Notfallschutz für virtuelle Server und Anwendungen

Wenn ein Backup nicht mehr reicht

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Die Anzahl der täglichen Backups lässt sich auch nicht beliebig erhöhen. Je kleiner der gewünschte RPO, desto größer der Bedarf an einer Replikationslösung. Mit einer Replikation sollen identische Kopien erzeugt werden – in der Regel an einem anderen Standort – ohne den Betrieb am primären Standort zu beeinträchtigen. Die Aufgabe einer Disaster-Recovery-Lösung ist es, mithilfe der replizierten Daten wichtige Anwendungen auf den Ersatzsystemen möglichst schnell und ohne Datenverlust zu aktivieren (Failover) und den Normalbetrieb der Produktivsysteme wiederherzustellen (Failback).

Das virtuelle Backup-Rechenzentrum in der Cloud

Die größte Flexibilität bieten Hypervisor-basierte Replikationslösungen. Sie sind Storage-agnostisch, das heißt, am Produktiv- und Recovery-Standort können unterschiedliche Speichersysteme beliebiger Hersteller verwendet werden. In der Regel müssen auch keine Agenten auf dem Server installiert werden. Je nach eingesetzter Virtualisierungssoftware können Unternehmen zwischen den hauseigenen Produkten des Herstellers und diversen Lösungen von Drittanbietern wählen.

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Unternehmen mit VMware-vSphere-Infrastrukturen steht beispielsweise der vCenter Site Recovery Manager (SRM) zur Verfügung. Die Replikationslösung des Herstellers, vSphere Replication, ist bereits im Lieferumfang der meisten Lizenzen enthalten. Voraussetzung für den Einsatz des Recovery Managers ist allerdings eine vollwertige vSphere-Infrastruktur an einem zweiten Standort, der somit als „Hot Site“ Backup-Standort fungiert.

Backup-Ressourcen in der Cloud sind wesentlich preiswerter

Den meisten Unternehmen, die nicht über den Luxus von zwei Rechenzentren verfügen, blieb in der Vergangenheit nur die Option, für viel Geld ein Backup-Rechenzentrum zu mieten oder eben zu hoffen, dass nichts passiert. Heute können sie mit den Produkten von Spezialanbietern und gemieteten Backup-Ressourcen in der Cloud wesentlich preiswerter eine für sie passende Disaster-Recovery-Lösung realisieren. So bieten die bereits erwähnten Hersteller Veeam und PHD Virtual Kombinationsprodukte für Backup und Replikation.

Ergänzend zum lokalen oder Cloud-Backup können identische Kopien ausgewählter virtueller Maschinen in der Cloud oder einem anderen Standort gespeichert und fortlaufend aktualisiert werden. Eine kontinuierliche Replikation reduziert nicht nur den Datenverlust im Notfall, die Replicas befinden sich auch in einem sofort startfähigen Zustand. Sofern eine sichere und vorkonfigurierte Netzwerkinfrastruktur vorhanden ist, kann bei Bedarf auf die Ersatzsysteme in der Cloud „umgeschaltet“ werden, bis das primäre Rechenzentrum wieder betriebsbereit ist.

So bietet zum Beispiel der Hersteller Zerto mit seinem Produkt „Virtual Replication“ eine vollwertige Disaster-Recovery-Lösung für VMware-Infrastrukturen, die direkt in den vCenter Server integriert wird. Das hat den Vorteil, dass der Kunde sämtliche Prozesse selbst steuern kann, auch wenn die Replikation zu einem Cloud Provider erfolgt. Er kann Replikationen starten und stoppen, hat jederzeit RPO und RTO im Blick und er kann das Failover selbst auslösen oder testen.

RPOs im Sekundenbereich

Die kontinuierliche Replikation arbeitet fast in Echtzeit und ermöglicht so RPOs im Sekundenbereich. Dabei kommt die Software komplett ohne Snapshots aus und beeinträchtigt deshalb auch nicht die Performance der Anwendungen. Da Zerto Virtual Replication auch den VMware vCloud Director unterstützt, kann der Service mit einem Virtual Data Center bei einem vCloud Provider kombiniert werden. Damit steht dem Kunden ein fertig konfiguriertes Ersatz-Rechenzentrum zur Verfügung, das auch die Sicherheitsanforderungen einer Produktivumgebung erfüllt. Im Notfall sind die Ersatzsysteme in kürzester Zeit betriebsbereit, ohne dass erst stundenlang Netzwerkkonfigurationen geändert oder Backups eingespielt werden müssen.

Um noch ein letztes Mal zu unserem Vergleich zurückzukehren: Ein Backup-Rechenzentrum ist wie eine Ersatzwohnung mit identischer Ausstattung, in der alles Wichtige noch einmal als Kopie vorhanden ist. Im Gegensatz zu einer Wohnung ist ein virtuelles Datacenter aber wesentlich platzsparender, weil ein Teil der Ressourcen erst bei Bedarf vollständig aktiviert wird.

Die meisten Replikationsprodukte bieten auch eine sogenannte „Seeding-Funktion“, das heißt, größere Maschinen können auf physische Speichermedien kopiert und zum Cloud Provider geschickt werden. Dann muss nur noch das Delta über das Internet synchronisiert werden. Nicht ganz unwichtig ist auch die Option, eine bestimmte Anzahl Wiederherstellungspunkte speichern zu können, denn manchmal lässt sich ein System mit dem zuletzt replizierten Stand nicht fehlerfrei starten.

Tests und Simulationen

Das Wichtigste beim Sichern und Replizieren der Daten ist aber deren Wiederherstellung. Genauso wie man regelmäßig seine Backups testen sollte, braucht man auch für das Disaster Recovery eine Möglichkeit, den Ernstfall und das Failover simulieren und testen zu können. Ohne regelmäßige Tests ist man sonst trotz aller Investitionen schnell wieder beim Prinzip Hoffnung. Eine ausführlichere Beschreibung von fünf Disaster-Recovery-Produkten für VMware finden Sie in einem Beitrag im Dunkel Blog.

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