Flexera „State of the Cloud Report 2022“ Microsoft Azure zieht an AWS vorbei

Die Cloud-Nutzung legt weiter zu, wenn auch weniger stark als erwartet. Der Trend zur Multi- und Hybrid-Cloud hält dabei weiter an, aber auch neue Themen wie FinOps bestimmen den Cloud-Betrieb in Unternehmen. Und erstmals ist Microsoft Azure beliebter als AWS.

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Die Cloud-Nutzung legt weiter zu, jedoch weniger stark als erwartet. Einen massiven Zuwachs verzeichnet allein der Mittelstand.
Die Cloud-Nutzung legt weiter zu, jedoch weniger stark als erwartet. Einen massiven Zuwachs verzeichnet allein der Mittelstand.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Der jährliche „State of the Cloud Report“ von Flexera, zeigt: Auch im zweiten Pandemiejahr treiben Unternehmen die Cloud-Migration voran; vor allem im Mittelstand ist die Cloud-Nutzung gewachsen. 53 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen geben bereits mehr als 1,2 Millionen US-Dollar für ihre Cloud-Instanzen aus. Im Vorjahr waren es lediglich 38 Prozent der KMUs. In den nächsten zwölf Monaten wollen KMUs insgesamt 63 Prozent der Workloads und 62 Prozent der Daten in der Public Cloud überführen beziehungsweise speichern.

Die Ausgaben sind stark von der Größe der Unternehmen abhängig. So übersteigen bei 37 % der großen Unternehmen die jährlichen Cloud-Kosten die Marke von 12 Millionen US-Dollar. 53 % der KMU geben mehr als 1,2 Millionen US-Dollar für ihre Cloud-Instanzen aus.
Die Ausgaben sind stark von der Größe der Unternehmen abhängig. So übersteigen bei 37 % der großen Unternehmen die jährlichen Cloud-Kosten die Marke von 12 Millionen US-Dollar. 53 % der KMU geben mehr als 1,2 Millionen US-Dollar für ihre Cloud-Instanzen aus.
(Bild: Flexera)

Insgesamt mehr als die Hälfte der Unternehmen (57 %) gibt pro Jahr mehr als 2,4 Millionen US-Dollar für die Public Cloud aus. Bei 8 Prozent sind es sogar mehr als 60 Millionen. Die Ausgaben sind stark von der Größe der Unternehmen abhängig. So übersteigen bei 37 Prozent der großen Unternehmen die jährlichen Cloud-Kosten die Marke von 12 Millionen US-Dollar.

Es wird also weiterhin viel Geld in die Cloud-Dienste gesteckt. 66 Prozent der befragten Führungskräfte gaben an, dass ihre Cloud-Ausgaben den eigentlich gesteckten Rahmen bereits übertreffen. Im Durchschnitt überschreiten die Ausgaben für die Public Cloud die IT-Budgets von Unternehmen um rund 13 Prozent (2021: 24 %). Waren in den ersten Jahren des Cloud Computing Kosteneinsparungen noch der Hauptgrund für die Einführung der Cloud, sehen sich die Unternehmen heutzutage sogar mit steigenden Kosten konfrontiert. Es ist aber wahrscheinlich, dass 32 Prozent der Cloud-Ausgaben unnötig sind, das heißt dass ein Großteil der monatlichen Abo-Rechnungen in eine Reihe ungeprüfter oder nicht geprüfter Dienste fließt, über die niemand wirklich Rechenschaft ablegen kann. So etwas passiert beispielsweise, wenn sich jemand in irgendeiner Abteilung vor drei Jahren für eine Cloud-Instanz angemeldet hat, um einiges auszuprobieren; die Tests sind zwar längst erledigt, und doch zahlt das Unternehmen noch immer für die Nutzung der Services.

Umso wichtiger ist heute ein relativ junger Prozess für Unternehmen geworden – FinOps oder Cloud Financial Management –, wie die Autoren des Flexera-Reports feststellen konnten. FinOps soll Unternehmen dabei helfen, den größtmöglichen geschäftlichen Nutzen aus der Cloud zu ziehen, indem Technik-, Finanz-, Technologie- und Geschäftsteams bei datengesteuerten Ausgabenentscheidungen zusammenarbeiten. Brian Adler, Senior Director, Cloud Market Strategy bei Flexera, sieht die Notwendigkeit von FinOps einhergehen mit „Initiativen rund um IT/Ops und Cloud-Kompetenzzentren, um auch langfristig die Cloud-Ausgaben im Griff zu behalten“.

Microsoft schlägt Amazon

Wie in den Vorjahren zählen Amazon Web Service (AWS), Microsoft Azure und Google Cloud Platform (GCP) zu den drei führenden Cloud-Anbietern. Allerdings gelingt es Azure (77 %) zum ersten Mal, an AWS (76 %) knapp vorbeizuziehen. Die Cloud-Computing-Plattform von Microsoft überholt AWS darüber hinaus bei der Anzahl der virtuellen Maschinen (VMs): 71 Prozent betreiben mehr als 51 VMs auf Azure, im Vergleich zu 69 Prozent bei AWS. Auch bei den Cloud-Ausgaben liegt Azure mit Unternehmen, die jährlich mindestens 1,2 Millionen US-Dollar ausgeben, bereits gleichauf mit der Amazon-Cloud-Plattform (beide 52 %).

