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Collaboration- und Workflow-Techniken Teil 3 Microsoft Office SharePoint Server 2007 – verteilte IT-Strukturen in Serverfarmen

| Autor / Redakteur: Frank Castro Lieberwirth / Nico Litzel

Microsoft Office SharePoint Server (MOSS) 2007 dient zur Workflow-Steuerung oder zur Veröffentlichung von Informationen auf Websites. Zur Leistungssteigerung und Redundanz lassen sich Dienste auf unterschiedliche Server ausglagern, je nachdem, welchen Verwendungszweck oder Grad der Ausfallsicherheit man erreichen möchte. Storage-Insider.de zeigt Beispiele für Intranet- und Internet-Anwendungen und gibt Tipps zur Planung und Konfiguration von Serverfarmen.

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Verteilte IT-Strukturen fördern Redundanz und Leistungsfähigkeit.
Verteilte IT-Strukturen fördern Redundanz und Leistungsfähigkeit.
( Archiv: Vogel Business Media )

Serverfarmen werden erstellt, indem man weitere SharePoint Server der Farm hinzufügt. Für den Begriff „Farm“ ist dabei maßgeblich, dass ein SharePoint-Dienst in einem „gemeinsamen Dienst“ zusammengefasst ist. Eine Farm kann nach Belieben erweitert oder verkleinert werden. Die kleinste Farm ist die Installation von SharePoint auf einem Computergerät. Zur Farm gehören auch partizipierende SQL Server, IIS-Server für Web-Anwendungen und Exchange Server. Die SQL Server hosten SharePoint-Daten, während ein Exchange Server für ausgehende E-Mails konfiguriert ist. Abbildung 1 zeigt eine abgesicherte Anwendung von SharePoint mit Network Load Balancing (NLB) für eine Internetbereitstellung, über die sich Mitarbeiter einwählen. Abbildung 2 zeigt hingegen eine einfache redundante Farm für ein Intranet.

Die SharePoint-Konfiguration lässt sich über die Zentraladministrationswebsite bewerkstelligen. Involvierte Dienste, wie Domain Name System (DNS), Komponentendienste, Internet Information Server (IIS) oder SQL Server müssen allerdings über die bisher gewohnte Art und Weise administriert werden. Gleiches gilt auch für die optionalen Server, wie ISA Server 2006, Zertifikatsdienste, Project Server oder Exchange Server. Es gibt kein zentrales Backup aller Farmserver in SharePoint. Ein Auslagern von SharePoint-Diensten auf Server sollte daher wohlüberlegt sein, denn den Vorteilen steht ein erhöhter Aufwand an Administration und Investitionen in Hard- und Software gegenüber.

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Serverfarmen können aus unterschiedlichen Windows-Serverbetriebssystemen unterschiedlicher Sprachversionen bestehen. So kann beispielsweise ein englischer SharePoint Server oder SQL Server auf einem deutschen Windows Server 2003 installiert werden. SharePoint Server 2007 ist leider nicht so tolerant: Es darf nur eine Sprachversion in einer Farm geben! Für multinationale Organisationen ist daher die englische Sprachversion zu empfehlen, um dann für die jeweiligen Sprachräume Sprachpakete zu installieren. Mit den Sprachpaketen können Teamsites und persönliche Sites der jeweiligen Sprache eingerichtet werden. Die Administrations-Website bleibt jedoch bei der ursprünglichen Sprachversion. Existieren über- und untergeordnete Farmen, so muss auf allen Farmen die gleiche Sprachversion installiert sein.

Hardware in Serverfarmen

Die Hardwarevorgaben des Herstellers sind oft als untere Grenze zu verstehen, da sie meistens sehr knapp berechnet sind. Von daher sollten keine älteren Geräte verwendet werden, es sei denn zu Testzwecken. Gerade wenn die Dateigrößen ansteigen, ist der SQL-Datenbankserver sehr belastet, was bedeutet, dass Anwender an dieser Stelle an I/O-Leistung (getrenntes RAID für Transaktionsprotokoll und Datenbank) und CPU-Leistung für die Indizierung und Suche nicht sparen sollten.

