Womit sich Startups heute beschäftigen, Teil 21

Komprise gibt Cold Data eine Spezialbehandlung

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Rainer Graefen

Komprise unterlegt dem gesamten Speichersystem eine Softwareschicht, die den transparenten Zugriff auf alle Ressourcen unter Beibehaltung der bisher genutzten Schnittstellen und Formate direkt auf nachgelagerte Storage-Klassen ermöglicht.
Komprise unterlegt dem gesamten Speichersystem eine Softwareschicht, die den transparenten Zugriff auf alle Ressourcen unter Beibehaltung der bisher genutzten Schnittstellen und Formate direkt auf nachgelagerte Storage-Klassen ermöglicht. (Bild: Komprise)

Das Startup Komprise hat eine Softwaretechnologie entwickelt, mit der Anwender herausfinden können, welche Daten sie nur selten adressieren, diese auf günstigere Storage-Medien verlagern und trotzdem jederzeit im Zugriff behalten.

Datenmanagement gehört im Zeitalter eines überbordenden Wachstum gerade bei File- und Objektdaten zu den Sisyphus-Aufgaben des IT-Betriebs. Es gibt dafür zwar viele Softwarelösungen, doch die meisten haben Schwächen, die reichlich Luft für Verbesserungen lassen: Häufig können die Tools, sofern sie mit einem Storage-Array mitgeliefert werden, vor allem mit der Hardware respektive dem Filesystem ihres Herstellers arbeiten, viele können nur auf bestimmte File-Formate oder Schnittstellen zugreifen. Sogenannte Data Lakes versuchen zumindest den Primär-Storage zu vereinheitlichen.

Wichtigkeit und Multicopy

Sobald aber Teile der Daten auf ein sekundäres Storage-Medium verlegt werden, sind sie mit der Software des Data Lake meist nicht mehr erreichbar. Ein weiterer Versuch, die Silostruktur von Storage aufzubrechen, besteht darin, eine Virtualisierungsschicht über sämtliche Storage-Medien und -Tiers zu legen. Auch das hat allerdings Pferdefüße: So kommen solche Virtualisierungslösungen oft mit schneller Flash-Hardware nicht zurecht beziehungsweise bremsen sie aus. Sie skalieren auch nicht unbedingt im gewünschten Umfang.

Doch die Silostruktur ist nicht das einzige Storage-Problem, das Komprise adressiert. Die meisten Daten sind in vielen Kopien vorhanden. „Für jedes Gigabyte neuer Daten fallen durch Kopieraktivitäten real vier bis fünf Gigabyte Speicherbedarf an“, sagt Krishna Subramanian, Präsident und CEO des Unternehmens. Komprise gibt als Wachstumsraten bei Objekt- und Filedaten branchenspezifische Werte zwischen 40 und 300 Prozent jährlich an.

Werden die sich auftürmenden Datenmassen auch noch ohne Berücksichtigung der Tatsache, ob sie wirklich wichtig sind, mehrfach kopiert, sind die Speicherkosten, aber auch der Backup-Aufwand kaum in den Griff zu bekommen. Gleichzeitig dürfen oder wollen viele Unternehmen viele Daten aus Sicherheits- und Compliance-Gründen nicht auf beliebigen Public-Cloud-Speicher verlagern.

Komprise will mit seiner Lösung all diese Probleme auf einmal beseitigen, gleichzeitig aber die Sicherheits- und Compliance-Interessen der Kunden berücksichtigen. So entstand die übergreifende, hybride Lösung des Newcomers, deren Schlüsselfähigkeit die Unterscheidung von viel und wenig genutzten Daten ist. „Wir sind durchaus der Meinung, dass die Daten, auf die tatsächlich häufig zugegriffen wird, auch mehrfach kopiert und gesichert werden können – aber nicht der viel größere Anteil der Daten, die man kaum braucht“, betont Subramanian.

Wachstum managen, Risiken abfangen

Um das zu realisieren, werden die On-Premise- und Cloud-Storagesysteme mit einer übergreifenden Softwareschicht unterlegt. Sie unterstützt alle wichtigen Formate für Objekt- und Filedaten (derzeit NFS, CIFS/SMB und S3, an Lustre wird gearbeitet) und ist imstande, deren Metadaten zu analysieren.

Beim Kunden werden Softwareagenten, sogenannte Observer, als virtuelle Maschinen installiert, die später als Cache die Metadaten speichern. Sie haben eine empfohlene Mindestgröße von acht Cores und 16 GByte Cache. Bei AWS, Google und Microsoft Azure ist die entsprechende Software ebenfalls erhältlich, so dass dort gelagerte Daten sich in die Analysen einbeziehen lassen.