Microsoft Azure zieht erstmals an AWS (77 % vs. 76 %) vorbei. Cloud-Anbieter wie GCP (48 %), Oracle (28 %), IBM (24 %) und Alibaba (12 %) bewegten sich auf Vorjahresniveau.
Microsoft Azure zieht erstmals an AWS (77 % vs. 76 %) vorbei. Cloud-Anbieter wie GCP (48 %), Oracle (28 %), IBM (24 %) und Alibaba (12 %) bewegten sich auf Vorjahresniveau.
(Bild: Flexera)

Azure profitiert vor allem von der höheren Akzeptanz bei Unternehmen, die die Cloud in kleinem oder moderatem Umfang nutzen. AWS hingegen findet sich eher in Unternehmen mit hoher und langjähriger Cloud-Nutzung. Es scheint, dass der Vorsprung von Amazon als erstem großen Cloud-Anbieter langsam zu schmelzen beginnt. Cloud-Anbieter wie GCP, Oracle, IBM und Alibaba bewegen sich auf Vorjahresniveau.

Weiter Trend zur Hybrid- und Multi-Cloud

80 Prozent der befragten Unternehmen setzen Public und Private Clouds parallel ein (Hybrid-Cloud). Die häufigste Kombination ist ein Mix aus mehreren Public und Private Clouds. Ganze 89 Prozent der Unternehmen setzen zudem auf eine Multi-Cloud-Strategie und greifen beim Cloud Computing auf mehr als einen Anbieter zurück (2021: 92 %).

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Die Hybrid-Cloud gehört mit 80 % zur Best Practice von Unternehmen. Die häufigste Kombination ist ein Mix aus mehreren Public und Private Clouds. 89 % der Unternehmen setzen auf eine Multi-Cloud-Strategie, greifen also auf mehr als einen Anbieter zurück (2021: 92 %).
Die Hybrid-Cloud gehört mit 80 % zur Best Practice von Unternehmen. Die häufigste Kombination ist ein Mix aus mehreren Public und Private Clouds. 89 % der Unternehmen setzen auf eine Multi-Cloud-Strategie, greifen also auf mehr als einen Anbieter zurück (2021: 92 %).
(Bild: Flexera)

Beim Cloud-Management greifen Unternehmen trotz Multi-Cloud aber am häufigsten auf die jeweiligen nativen Cloud-Tools der Anbieter zurück, wie beispielsweise AWS-CloudFormation-Vorlagen (50 %) und Azure-Resource-Manager-Vorlagen (48 %). Unabhängige Tools von Drittanbietern hingegen verlieren an Boden. So verzeichneten Terraform, Ansible, Chef, Puppet und Salt/SaltStack einen deutlichen Rückgang.

Herausforderung Cloud-Migration

Die größten Herausforderungen für Unternehmen bleiben mit 85 Prozent das Thema Sicherheit, dicht gefolgt von mangelnden Fachkräften (83 %) und dem Cloud-Ausgabenmanagement (81 %). Zu den Top-Initiativen zählen neben der Optimierung der Cloud-Kosten (59 %) die Migration von Workloads (57 %) und die Umstellung von On-Premises auf SaaS (42 %). Bei der Cloud-Migration bereiten insbesondere das Application-Dependency-Mapping (53 %), die technische Machbarkeitsprüfung (48 %) und der Kostenvergleich von Cloud- und On-Premises-Betrieb (41 %) Kopfzerbrechen.

Die Hälfte der Workloads (50 %) und der Daten (48 %) von Unternehmen findet sich in der Public Cloud. Im Laufe der nächsten zwölf Monate soll der Anteil weiter steigen, auf jeweils 56 % beziehungsweise 55 %. Das zunehmende Vertrauen in die Leistungsfähigkeit und Sicherheit der Cloud spiegelt sich auch im Umgang mit sensiblen und sicherheitskritischen Daten wider. Hier plant mehr als die Hälfte der Unternehmen, zumindest einen Teil der Kundendaten (59 %) und Finanzdaten (52 %) zukünftig in der Cloud zu speichern.

In europäischen Unternehmen ist die Cloud-Nutzung aufgrund der Pandemie etwas oder deutlich höher als geplant (65 %). Die Zahl liegt aber deutlich hinter der ursprünglichen Prognose. Bei fast einem Drittel (31 %) entsprach die Cloud-Nutzung in etwa den Erwartungen.
In europäischen Unternehmen ist die Cloud-Nutzung aufgrund der Pandemie etwas oder deutlich höher als geplant (65 %). Die Zahl liegt aber deutlich hinter der ursprünglichen Prognose. Bei fast einem Drittel (31 %) entsprach die Cloud-Nutzung in etwa den Erwartungen.
(Bild: Flexera)

Container-Tools von Docker (43 %) und Kubernetes (42 %) etablieren sich zum Mainstream. Auch Container-as-a-Service (CaaS) gewinnt weiter an Zugkraft, mit AWS Elastic Container Service (ECS) und AWS Elastic Kubernetes Service (EKS) (47 %) an der Spitze.

