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Gefahren von Big Data, der Digitalisierung und Industrie 4.0, Teil 2 Wie erkennt man einen guten oder schlechten Charakter?

| Autor / Redakteur: Joachim Jakobs / Rainer Graefen

Der vorangegangene Teil dieser Artikelserie hat sich bereits mit der Sprache als Werkzeug zur Übermittlung von Informationen beschäftigt. In diesem Beitrag geht es um die Sprache und Ausdrucksweise eines Menschen als Rahmenstruktur für Anwenderprofile.

Geht es nach LG, hören Küchengeräte und Unterhaltungselektronik künftig auf den „HomeChat“.
Geht es nach LG, hören Küchengeräte und Unterhaltungselektronik künftig auf den „HomeChat“.
(Bild: LG)

Die Wissenschaftler Yla R. Tausczik und James W. Pennebaker sind der Ansicht, die Sprache sei der geläufigste und vertrauenswürdigste Weg, um Gedanken und Emotionen zu übersetzen, die andere verstehen könnten: „Worte und Sprache sind der besondere Stoff der Psychologie und der Kommunikation.“

In einer US-Studie wurden Facebook-Statusmeldungen untersucht. Es zeigte sich, dass sich das Geschlecht mit einer Wahrscheinlichkeit von 92 Prozent vorhersagen lässt – nur anhand dieser Meldungen.

Wortwahl und Persönlichkeitsmerkmale

Genauso ist das Alter mit einer Genauigkeit von drei Jahren in über der Hälfte der Fälle zu bestimmen und: Die Forscher glauben, dass es einen Zusammenhang zwischen Worten und Persönlichkeitsmerkmalen gibt.

Die häufige Verwendung von Worten wie „Snowboarden“, „Basketball“ oder „Meeting“ scheinen darauf hinzudeuten, dass die Urheber emotional weniger labil sind. So besteht die Hoffnung, dass Studien künftig wesentlich leichter mithilfe der „sozialen“ Netze unternommen werden können.

Die emotionale Labilität wird von Psychologen auch als Neurotizismus bezeichnet. Dieser wiederum bildet mit der Extraversion (der nach außen gewandten Persönlichkeit), der Verträglichkeit (im Umgang mit Anderen), der Offenheit (gegenüber Neuem) und der Gewissenhaftigkeit (bei der Arbeit) das Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeitseigenschaften.

Automatische Persönlichkeitserkennung

Ob das im Einzelfall immer stimmt, kann jeder selbst ausprobieren – François Mairesse hat eine Demo-Anwendung für eine „Automatische Persönlichkeitserkennung“ ins Netz gestellt: Nachdem der Text eingegeben, die statistische Methode ausgewählt und deklariert wurde, ob es sich bei dem Text um abgetippte Sprache oder einen ursprünglichen Schrifttext handelt, kann unterschieden werden zwischen „Mails“, „Essays/Berichten“, „Chat-Protokollen“ und „Gedanken“, um dann schließlich „berechnen“ zu drücken. Das System beherrscht jedoch nur Englisch.

Je menschlicher wir daherkommen, desto detaillierter ist der Blick in unsere Persönlichkeit: Sprache ist Text überlegen. Die Sprachwissenschaftler bezeichnen mit der „Prosodie“ die Gesamtheit derjenigen lautlichen Eigenschaften der Sprache, die nicht an den Laut als minimales Segment, sondern an umfassendere lautliche Einheiten gebunden sind. Dazu gehören auch Wort- und Satzakzent, Intonation, Satzmelodie, Tempo, Rhythmus und die Pausen beim Sprechen.

Eine Studie italienischer und britischer Forscher will herausgefunden haben, dass sich Menschen anhand ihrer Stimme mit einer Genauigkeit von 80 Prozent automatisch nach dem Grad ihrer Persönlichkeitsmerkmale sortieren lassen [PDF]. Heerscharen von Wissenschaftlern beschäftigen sich mit Themen wie den „Sprachverstehenssystemen“.

Die Macht der Bilder

Hinzu kommt die Macht der Bilder – US-Behörden haben im Rahmen eines Sicherheitsprogramms namens „Janus“ erkannt, wie vielfältig unser Gesichtsausdruck ist: Die Menschen „lachen, lächeln, schauen böse, gähnen und ändern ihren Gesichtsausdruck bei ihren täglichen Aktivitäten“. Weiter heißt es: „Jeder Gesichtsausdruck ist von einmaligen Merkmalen des Skeletts und seiner Muskulatur bestimmt und ähnelt sich im Lebensverlauf.“

Zudem entscheidet die Stimme unserer Gesprächspartner auch darüber, ob wir positive oder negative Gefühle zu anderen entwickeln oder womöglich gar eine Partnerschaft eingehen. Mit unserer Kommunikation präsentieren wir unsere Persönlichkeit. Dazu gehören neben der Sprache und der Mimik auch noch Gestik, Haltung und Gang. Es geht um alles, was so bewusst und unterbewusst in uns vor sich geht.

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