grundsätzlich mithilfe von KI Daten und die damit abgebildeten Sachverhalte klassifizieren und den passenden Regelwerken zuordnen.

Interne und externe Regeln

Zuständige Mitarbeiter erhalten ihre Antworten dabei von einem virtuellen Assistenten. Anfragen an den Chatbot sollten ­dabei möglichst relevante Schlagworte ­enthalten, um automatisiert durch den Dschungel an Regeln zu helfen. Die KI kann zudem dazu dienen, Prozesse zu automatisieren – etwa die Anmeldung eines Geschäftsessens: Der Mitarbeiter fragt dabei letzten Endes das System, ob er mit ­einer bestimmten Person essen gehen darf. Die KI findet durch Analyse der einschlägigen gesetzlichen und internen Regelungen für ihn heraus, ob der geplante Termin unbedenklich ist oder nicht. Vor allem Standardfälle lassen sich mithilfe von KI sehr gut vereinfachen. Das bedeutet: Der Compliance-Mitarbeiter muss nicht mehr jede Frage selbst klären, sondern nur noch dort aktiv werden, wo die KI an ihre Grenzen stößt.

Aber auch bei weniger offensichtlichen Fällen, etwa Abweichungen von Standardanfragen und unklaren Situationen, kann KI wertvolle Dienste leisten und zum Beispiel eine Vorqualifizierung des Sachverhalts übernehmen, bevor die Anfrage an einen Mitarbeiter der Compliance-Abteilung zur finalen Bearbeitung weitergeleitet wird.

Steigende Komplexität

Unter anderem bei Sage hat man sich dieses Themas angenommen: John Schultze, Head of Learning Services Central Europe bei Sage, führt aus, dass Künstliche Intelligenz die Compliance-Verantwortlichen unterstützen kann: „Damit hilft sie, der steigenden Komplexität und Bedeutung des Themas gerecht zu werden und die Mitarbeiter zu entlasten.“

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Über den Autor

Dr. Stefan Riedl

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Leitender Redakteur