Mobile-Menu

Zwischen PCIe und NVMe an der Edge Was bei der Auswahl von Speicherlösungen für Edge-Computing wirklich zählt

Ein Gastbeitrag von Axel Mehnert* 6 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Edge-Computing fordert den Speicher neu heraus: hohe Belastung, extreme Bedingungen, lange Laufzeiten. Warum Standardlösungen oft nicht ausreichen – und welche Rolle PCIe und NVMe im modernen Edge-Design spielen.

Edge Computing stellt extrem hohe Anforderungen an Speicherlösungen: Zuverlässigkeit, Energieeffizienz und Langlebigkeit sind wichtiger als maximale Bandbreite.(Bild: ©  Antonio - stock.adobe.com)
Edge Computing stellt extrem hohe Anforderungen an Speicherlösungen: Zuverlässigkeit, Energieeffizienz und Langlebigkeit sind wichtiger als maximale Bandbreite.
(Bild: © Antonio - stock.adobe.com)

Edge-Computing verändert grundlegend, wie Daten verarbeitet werden. Intelligenz wandert näher an die Quelle der Datengenerierung – und ermöglicht Entscheidungen in Echtzeit, selbst in Umgebungen, die weit entfernt von traditionellen Rechenzentren liegen. Häufig liegt der Fokus bei Edge-Systemen auf Prozessoren und KI-Beschleunigern. Dabei wird eine zentrale Komponente oft unterschätzt: der Datenspeicher.

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, worauf es bei der Auswahl von SSDs für Edge-Anwendungen wirklich ankommt, warum klassische Consumer- oder Data-Center-Lösungen oft ungeeignet sind und welche konkreten Anforderungen moderne Edge-Systeme an Speicherlösungen stellen. Zudem betrachtet er, welche Rolle PCIe und NVMe in diesem Kontext spielen – und warum sich die Ansprüche an Schnittstellen und Protokolle im Zuge wachsender Edge-Anwendungen verändern.

Edge-Speicher: vom Minimalbaustein zur Hochleistungskomponente

Noch vor wenigen Jahren dominierten einfache Mikrocontroller mit begrenztem RAM und Flash die Welt der Edge-Geräte. Heute hingegen erleben wir eine neue Generation leistungsfähiger Edge-Systeme, die direkt am Netzwerkrand Echtzeitanalysen und KI-Inferenz ermöglichen, also die Ausführung von KI-Modellen, um neue Daten lokal auszuwerten. Diese Entwicklung stellt auch neue Anforderungen an Speicherlösungen. Mit der Einführung von PCIe- und NVMe-Schnittstellen konnten wesentliche Engpässe beseitigt werden: Statt aufwendiger Bridge-Chips und komplexer Treiberarchitekturen ermöglicht NVMe einen direkten Zugriff auf den PCIe-Bus – mit Vorteilen bei Latenz, Durchsatz und Energieeffizienz. NVMe-SSDs wurden anfänglich im Datacenter- und Serverbereich eingesetzt und dominieren jetzt auch im Computing-Bereich. Im Embedded- und Edge-Computing treffen nun die höheren Geschwindigkeitsanforderungen auf ein breites Angebot an Lösungen, sodass für jede Applikation eine optimierte SSD gefunden oder konfiguriert werden kann.

Was macht PCIe so geeignet für Edge-Speicherlösungen?

PCIe (Peripheral Component Interconnect Express) ist eine serielle Hochgeschwindigkeits-Schnittstelle, die mit sogenannten Lanes arbeitet. Je nach Anforderung können 1, 2, 4 oder mehr Lanes genutzt werden, um entweder die Datenrate zu steigern oder den Stromverbrauch zu optimieren. Bereits mit PCIe 3.0 lassen sich pro Lane bis zu 1 GB/s erzielen, PCIe 4.0 verdoppelt diesen Wert, und PCIe 5.0 liefert nochmals die doppelte Bandbreite. So kann man kurzzeitig eine hohe Spitzengeschwindigkeit erreichen, aber auch den Stromverbrauch auf die Bedürfnisse der Applikation anpassen. Gerade für kompakte Edge-Systeme ist PCIe deshalb interessant. Bei begrenztem Platz und Energiebudget kann man die Lane-Konfigurationen gezielt passen. Statt x4 oder x16 (wie sie etwa in leistungsstarken Multi-GPU-Servern eingesetzt werden) kann ein Edge-Gerät mit x1 oder x2 auskommen – und spart damit Strom und PCB-Fläche.