Lizenzen für MOSS

Bei Serverfarmen sind neben Lizenzen für das Betriebssystem immer Lizenzkosten für jeden SharePoint Server 2007 zu beachten. Hinzu kommen Serverlizenzen für SQL-Server und optional für Exchange Server oder ISA Server. Ein nicht unerheblicher Anteil im Budget machen Clientzugriffslizenzen (CAL) aus. Sie sind immer dann notwendig, wenn man sich auf SharePoint-Sites anmeldet. Es macht keinen Unterschied, ob man sich über das Inter- oder Intranet anmeldet. CALs gibt es entweder auf Benutzerbasis oder auf Sitzplatzbasis. Das Benutzermodell ist insofern sehr kostengünstig, da nur die tatsächlich angemeldete Benutzeranzahl berücksichtigt wird. Wird der SharePoint Server „nur“ als Internetserver verwendet, sind keine CALs notwendig.

Gemeinsame Dienste

Gemeinsame Dienste bieten die Möglichkeit, Dienste aus derselben und anderen Farmen zusammenzufassen, damit sie allen Farmen zur Verfügung stehen (siehe Abbildung 3). Gemeinsame Dienste (Shared Services) spielen ihre große Stärke aus, wenn identische Dienste oder Diensteinstellungen mehrfach verwendet werden können.

In MOSS 2007 lassen sich folgende Dienste zusammenfassen:

  • Benutzerprofile und persönliche Websites („Meine Website“),
  • Suchdienste und Alarme,
  • der Leserkreis (Benutzergruppen),
  • die Berichterstattung,
  • Exceldienste,
  • der Geschäftsdatenkatalog und
  • Microsoft Project Server.

Web-Anwendungen und Sites

Unter dem Begriff Web-Anwendung verbirgt sich eine „herkömmliche Website“, die ein SharePoint-Produkt auf einem IIS (Internet Information Server) mit .NET 3.0 installiert. Der frühere verwendete Begriff für diese Website war Portal. Unter Site versteht Microsoft neuerdings alles: Bereiche und einzelne Seiten. Jede Web-Anwendung repräsentiert demnach ein Portal mit diversen Sites (nach neuer Microsoft-Terminologie) und einem eindeutigen Domänennamen. Zu einer Web-Anwendung gehören immer ein Anwendungspool und eine Inhaltsdatenbank.

Anwendungspools

Anwendungspools dienen zur Prozessisolation, denn jede Web-Anwendung kann seinen eigenen Anwendungspool oder den einer anderen Web-Anwendung verwenden. Jeder Anwendungspool kann so konfiguriert werden, dass er unter einer verschiedenen Identität (Dienstkonto) oder Speicher läuft. Prozesse interner Websites können so von Prozessen externer Websites (Internet) isoliert werden.

Anbieter für gemeinsame Dienste (SSP)

„Anbieter für gemeinsame Dienste“ sind in MOSS 2007 ein eigenständiger Begriff und werden als SSP (Shared Services Provider) abgekürzt. SSPs fassen „gemeinsame Dienste“ zu einem Pool zusammen. Jeder SSP besitzt eine eigene Administrations-Homepage, mit eigenständigen Zugriffsberechtigungen. Zu einem SSP gehören auch immer ein Dienstkonto und SQL-Server-Datenbanken für die SSP-Konfiguration, Suche und Indizierung. Gemäß der Microsoft-Philosophie können Sie die Datenbanken auch auf unterschiedliche Server verteilen. Zur Verdeutlichung der Zusammenhänge zeigt Abbildung 4 den Aufbau von SSPs mit den Web-Anwendungen. MOSS ist jederzeit erweiterbar, indem man neue SSPs einrichtet, die wiederum neue Portale und Datenbanken besitzen.

Was bedeuten gemeinsame Dienste für die Portale?

Jedes Portal mit Team- oder anderen Sites besitzt eine eigene Datenbank, die auf einem beliebigen SQL Server liegen kann. Anwendungspools dienen zur Dienstisolation, was nicht heißen muss, dass zwangsläufig jedes Portal seinen eigenen Prozess haben muss. Unter den gemeinsamen Diensten sind die Portale zusammengefasst, die beispielsweise gemeinsame Sucheinstellungen oder Benutzergruppen besitzen.

Fazit

Office SharePoint Server 2007 ist eine Anwendung, die ihre Stärken in Rechenzentren ausspielen kann. Administratoren können Portale, Suchserver oder Datenbanken auf unterschiedliche Server verteilen, indem sie weitere Server der Farm hinzufügen. Je nach Anwendung und Ausfallsicherheit kommen hier schnell sechs oder mehr Computergeräte zusammen, die in eine bestehende IT-Infrastruktur mit Project Server, ISA Server oder Exchange Server integriert werden müssen.

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