SSD vs. HDD

No-Flash oder All-Flash – Teil 1

| Autor / Redakteur: Filipe Martins und Anna Kobylinska* / Dr. Jürgen Ehneß

Flash-Speicher punktet mit Geschwindigkeit.
Flash-Speicher punktet mit Geschwindigkeit. (Bild: ©kardd - stock.adobe.com)

Mit dem Aufkommen günstigeren Flash-Speichers haben Unternehmen die Qual der Wahl. Und stehen vor der entscheidenden Frage: Jetzt investieren – oder lieber doch noch etwas abwarten?

Nachdem die Hersteller von SSD-Speicher und -Komponenten im vergangenen Jahr ihre Lieferengpässe endlich in den Griff bekommen konnten, war der Preissturz absehbar. Daraufhin ist das Interesse an den hochperformanten Storage-Medien auch entsprechend entbrannt.

Immer mehr Storage-Entscheider in Unternehmen fassen All-Flash-Arrays ins Visier. Viele stellen sich aber die Frage, ob sich der höhere Kostenpunkt dieser noch vergleichsweise neuen Storage-Technologie bei den gegebenen Kapazitätsanforderungen bestehender Workloads bereits rechtfertigen lässt.

Die Preise dürften auch in den kommenden Monaten noch etwas weiter fallen – also gibt es vielleicht doch keinen Grund zur Eile? Für viele Anwender lautet die Frage: Lieber kaufen, oder lieber noch etwas warten?

HDDs auf dem absteigenden Ast

Der HDD-Markt zeigt trotzdem noch Lebenszeichen. Obwohl der Absatz von HDDs in Stückzahlen seit etwa zehn Jahren fällt, weist dieses Marktsegment, gemessen an der verkauften Kapazität, sogar noch ein robustes Wachstum auf und soll inzwischen die stolze 1-Zettabyte-Marke durchbrochen haben.

Viele prominente Storage-Anbieter bauen weiterhin konventionelle RAID-Arrays auf der Basis von HDDs wie auch hybride Systeme mit SSDs und Flash. Fujitsu verbaut HDDs unter anderem in Storage-Produkte der Eternus-Reihe, Dell EMC unter anderem in VMAX, Unity und SC und Hitachi Vantara in die F-Serie mit einer Garantie auf hundert Prozent Datenverfügbarkeit. Laut einer Prognose weltweiter Storage-Lieferungen von IDC vom vergangenen Jahr soll der Verkauf von HDDs, gemessen an den Kapazitäten, auf absehbare Zeit den Markt dominieren.

Prognostizierter HDD-Absatz in Stückzahlen.
Prognostizierter HDD-Absatz in Stückzahlen. (Bild: Coughlin Associates)

Datenzentrische Unternehmen schwören aber inzwischen auf die hohen IOPs von All-Flash-Arrays (alternative Kurzbezeichnung: „SSAs“ für „Solid State Arrays“). Diese Systeme versprechen rekordverdächtige I/O-Performance und latenzfreie Speicherzugriffe – siehe dazu auch den Artikel „All-Flash ändert alles. Erbarmungslos nahe: der Verzicht auf RAID-Arrays“.

Das mit den hohen IOPs hört sich alles schön und gut an, nur: Wo es auf hohe Kapazitäten ankomme, würden SSAs tendenziell doch ausscheiden, wenden nicht ohne guten Grund die Skeptiker ein. Flash-Storage-Systeme erscheinen auf den ersten Blick nun mal nicht ganz so geräumig wie althergebrachte RAID-Arrays. Wer möchte schon höhere Preise für dieselbe Nennkapazität zahlen, wenn sich das vermeiden lässt. Lässt es sich das denn vermeiden, und was kostet es, wenn es schiefgeht?

Mit dem Kostenfaktor ist es wie mit der Nennkapazität: Papier ist geduldig.

No-Flash versus All-Flash

Sicherlich können konventionelle RAID-Arrays auf der Basis magnetischer Platten gegenüber SSAs (Solid State Arrays) pro Storage-Einheit mit geringeren Kosten der erstmaligen Anschaffung punkten. Wer die Gesamtbetriebskosten (TCO) ins Visier nimmt, für den entsteht ein etwas differenzierteres Bild. Denn eine Vielzahl nicht ganz offensichtlicher Einflussgrößen kann das Kosten-Nutzen-Verhältnis im Einzelfall deutlich zugunsten von All-Flash verändern.