Angesichts dieser Herausforderungen investieren Unternehmen verstärkt in Managed Service Provider (MSPs). 57 Prozent der Unternehmen verlassen sich auf einen Partner und lagern mindestens einen Aufgabenbereich aus. Ein Viertel (26 %) überlässt das Management der Public Cloud gänzlich einem Dienstleister.

State of the Cloud Report 2022

Blickpunkt Europa

Unternehmen in Europa stehen in Sachen Cloud vor ähnlichen Herausforderungen wie ihre IT-Kollegen weltweit. Die 140 europäischen Unternehmen des Flexera State of the Cloud Reports 2022 repräsentieren etwa ein Fünftel der gesamten Umfrageteilnehmer. Mehr als die Hälfte (58 %) der europäischen Befragten nutzen die Cloud intensiv. Im Vergleich zu den globalen Zahlen (62 %) hinkt die Cloud-Adoption also noch ein wenig hinterher. 28 Prozent nutzen die Cloud im mäßigen Umfang, 14 Prozent im geringen Umfang. Es scheint, als ob in Europa die Unternehmen sich erst langsam mit der Cloud vertraut machen und mit geringeren Workloads und Anwendungen starten.

  • Unter der Annahme, dass sich die Cloud-Nutzung angetrieben von COVID-19 deutlich erhöhen würde, wurden Budgets angepasst und Migrationspläne umgestellt. Zusätzliche Kapazitäten sollten die gestiegene Online-Nachfrage auf Kundenseite befriedigen, den Remote-Work-Space ermöglichen und pandemiebedingte Schwierigkeiten bestmöglich entschärfen. Wie genau waren die Vorhersagen des Vorjahres? Zwar gaben die meisten europäischen Befragten immer noch an, dass ihre Cloud-Nutzung aufgrund der Pandemie etwas oder deutlich höher war als geplant (65 %). Die Zahl liegt aber deutlich hinter der ursprünglichen Prognose. Bei fast einem Drittel (31 %) entsprach die Cloud-Nutzung in etwa den Erwartungen.
  • Im Zuge der Einführung von Cloud-First-Strategien richten viele Unternehmen Cloud-Teams oder ein Cloud Center of Excellence (CCOE) ein. Sie wollen damit eine zentrale Anlaufstelle schaffen, um Prozesse, Tools und Best Practices unternehmensübergreifend bereitstellen zu können. Die Cloud-Experten sollen die Implementierung der Cloud beschleunigen und dringend benötigtes Know-how aufbauen. Gleichzeitig heißt es, Kosten und Risiken zu identifizieren und einen messbaren ROI der Cloud zu realisieren. In Europa verfügen noch längst nicht alle Unternehmen über eine solche zentrale Stelle. Lediglich in einem Drittel finden sich CCoEs (34 %) und/oder dedizierte Cloud-Teams (29 %). Etwas besser fahren im Vergleich die Unternehmen weltweit (jeweils 36 % und 35 %).
  • Der Weg in Cloud ist auch in Europa noch lange nicht abgeschlossen. Ganz oben auf der Agenda von CIOs stehen daher weiterhin die Verschiebung von Workloads in die Cloud (69 %) sowie die Umstellung von On-Premises auf SaaS (44 %). Darüber hinaus gilt es, laufende Cloud-Kosten zu optimieren (68 %) und die Cloud-First-Strategie im Zuge der digitalen Transformation weiter voranzutreiben (47 %).

Der Umzug in die Cloud bereitet dabei noch einige Probleme. Die Bewertung der technischen Machbarkeit (51 %) ist eine der größten Herausforderungen für europäische Unternehmen. Das Business-Service-Mapping ist komplex – insbesondere in einer sich schnell entwickelnden, oft hybriden IT-Umgebung. Daher überrascht es nicht, dass 49 Prozent der Unternehmen einen genauen Einblick über ihre Abhängigkeiten vermissen. Auch bei der Abwägung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses von On-Premises und Cloud (44 %) sowie der Auswahl der richtigen Instanz (42 %) gibt es noch Verbesserungsbedarf, um entscheiden zu können, welche IT-Assets tatsächlich in die Wolken wandern und welche am Boden bleiben.

Über den Report:
Die Umfrage des „Flexera State of the Cloud Reports“ (ehemals „Rightscale State of the Cloud Report“) erfolgte im vierten Quartal 2021. Für den zum elften Mal in Folge veröffentlichten Jahresbericht befragte Flexera insgesamt 753 Technologieexperten zur Einführung von Cloud Computing in ihren Unternehmen. Zu den Teilnehmern zählen technische Führungskräfte, Manager und IT-Fachexperten aus Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branchen, darunter Technologieservices, Software, Finanzdienstleistungen, Telekommunikation, Bildung, Regierung und Gesundheitswesen.

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