Haifischbecken Software-defined Storage

Marketinggetriebene Lösung oder tatsächlich SDS?

| Autor / Redakteur: Tina Billo / Rainer Graefen

Das Angebot an SDS-Lösungen ist breit. Herauszufinden, was sich genau hinter diesen verbirgt, ist daher keine leichte Aufgabe.
Das Angebot an SDS-Lösungen ist breit. Herauszufinden, was sich genau hinter diesen verbirgt, ist daher keine leichte Aufgabe. (Bild: © vege - Fotolia)

Obwohl alle Welt von Software-defined Storage spricht, mangelt es nach wie vor an einer einheitlichen Begriffsdefinition und allgemeingültigen Industriestandards. Dies erschwert herauszufinden, inwiefern sich die von den Herstellern jeweils verfolgten Ansätze und die einzelnen Lösungen nun eigentlich unterscheiden. Ein Zuordnungsversuch sowie einige Anbieter und deren Produkte im exemplarischen Überblick.

Software-Defined Storage ist ein Paradebeispiel für das in der IT-Welt vorherrschende Muster, einen im Entstehen befindlichen und möglicherweise wachstumsstarken Markt zunächst einmal mit einem griffigen Schlagwort zu deckeln. Setzt sich dieses durch, sind die Hersteller – sowohl gängige Protagonisten als auch jede Menge Newcomer - in Windeseile dabei, auf den ins Rollen geratenen Zug aufzuspringen und den Begriff für sich zu besetzen.

Was genau aber hinter der als Verpackung für Technologien und Lösungen hergenommenen Bezeichnung Software-defined Storage steckt, ist aufgrund noch fehlender Standards höchst unterschiedlich. So reicht das Feld von althergebrachten auf SDS-getrimmten bis hin zu von Grund auf neu entworfenen Produkten. Ebenso breit ist die Palette an Unternehmen, die sich im Sammelbecken Software-defined Storage tummelt.

Hard- und Software-zentrierte Lösungen

Die Einteilung heute verfügbarer Lösungen erfolgt auf verschiedenen Grundlagen. Zu unterschieden, ob die Anbieter zum Lager der Hard- oder der Softwarehersteller zählen, ist dabei die einfachste Herangehensweise. In diesem Zusammenhang wird gerne von „Vendor-defined-“ und „Software-only“-Lösungen gesprochen.

Hardware-orientierte Anbieter

Zur ersten Kategorie gehören neben den traditionellen Storage-Größen wie Dell, EMC, HDS, HP, IBM oder Netapp ebenso Unternehmen, die ihre Arrays oder Appliances per ergänzender Software mit einer SDS-Note würzen. Beispiele hierfür sind unter anderem Tintri, Nimble Storage, Nutanix, Simplivity oder Pure Storage.

Dieser Gruppe wird häufig unterstellt, dass sie SDS lediglich als Vehikel nutzen, um ihr Hardware-Geschäft aufrechtzuerhalten und ihre oftmals in sich geschlossenen Systeme weiter zu verkaufen. Allerdings keine „reinrassigen“ SDS-Lösungen anbieten.

Software-fokussierte Unternehmen

Dem gegenüber stehen diejenigen, die sich einem ausschließlich Software-orientierten Ansatz verschrieben haben. Hierbei handelt es sich einerseits um seit vielen Jahren im Storage-Segment aktive Firmen wie Datacore, Red Hat, Falconstor oder Veritas.

Andererseits aber auch um einige jüngere Marktteilnehmer, darunter Starwind, Nexenta, Atlantis Computing, Scality oder Springpath, die ihr Angebot inzwischen teils um auf Commodity-Hardware aufsetzende Appliances erweitert haben.

Spezialisten

Hinzu kommen vielerlei Software-Schmieden, deren Produkte für spezielle Anwendungszwecke im SDS-Umfeld konzipiert sind. Diese können auf Open Source aufbauen, objekt-orientiert oder als virtuelle Appliances arbeiten, Scale-out-fähig sein sowie spezielle Backup- und Disaster-Recovery-, Datenreduktions-, Analytics- und Performance-Management-Aufgaben erledigen. In diese Abteilung fallen unter anderem Unternehmen wie Aetherstor, Caringo, Fizianz, Infinio, Permabit, Virtual Instruments, Zerto und viele weitere mehr.

Wenn die Implementierung die Zuordnung bestimmt

SDS-Lösungen in hard- und softwarezentriert zu klassifizieren, ist die eine Möglichkeit. Eine andere, die Form in der die Produkte angewandt werden, als Grundlage heranzuziehen.

So lässt sich beispielsweise eine Aufteilung in virtuelle Storage Appliances (VSAs), serverseitig implementierte virtuelle Controller, auf der Steuerungsebene betriebene speicheragnostische Software und ganzheitliche Plattformen vornehmen, die eine medienunabhängige Ablage der Daten und deren ganzheitliches, standortübergreifendes Management versprechen.

VSAs

Virtuelle Storage Appliance stellen ein breites nicht nur auf SDS beschränktes Spektrum an virtualisierten Speicherdiensten zur Verfügung. Da sie das Datenmanagement von den physischen Systemen entkoppeln und virtuellen Maschinen den gemeinsamen Zugriff auf in Speicherpools gebündelte Ressourcen einräumen, werden VSAs jedoch von einigen Herstellern als SDS vermarktet. In diese Kategorie fallen unter anderem Falconstor, HP StoreVirtual, Nexenta und Stormagic sowie vSAN von VMware.

Virtuelle Controller

Serverseitig auf physischen oder virtuellen Systemen implementierte virtualisierte Storage Controller machen sich die Verarbeitungsgeschwindigkeit von Servern anstelle der langsameren physischen Speicher-Controller zu nutze. Daher bieten sich diese Produkte vor allem dann an, wenn SDS in Umgebungen realisiert werden soll, die hohe Anforderungen an die I/O-Leistung stellen. Die Administration der virtuellen Controller lässt sich über eine zentrale Management-Konsole erledigen. Anbieter wie Gridstore oder Trinti gehören zu den Anbietern entsprechender Produkte.

Speicheragnostische Software

Für den Einsatz in heterogen aufgebauten Speicherlandschaften bieten sich SDS-Softwarelösungen an, die auf der Steuerungsebene arbeiten. Sie führen die Ressourcen der physischen Speichersysteme in einem Pool zusammen und stellen vollständig unabhängig von dem zugrunde liegenden Storage alle für das Management erforderlichen Tools sowie viele weiteren intelligenten Funktionen zur Verfügung.

Da der physische Datenpfad unverändert bestehen bleibt, lassen sich die Orchestrierungsdienste ohne große Modifizierung der Speicherinfrastruktur einführen. ViPR von EMC, die jüngst von IBM vorgestellten auf den Features des Virtual SAN Controllers beruhenden Anwendungen der Spectrum-Familie sowie die Software des SDS-Pioniers Datacore sind einige Beispiele für Produkte dieser Klasse.

Ganzheitliche Plattformen

Eine weitere Gattung sind Plattformen, die Speichersysteme verschiedener Typen standortübergreifend SDS-fähig machen. Dabei lässt sich lokal, remote oder in der Cloud betriebener Tape-, Disk- oder Flash-basierter Storage einbinden. GridBank von Tarmin steht exemplarisch für Lösungen, mit denen die Datenverarbeitung und das –management ganzheitlich organisiert werden kann und die zusätzlich eDiscovery und Analytics unterstützen.

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