Klarstellung über die Flash-Speichertechnik

Liegt die Festplatte schon auf dem Totenbett?

| Autor / Redakteur: Walter Schadhauser / Rainer Graefen

So teilt sich der Halbleiter-Speichermarkt auf.
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So teilt sich der Halbleiter-Speichermarkt auf. (Bild: Trendfocus)

Die Halbleiter-Industrie rührt bekanntlich kräftig die Werbetrommel. Kaum eine Woche vergeht, wo nicht schon der nächste Fortschritt bei der Verdichtung von Speicherkapazität und der Beschleunigung des Datenzugriffs bekannt gemacht wird. Da stellt sich die Frage nach der Notwendigkeit von Festplatten.

Eigentlich hat das seit vielen Jahren überbordende Datenwachstum viele Anwender in der Ansicht bestärkt, dass sie viel zu viel Geld in Speichersysteme stecken müssen. Die Industrie hat darauf (es kann aber auch genau andersherumg intepretiert werden) mit Software-defined Storage (SDS) reagiert und zahlreiche Angebote auf den Markt geworfen, die das Kostenproblem mit Commodity x86-Servern und viel preiswerten Festplatten aus der Welt schaffen sollten.

Mit viel Energie hat die Halbleiterspeicherindustrie dagegen gehalten und die etablierte Sichtweise des preiswerter zu werdenden Verhältnisses von Speicherkapazität und Preis schlecht gemacht. Der Maßstab der Kostensenkung müsse IOPS pro Preis sein. Unter Heranziehung von Deduplizierungs- und Komprimierungsfaktoren, Lizenzkosten und der zukünftigen Verbilligung der Halbleiterspeicher wurde dann der Nachweis angetreten, dass Festplatten viel zu teuer sind.

Fakten und Zahlen zweier Märkte

Der Erfolg der NAND-Speicher in Form von Flash und SSDs konnte so nicht ausbleiben. 34 Millionen Einheiten mit unterschiedlichsten Formfaktoren (2,5-, 3,5-, M.2-SATA und M.2-PCIe) wurden von den Herstellern im 3. Quartal 2016 ausgeliefert, berichten die Marktanalysten von Trendfocus. Insgesamt sind das knapp 14 EByte an Speicherkapazität. Multipliziert man das mit 4 Quartalen kommen erkleckliche Zahlen zusammen.

Die Auslieferungszahlen von Festplatten nach Anzahl, Umsatz und Marktanteilen im 3. Quartal 2016.
Die Auslieferungszahlen von Festplatten nach Anzahl, Umsatz und Marktanteilen im 3. Quartal 2016. (Bild: Trendfocus)

Wer allerdings meint, dass damit der Festplattenmarkt ausgetrocknet wäre, irrt. Im 3. Quartal 2016 wurden ca. 111 Millionen Festplatten ausgeliefert. Über das Jahr betrachtet sind also immer noch 450 Millionen Festplatten verkauft worden. In den Spitzenzeiten vor einigen Jahren summierte sich die Zahl auf rund 600 Millionen Stück. Doch trotz sinkender Stückzahlen dürfte sich die Speicherkapazität erhöht haben, da die theoretische Kapazität auf einige TByte pro Laufwerk gestiegen ist.

Auch wer gefühlsmäßig die SSD auf der Überholspur sieht irrt. Die Marktprognosen für 2020 besagen, dass in etwa drei Jahren die Produktion von Flash-Speichern auf 430 Exabyte gestiegen sein wird. Rechnet man das Datenwachstum hoch, soll dann allerdings schon ein Speicherbedarf von 3 Zettabyte jährlich existieren. Das ist selbst mit den massiven Investitionen der Halbleiterbranche nicht zu stemmen. Neun Zehntel dieses Bedarfs wird insofern immer noch die Festplattenindustrie liefern müssen.

Wer mehr wissen will, lese unseren Artikel aus dem Jahre 2012. An den Relationen hat sich nicht viel gändert.

Die Festplatte ist und bleibt unverzichtbar

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