Mehr als Geschwindigkeit: Speicher passend zur Edge-Anwendung wählen

Leistung und Haltbarkeit sind Grundvoraussetzungen. Doch Edge-Umgebungen bringen weitere Anforderungen mit sich: Begrenzte Energieversorgung, ungünstige thermische Bedingungen und knapper Bauraum sind nur einige davon. Ein Großteil der Edge-Geräte ist nicht in klimatisierten Rechenzentren verbaut, sondern in Outdoor-Gehäusen, Fahrzeugen oder Industrieanlagen. Dort entscheidet die Wahl der SSD über Stromverbrauch, Wärmeentwicklung und die Systemstabilität unter Extrembedingungen.

Mehr Performance – weniger Watt?

SATA-SSDs gelten oft als energieeffizient, doch NVMe-SSDs auf PCIe-Basis bieten bei gleicher oder besserer Leistung oft einen niedrigeren Energieverbrauch pro übertragene Byte. Gründe: der Verzicht auf AHCI-Overhead, direkter Buszugriff und die Nutzung moderner Stromsparmodi (zum Beispiel ASPM, APST, L1.2). Gerade in lüfterlosen Systemen oder bei batteriebetriebenen Edge-Geräten kann NVMe helfen, durch schnelle Datenverarbeitung die aktiven Phasen zu verkürzen – und so insgesamt Energie zu sparen.

NVMe-SSDs arbeiten effizienter als SATA-Lösungen – insbesondere bei PCIe 4.0 sinkt der Energieverbrauch pro übertragene Gigabyte deutlich. Ein wichtiger Vorteil für kompakte, energieoptimierte Edge-Systeme.(Bild:  Swissbit)
NVMe-SSDs arbeiten effizienter als SATA-Lösungen – insbesondere bei PCIe 4.0 sinkt der Energieverbrauch pro übertragene Gigabyte deutlich. Ein wichtiger Vorteil für kompakte, energieoptimierte Edge-Systeme.
(Bild: Swissbit)

NVMe-SSDs basieren heute auf Controllern, die zum Teil in unter 10 nm gefertigt werden und dadurch einen sehr geringen dynamischen Stromverbrauch aufweisen. Zudem verfügen diese Controller über ein ausgeklügeltes Power-Management und reagieren dynamisch auf extreme Wärmebedingungen, indem sie im Zweifelsfall die Geschwindigkeit leicht drosseln. So bleibt die Funktion auch unter extremen Bedingungen gewährleistet.

Die passende NAND-Technologie: Haltbarkeit zählt

Durch den Übergang von SLC- zu MLC- und TLC-NAND konnten SSDs mit großer Kapazität kostengünstiger werden. Doch nicht jeder NAND-Typ ist für Edge-Anwendungen geeignet: Hier kommt es auf Ausdauer und Datenerhalt über viele Jahre hinweg an. Technologien wie Pseudo-SLC (pSLC) nutzen Teile des TLC-Flashs in dem weitaus haltbareren SLC-Modus. Over-Provisioning stellt zusätzliche Reserveblöcke bereit und verbessert die Effizienz der Garbage Collection, also der notwendigen Aufräumarbeiten und dem damit verbundenen Overhead, der so genannten Write-Amplification. Beide Methoden erhöhen die Lebensdauer und Konsistenz – entscheidend bei Edge-Systemen, die ohne Wartung 5+ Jahre laufen müssen.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu Data-Storage und -Management

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Warum Consumer- und Enterprise-SSDs am Edge scheitern können

Consumer-SSDs setzen auf niedrige Kosten und hohe Peak-Performance – aber in kontrollierten Umgebungen. Ein Ausfall nach wenigen Jahren ist meist kein Drama, zumindest nicht für den Anbieter. Enterprise-Drives wiederum sind für skalierte Systeme mit Redundanzen gedacht und eingebettet in RAID-Architekturen. Sie sind zudem oft überdimensioniert für typische Edge-Setups und entwickeln dabei häufig eine erhebliche Abwärme, was sie ungeeignet für gekapselte Edge-Systeme ohne aktive Kühlung macht.

Edge-Systeme dagegen sind häufig autonom im Einsatz. Fällt der Speicher aus, fällt das gesamte System aus – oft ohne die Möglichkeit einfacher Wartung oder Austausch des SSD. Es braucht Speicher, der unter Hitze, Spannungsschwankungen und Vibration zuverlässig arbeitet.

Checkliste: Worauf es bei SSDs im Edge-Umfeld ankommt

  • Strom- und Wärmeeigenschaften, insbesondere bei lüfterlosen Systemen,
  • Zuverlässigkeit und Lebensdauer über weite Temperaturbereiche,
  • Schutz vor plötzlichem Stromausfall (Power-Loss Protection),
  • konsistente Performance auch nach Jahren,
  • flexible Formfaktoren: BGA, M.2, Wechsellösungen,
  • langfristige Verfügbarkeit,
  • technischer Support: Konfiguration, Firmware-Anpassung, Langzeitpflege.