Kommt Komprise zu einem Kunden, analysiert die Lösung zunächst sämtliche Daten auf allen Speichermedien on Premise und in der Cloud. Die Ergebnisse stellt die Lösung als Grafik dar. Darauf ist deutlich zu erkennen, wie viele Daten wo liegen und welcher Anteil davon „kalt“ ist und daher auf günstigeren Storage mit geringeren Anforderungen an die Datensicherung verlagert werden kann - beispielsweise auf S3, in eine Archivlösung wie Glacier oder auf Tape mit NFS-Schnittstelle respektive -emulation verschoben werden könnte. Außerdem berechnet das System sofort, wie viel Geld der jeweilige Kunde durch das Verschieben der betreffenden Daten einspart. Anschließend können die Daten sofort entsprechend anderes verteilt werden.

Nahtlose Speicher-Tiers

Weil die Zahl und auch die Leistungsfähigkeit der Softwareagenten („Observer“) on Premises unbegrenzt skalierbar ist, können Komprise-Anwender mit ihrem Datenwachstum mithalten und sparen oft erhebliche Geldmengen. „Viele unserer Kunden können sich dank unserer Lösung plötzlich All-Flash-Primärstorage leisten, weil sie weniger davon brauchen“, sagt Subramanian. Ein weiterer positiver Effekt ist die Abnahme des Backup-Volumens. Hier berichtet Komprise von Kunden, bei denen Backups um 88 Prozent kleiner wurden, weil nur noch heiße Daten in klassischer Form gesichert werden.

Auch nach einer Verlagerung bleiben aber mittels der Komprise-Softwareschicht die Metadaten aller Daten im direkten Zugriff der Anwender über NFS, selbst wenn sie auf Tape oder S3 liegen. Auf Daten, die in nachgelagerte Schichten verschoben wurden, können Anwender mit Hilfe des gewohnten Protokolls über Komprise direkt zugreifen. Gleichzeitig können Daten auch direkt am jeweiligen Speichersystems gefunden werden.

Daten auf Primärstorage findet Komprise zwar, der Zugriff erfolgt aber immer direkt über das Primärsystem. „Im Grunde nähen wir mit unserer Lösung Primär- und andere Storage-Klassen zusammen und machen sie zu einer einheitlich zugreifbaren Ressource“, sagt CEO Goswani. „Unsere verteilte Scale-out-Architektur arbeitet außerhalb des Datenpfades, ist Storage-agnostisch, nicht intrusiv, hierarchisch, transparent und redundant.“

Ein wichtiges Einsatzfeld der Softwarelösung ist die Migration von NAS-Daten mit Hilfe einer Stapelkopiefunktion, die zum normalen Lieferumfang gehört. Zudem hat das Unternehmen mit Data Confinement eine Funktion realisiert, die sicherstellen soll, dass Daten nur dort gespeichert werden, wo sie das entsprechend den Regeln der Datenschutz-Grundverordnung auch werden dürfen.

Expansion nach Europa

Kunden können zwischen einer einmaligen Lizenzgebühr bei On-Premise-Nutzung oder einer jährlichen Nutzungsgebühr bei Nutzung der Cloud-Variante wählen oder beides kombinieren. Die nutzungsbezogene Gebühr bemisst sich nach der Kapazität der mit Komprise verwalteten Daten im unkomprimierten, nicht deduplizierten Format.

Zum Kundenkreis des 2014 gegründeten Unternehmens mit inzwischen 70 Mitarbeitern gehören der öffentliche Sektor, das Gesundheitswesen, Versicherungen, Banken, die Media- und Entertainment-Industrie und alle Unternehmen mit großen, schnell wachsenden Volumina an File- und Objektdaten.

Komprise ist durch Venture Capital finanziert, wie üblich in solchen Fällen steht als Exit-Strategie auch die Übernahme offen. Doch vorläufig wächst das Startup kräftig aus eigener Kraft – im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres versiebenfachte sich der Umsatz. Es sind bereits wichtige Partnerschaften entstanden. So verkauft IBM die Lösung als OEM-Produkt, bei AWS gehört Komprise inzwischen zu den Advanced Tier Partners. Bei Microsoft Azure ist sie ein Marketplace Top und Google listet sie als Top Tier Partner.

Ein europäischer Vertrieb befindet sich im Aufbau. Jüngst wurde die europäische Zentrale in London eröffnet und mit Andy Hill ein europäischer Vertriebschef benannt. Hill bringt unter anderem Erfahrungen von Nexsan und Veritas mit. Als Distributor konnte unter anderem Arrow gewonnen werden, als Reseller in Deutschland fungiert unter anderem Itiso. Einen deutschen Kunden gibt es auch schon. Die Studio Hamburg GmbH, ein Medienunternehmen, das Inhalte fürs Fernsehen produziert.

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