Storage-Kosten reduzieren, Teil 2

Sieben alternative Lösungen zur Eindämmung des Speicherbedarfs

| Autor / Redakteur: Wolfgang Heinhaus, Wolfgang Schwab / Rainer Graefen

2010 warb die Speicherindustrie noch für das aktive Archiv bestehend aus Primärspeicher, Disk und Tape.
2010 warb die Speicherindustrie noch für das aktive Archiv bestehend aus Primärspeicher, Disk und Tape. (SNIA)

Die meisten IT-Verantwortlichen haben Wege und Möglichkeiten gefunden, einige Herausforderungen bei Datenwachstum und Datenmanagement in den Griff zu bekommen. Doch es gibt weitere Methoden, die in Kombination das Datenwachstum und die Storage-Kosten sogar senken könnten und gerne vergessen werden.

Das Datenwachstum findet heutzutage vornehmlich in der Cloud und bei den entsprechenden Providern statt. In Anwenderunternehmen wird hingegen allen Kopien der Kampf angesagt und Deduplizierung respektive Kompression ist das erste Mittel der Wahl, um möglichst viele Pointer auf ein Stückchen Daten zeigen zu lassen.

Und trotz ausgeklügelter Algorithmen gibt es noch einigen Spielraum für weitere Datenreduzierungen. Noch denken viele Storage-Experten in der Tradition einer Storage-Pyramide, die den Datenbestand nach Nutzungshäufigkeit beurteilt und auf kostengerechte Speicherlevel verschiebt. Aber schon mit EMCs Idee des aktiven Archivs stellte sich die Frage, ob das Archiv nicht nur ein großer Disk- Speicherpool sein sollte.

Der Archiv-Pointer im Speicherpool

Archivierung: Fast alle Unternehmen archivieren Daten, aber sie betrachten das nicht unbedingt als Teil ihres Modells zur Reduzierung der Speicherkosten. Doch archivierte Daten werden nicht mehr in den Produktionsdatenbanken vorgehalten. Durch effektives Archivieren kann die Größe der Produktions- und Testsysteme somit reduziert werden.

Auf 90 Prozent der Daten, die 90 Tage alt oder älter sind, wird nicht mehr zugegriffen; deshalb sollte man entsprechende Prozesse aufsetzen, um Daten kontinuierlich in Archive zu verschieben, so dass die Produktionsdatenbanken bereinigt, kleiner und leistungsfähiger werden.

Cloud Storage: Die Cloud-Storage-Anbieter mit ihren Archivierungs- und Backup- / Recovery-Lösungen sowie ihrem Angebot an zusätzlicher Kapazität bieten alternative Methoden, anhand derer man dem vorhandenen Speichermix weiteren Speicherplatz hinzufügen kann.

Ergänzendes zum Thema
 
Die Meinung der Experton Group zu Speicherbedarfsrechnungen

Es ist wichtig, die wirtschaftlichen Parameter des geplanten Cloud-Storage-Ansatzes zu betrachten. Nicht alle Methoden sind dann letztendlich kostengünstiger als vor Ort vorgehaltener Speicherplatz.

Insbesondere sind Speicherbänder für Archivierungs- und Backup- / Recovery-Zwecke ein preiswertes Medium. Deshalb muss sichergestellt sein, ob die Cloud-Lösung oder die im Unternehmen vorgehaltene Speicherbänderlösung kostengünstiger ist.

Content Addressed Storage (CAS): CAS Arrays kamen 2002 mit den Centera Storage Arrays von EMC auf den Markt. Inzwischen bieten auch andere Hersteller erweiterte CAS-Lösungen an, beispielsweise Imation/Nexsan mit Assureon und Tarmin mit Gridbank 3.0.

CAS bietet schnellen Zugriff auf fixe Inhalte (Daten, die höchstwahrscheinlich nicht mehr aktualisiert oder geändert werden, beispielsweise E-Mails), indem diesen Inhalten ein permanenter Platz auf einer Platte zugewiesen wird. Das vereinfacht den Abruf der Daten, und man muss keine redundanten Kopien vorhalten.

Golden Records: So bezeichnet die Experton Group die Nutzung einer primären Gruppe von Datenbanken, von denen sämtliche Kopien gezogen werden. Nur diese „goldenen Daten“ werden archiviert und gesichert; sekundäre Aufzeichnungen werden dagegen nach einer bestimmten Frist gelöscht. Damit wird die Zunahme an Speicherbedarf erheblich ausgebremst.

Gemeinsam genutzter Mainframe-Storage: IBM Mainframes, aktuell die zEnterprise Systeme, sind die einzigen Server, die „Shared Everything“ Storage unterstützen. Mit einem Mainframe als Datenserver braucht man also lediglich eine einzige Datenkopie, um alle Datenanfragen zu handhaben, egal auf welchem Server die Applikation sitzt.

Wie TCO-Analysen der Experton Group aufzeigen, können Mittelständler wie Großunternehmen mit dieser Methodik die Betriebskosten für solche Ökosysteme, je nach Anzahl an redundanten Produktionskopien, um bis zu 50 Prozent oder sogar noch mehr senken.

Aktualisierungs-Rate: Die technologischen Verbesserungen nehmen exponentiell zu. Vier Jahre alte Storage Arrays sind schon ziemlich veraltet und können durch viel effizientere Storage-Geräte der aktuellen Generation ersetzt werden, die zudem über zusätzliche Softwarefunktionalität verfügen.

Nach Meinung der Experton Group machen sich Aktualisierungen nach 36 bis 40 Monaten von alleine bezahlt, und es bleibt Geld für andere Investitionen übrig.

Gemeinsam genutzte Storage-Pools: Mit gemeinsam genutzten Storage-Pools können Anwender den Speicherbedarf für die Kopien zur Unterstützung der unterschiedlichen Entwicklungs- /Test- und Produktionsanforderungen senken.

Actifio bietet derzeit eine virtualisierte Pooling-Methodik an, die gemeinsam genutzte und sorgfältig gemanagte Storage-Pools anlegt und dadurch Schluss macht mit isolierten Systemen mit jeder Menge redundanter Daten.

Laut Aussage des Herstellers werden mit diesem Ansatz bis zu 70 Prozent weniger Daten verschoben, 95 Prozent weniger Daten müssen gespeichert werden, und die Gesamtbetriebskosten lassen sich um bis zu 90 Prozent senken.

Zusammenfassung

Daten und Datenspeicherung müssen ganzheitlich angegangen werden. Vor zehn Jahren hieß es, Daten gehören zu den Anwendungen. Inzwischen sind Daten ein Unternehmenswert, und Anwendungen sind den Daten zu Diensten und sollten zu den Daten kommen, wenn diese genutzt werden sollen. Es gilt, die Architekturen entsprechend anzupassen, um diesen Paradigmenwechsel unterstützen zu können.

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