NVMe & PCIe: Flexibilität und Performance für Edge-Systeme – aber kein Allheilmittel

NVMe wird oft mit Gaming oder Rechenzentren assoziiert. Dabei gewinnt das Protokoll auch im Edge-Umfeld an Relevanz – wenn auch mit anderen Zielen: Nicht immer steht maximale Bandbreite im Fokus, sondern Kompatibilität, Energieeffizienz und Zukunftssicherheit.

NVMe bietet im Vergleich zu SATA eine massiv höhere Warteschlangentiefe und Parallelität. Das ermöglicht gleichzeitige I/O-Prozesse – ein klarer Vorteil bei datenintensiven und latenzkritischen Edge-Anwendungen.(Bild:  Swissbit)
NVMe bietet im Vergleich zu SATA eine massiv höhere Warteschlangentiefe und Parallelität. Das ermöglicht gleichzeitige I/O-Prozesse – ein klarer Vorteil bei datenintensiven und latenzkritischen Edge-Anwendungen.
(Bild: Swissbit)

NVMe nutzt statt AHCI ein modernes Protokoll mit bis zu 64K parallelen Warteschlangen und jeweils 64K Befehlen. Dies erlaubt nicht nur eine höhere Performance, sondern auch konsistentere Latenzen – wichtig bei Echtzeitanalysen, wie sie am Edge häufig vorkommen. Zudem können durch Standardisierung Formfaktoren wie BGA (verlötet), M.2 (austauschbar) oder E1.S (hot-swappable) realisiert werden. Die NVMe-Firmware erlaubt dabei weitreichende Anpassungen für Strom- und Thermalmanagement.

Warum Firmware oft den Unterschied bedeutet

Während eine Standardkonfiguration bei 70 °C drosselt, erlaubt eine angepasste Firmware späteres Throttling oder gezielte Leistungsprofile – ein Vorteil für temperaturkritische Edge-Designs.(Bild:  Swissbit)
Während eine Standardkonfiguration bei 70 °C drosselt, erlaubt eine angepasste Firmware späteres Throttling oder gezielte Leistungsprofile – ein Vorteil für temperaturkritische Edge-Designs.
(Bild: Swissbit)

Beispiel: SSDs können bei Erreichen von 70 °C gezielt heruntertakten oder in Stromsparzustände wechseln. Bei Bedarf lässt sich dieses Verhalten per Firmware anpassen. Auch Temperaturschwellen, SMART-Parameter und Logging-Funktionen können optimiert werden.

Speicherauswahl entscheidet über Erfolg im Edge-Computing

Edge-Computing stellt völlig neue Anforderungen an Speicherlösungen. Es geht nicht um Benchmark-Rekorde, sondern um Zuverlässigkeit, Langzeitverfügbarkeit und Robustheit – selbst unter extremen Umweltbedingungen und ohne Vor-Ort-Betreuung. Wer seine Systeme an der Edge erfolgreich betreiben will, braucht ein tiefes Verständnis für die jeweiligen Workloads, Einsatzorte und Lebenszyklen – und einen Partner, der all diese Anforderungen versteht und abdecken kann.

Denn: Wer beim Speicher alles richtig macht, erhöht die Zuverlässigkeit und Lebensdauer seines Edge-Systems erheblich – und damit auch den Gesamterfolg des Projekts.

*Axel Mehnert, Senior Product Manager, Swissbit
Axel Mehnert ist Senior Product Manager für Speicherlösungen bei Swissbit. Mit über zwanzig Jahren Erfahrung im Produktmanagement von Mikrocontrollern, SSDs und NAND-Speicherlösungen verantwortet er bei Swissbit die Definition, Entwicklung, Vermarktung und das Lifecycle Management hochzuverlässiger Speicherprodukte – mit besonderem Fokus auf NVMe-Lösungen.

Bildquelle: Swissbit

Aktuelles eBook

Speichern am Netzwerkrand: Edge-Storage

eBook Edge-Storage
eBook „Edge-Storage“
(Bild: Storage-Insider)

Speicherkapazitäten am Netzwerkrand werden immer häufiger genutzt, denn die Zahl der Geräte, die am Edge eingesetzt werden, vervielfacht sich. Ein Edge-Storage kann dabei vielfältig verwendet werden.

Die Themen im Überblick:

  • Einsatzbereiche: Der Netzwerkrand ist (fast) überall
  • Technologien bei der Edge-Storage-Nutzung
  • Lösungen, Produkte und Kostenaspekte von Edge-Storage

(ID:50520541)