Prognose weltweiter Storage-Lieferungen nach Typ des Mediums in Bytes.
Prognose weltweiter Storage-Lieferungen nach Typ des Mediums in Bytes. (Bild: IDC Global Data Sphere/Seagate 2018)

Zu diesen versteckten Einflussgrößen, die sich auf die Gesamtbetriebskosten von Storage letztlich auswirken, zählen Parameter wie die folgenden:

  • Die effektiv nutzbare Gesamtkapazität: All-Flash-Systeme trumpfen mit Features wie Kompression und Deduplizierung; die effektiv nutzbare Storage-Kapazität von All-Flash-Arrays kann diejenige HDD-basierter Systeme mit identischer Nennkapazität im Einzelfall sogar um ein Mehrfaches übersteigen.
  • Möglichkeiten der Anwendungsintegration: All-Flash erlaubt die transparente Integration von Storage mit Hypervisoren und Applikationen; die Verwaltungskosten für die anwendungskonsistente Provisionierung, Sicherung und Wiederherstellung von Daten variieren aber sehr stark zwischen verschiedenen Implementierungen (auch zwischen SSAs unterschiedlicher Anbieter).
  • Höhere Energieeffizienz: Die Kosten der Energie und der Kühlung von All-Flash sollen laut einer Studie von Netapp diejenigen typischer HDD-basierter Storage-Systeme im Laufe der Gesamtlebensdauer um mehr als 70 Prozent unterschreiten.
  • Höhere Systemdichte: Der geringere Fußabdruck von All-Flash-Arrays für dieselben effektiven Storage-Kapazitäten in Kombination mit niedrigeren Energieanforderungen hat eine höhere „Volumeneffizienz“ von SSAs gegenüber HDDs zur Folge (besonders relevant bei Colocation).
  • Vorteile von Rapid-Restore: Die hohen Kosten der Datenwiederherstellung und der damit einhergehenden Service-Downtime bei HDD-basierten Systemen sowie ihre SLA-Implikationen können sonstige Kostenvorteile innerhalb weniger Stunden komplett nivellieren.
  • Geringere Lizenzkosten für Software und ein niedrigerer Bedarf an Compute-Kernen: Die höhere I/O-Performance von All-Flash-Arrays erfordert eine geringere Anzahl von CPU-Kernen für dieselbe oder höhere Anwendungsperformance. Dies führt wiederum zu erheblichen Einsparungen bei den Lizenzkosten für Software.

Abgesetzt: In Gartners „Magic Quadrant“ für Primärspeicher führen unverändert Netapp, Pure Storage, Dell EMC und HPE das Feld an.
Abgesetzt: In Gartners „Magic Quadrant“ für Primärspeicher führen unverändert Netapp, Pure Storage, Dell EMC und HPE das Feld an. (Bild: Gartner, September 2019)

Das Analystenhaus Gartner bescheinigt All-Flash-Arrays geringere Risiken bei IT-Projekten, geringere Gesamtkosten, verbesserte Softwarefunktionalität und eine transparente Integration mit Hypervisoren. Im Gartners neuestem „Magic Quadrant“ für Primärspeicher vom September 2019 führen Netapp, Pure Storage, Dell EMC und HPE das Feld an.

In Teil 2 unseres Artikels „No-Flash oder All-Flash“ stellen wir das Portfolio und die Produktstrategie der vier führenden Primärspeicherhersteller im Detail vor.

*Die Autoren: Anna Kobylinska und Filipe Pereira Martins arbeiten für McKinley Denali Inc. (USA).

Im Fokus: Flash-Storage

Lesen Sie hier die Beiträge zu unserem Schwerpunktthema Im Fokus: Flash-Storage.

No-Flash oder All-Flash – Teil 2

SSD vs. HDD

No-Flash oder All-Flash – Teil 2

25.10.19 - Festplatten oder Flash-Speicher? Die Preise für SSDs fallen, liegen aber nach wie vor über den Kosten für HDDs. Für Unternehmen sind jedoch neben den Anschaffungskosten die Gesamtbetriebskosten (TCO) entscheidend. lesen

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