Die Langzeitspeicherung ersetzt das Archiv

LTFS macht Archivare zu Aktivisten

| Redakteur: Rainer Graefen

Das amerikanische Unternehmen Crossroads zeigt mit der Appliance Strongbox, was sich mit geeigneter Zusatzhardware alles aus Bandbibliotheken herausholen lässt. Filmindustrie, Gesundheitswesen und Videoüberwachung zeigen großes Interesse an dieser Art "aktiver Archive".
Das amerikanische Unternehmen Crossroads zeigt mit der Appliance Strongbox, was sich mit geeigneter Zusatzhardware alles aus Bandbibliotheken herausholen lässt. Filmindustrie, Gesundheitswesen und Videoüberwachung zeigen großes Interesse an dieser Art "aktiver Archive". (Crossroads)

„Next Generation Storage“ hört sich futuristisch an. Da kann es eigentlich nur um Nanotechnik gehen. Hat da eine sequentielle Aufzeichnungstechnik überhaupt etwas zu suchen? Ja. Die "erneute Wiederauferstehung" des Tapes könnte sogar etwas länger dauern.

Die Argumente für Tape sind klar. Langlebige Medien, damit weniger Migrationen, niedrigere Kosten pro Terabyte als Disk und nicht zu vergessen, der Strombedarf, der jeden Vergleich mit anderen Speichermedien aushält.

Und wem das nicht reicht, der findet in der Cloud ziemlich viele Massendaten, die sich nur mit einem Tape transportieren lassen, um innerhalb kürzester Zeit eine Disaster Recovery durchführen zu können.

Das Archiv wird zum Langzeitspeicher

Wer dem Tape-Markt nur ein wenig folgt, der kommt an dem im Jahr 2010 von IBM eingeführten Longterm Filesystem, inzwischen weitgehend als Linear Tape Filesystem (LTFS) bezeichneten Aufzeichnungsformat nicht vorbei. Beim Formatieren des Bandes mit LTFS wird das LTO-Medium in zwei Partionen geteilt, die erste Partition mit etwa 100 GByte Kapazität enthält ein Dateisystem mit Dateistruktur und allen Metadaten, die zweite Partition mit 1,4 Terabyte Speichervolumen enthält die Rohdaten aller Dateien.

Das Format ist selbstbeschreibend und kann, das ist ebenfalls ein gewichtiger Aspekt, in ein Dateisystem eingebunden werden oder auch per NFS und CIFS gelesen werden. IBM beispielsweise realisiert dies mit einem passenden Treiber für sein GPFS-Dateisystem und Oracle macht ähnliches für die Oracle Enterprise Linux Server Edition 5.5 für x86-Rechner.

Modus operandi

LTFS gibt es für Standalone-Bandlaufwerke und für Bandbibliotheken. Im Library-Modus beherrscht LTFS eine Besonderheit. Es kann Daten schreiben, die größer sind als das Tape-Medium. Bislang ist das aber ein Detail, das für kaum jemand interessant ist, auch wenn Hollywood schon heute 90 Minuten Film mit mehr als vier Terabyte produziert. Vorzugsweise genutzt wird der Single Drive Modus (Standalone), da sich digitale Daten leicht in kleine Portionen teilen und miteinander verknüpfen lassen.

Ergänzendes zum Thema
 
Vor- und Nachteile von LTFS
 
Wichtige Strongbox-Parameter

Für Film- und Fernsehschaffende ist damit das LTFS-Format von großem Interesse wie die diesjährige und auch schon der vorjährige IBC (International Broadcast Convent) in Amsterdam zeigte. „In den Archiven der Rundfunkanstalten schlummern zig Kilometer analoges Material und bei den schon digitalisierten Sendungen überschreitet beispielsweise bei der BBC in London die Datenmenge inzwischen ein Zettabyte“, weiß Bernd Krieger, Geschäftsführer der Crossroads Europe.

Ein Industriestandard für Archivsysteme

Mit LTFS wird ein Grundproblem der Archivare gelöst, sie haben damit ein Format, das sich auf jedem LTO5-Laufwerk und höher lesen lässt. IBM unterstützt LTFS auf 3592 Medien für das Enterprise-Laufwerk TS1140.

Und Oracles Storagetek bietet mit einer LTFS Open Edition Support für LTO-5- wie auch die eigenen T10000C-Laufwerke, die sogar die stattliche Datenmenge von fünf Terabyte Daten nativ speichern können.

In einer Active Achive Alliance überlegt inzwischen ein größerer Teil der Branche wie man die riesigen Offline-Langzeitarchive wieder aktivieren kann. Für die Zukunft ist durch LTFS schon einmal das Migrationsproblem zwischen den LTO-Generationen gelöst.

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