Längst vorbei sind die Zeiten, in denen IT-Verantwortliche ihren jährlichen Speicherbedarf einigermaßen planen konnten – mit etwas Manövriermasse. Die Technologieauswahl war überschaubar. Ganz anders heute: Von Flash bis Cloud existiert ein breites Angebot, selbst das totgesagte Tape erlebt in Zeiten von Ransomware ein Revival. Worauf sollen Organisationen in Sachen Speicher also setzen? Dabei sollte zuerst die übergeordnete Frage beantwortet werden: Wie wollen Organisationen ihre Daten in Zukunft besser nutzen und schützen?
Wachstum, Wertigkeit, Schutz und Verfügbarkeit von Daten lauten die vier zentralen Herausforderungen, vor denen Organisationen stehen. Sie müssen sich auf ein riesiges Datenwachstum in relativ kurzer Zeit einstellen: Während sich 2019 die globalen Datenbestände auf etwa 40 Zettabyte beliefen, sollen sie bis 2025 auf 175 Zettabyte anwachsen, schätzt IDC. Gleichzeitig steigt der Wert dieser Daten: Sie sind das Öl des 21. Jahrhunderts, das ist mittlerweile schon ein Allgemeinplatz.
Das erfordert Transparenz: Wo werden wichtige Daten erzeugt, wo sind personenbezogene Daten gespeichert, wer kann darauf zugreifen, wie (häufig) werden sie genutzt und vieles mehr. Das ist auch wichtig für die Einhaltung interner wie externer Compliance-Auflagen und Datenschutzrichtlinien. Ganz zu schweigen von der digitalen Bedrohungslage, die ungeahnte Ausmaße annehmen kann – ein Beispiel: Nach einem Virusangriff im September 2019 durfte das Berliner Kammergericht nach gut fünf (!) Monaten Ende Februar 2020 wieder online gehen.
Womit wir beim Thema Verfügbarkeit wären: 100 Prozent erwarten die Anwender, also den unterbrechungsfreien Zugriff auf alle Daten und Anwendungen, rund um die Uhr und überall. Ist das realistisch? IT-Entscheider gaben in einer Veeam-Umfrage 2019 an, dass maximal zwei Stunden Ausfallzeit geschäftskritischer Anwendungen tolerierbar seien. Dieses Zeitfenster wird weiter schrumpfen, denn das Geschäft stellt hohe Erwartungen an die IT. Entsprechend werden Toleranzen und Zeitverzögerungen bei Ausfällen oder Betriebsunterbrechungen in Service Level Agreements (SLAs) 2020 stark nach unten korrigiert.
Daten geben den Takt vor
Immer mehr Geschäftsprozesse sind durchgängig digitalisiert und laufen über mehrere Betriebsplattformen, von Edge über das Rechenzentrum bis in die Cloud. Das stellt sehr hohe und diverse Anforderungen an Datensicherung und Datenmanagement: Daten müssen jederzeit mobil, verfügbar und verknüpfbar sein. Laut den Analysten von Forrester wird 2020 ein Schlüsseljahr für die Datenstrategie. Entsprechend prognostizieren sie in ihren „Forrester Predictions 2020“ einen deutlichen Anstieg der Investitionen in Datenspeicher und Datenmanagement. Je nach Strategie müssten Organisationen ihre entsprechenden Budgets mindestens verdoppeln, wenn nicht verdreifachen.
Doch die rasanten Zuwächse bei externen Speichersystemen blieben 2019 aus. Laut IDC schrumpfte der Umsatz mit Unternehmen im vierten Quartal 2019 gegenüber dem Vorjahr sogar leicht. Gleichzeitig stieg jedoch der Umsatz mit großen Cloud-Providern, und auch hyperkonvergente Systeme sind auf dem Vormarsch. An erster Stelle steht auch weniger die Frage nach der passenden Speichertechnologie, sondern vielmehr eine Managementstrategie zu implementieren, die einen sicheren Zugriff auf Daten und Services erlaubt, in Echtzeit und von jedem Standort aus – und dabei ein Gleichgewicht zwischen Datenschutz und Datenverfügbarkeit zu erreichen.
Cloud-Datenmanagement verbessert Datenmobilität und -portabilität
Immer mehr Unternehmen erkennen die Bedeutung von Datenmanagement, denn es hilft ihnen, dieses Gleichgewicht über Betriebsplattformen hinweg sicherzustellen. Laut einer Veeam-Umfrage sehen drei Viertel der IT-Verantwortlichen weltweit in Cloud-Datenmanagement die Basis für eine intelligentere Organisation. Setzen Organisationen ihr Datenmanagement Software-definiert und damit Hardware-unabhängig um, bewahren sie sich die Flexibilität, zu jeder Zeit die bedarfsgerechte Speichertechnologie einzusetzen, Dienstleister einzubinden und sich Entwicklungspfade offen zu halten.
Zuverlässiger Datenschutz, Datensicherheit und Datenmanagement in hybriden Infrastrukturen erfordern ein ausgeklügeltes Zusammenspiel zwischen Backup, Replikation und Disaster Recovery. Cloud-Datenmanagement führt diese Disziplinen über alle Betriebsplattformen und den gesamten Lebenszyklus von Daten hinweg zusammen.
Backup ist auch weiterhin die Ausgangsbasis für zuverlässigen Datenschutz, und moderne Lösungen überzeugen durch Bedienungskomfort, Flexibilität, Skalierbarkeit und Zuverlässigkeit. Umfangreiche Verbesserungen, etwa bei der Übertragung, Speicherung und Automatisierung haben Backups beschleunigt, und laut einer Veeam-Umfrage sichern und replizieren bereits heute fast ein Drittel (29 %) der Unternehmen ihre geschäftskritischen Anwendungen kontinuierlich.
Gerade im Interesse der Business Continuity sollten Organisationen jetzt verstärkt veraltete Backup-Produkte ablösen: Moderne Anwendungen erfordern eine moderne Absicherung. So komplex hybride IT-Infrastrukturen sind, bieten sie doch für plattformübergreifendes Datenmanagement eine Chance: Daten auf unterschiedlichen Betriebsplattformen gegeneinander abzusichern, also beispielsweise Daten aus SaaS-Anwendungen On-Premises zu speichern und die Cloud ebenso für schnelles Failover wie auch Langzeitspeicher einzusetzen.
Stand: 08.12.2025
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Die Cloud als das neue Tape?
Immer mehr Unternehmen integrieren Private- und Public-Cloud-Plattformen in ihre IT-Strategie und -Infrastruktur. Auch wenn sich in Sachen Public Cloud und Kosteneinsparungen etwas Ernüchterung breitgemacht hat, ergeben sich für die Datensicherung sowie als Failover- oder Failback-Lösung interessante und schnelle Automatisierungsmöglichkeiten: So können bei Ausfällen Workloads vordefiniert zwischen On-Premises- und Cloud-Plattformen migriert, verschoben oder wiederhergestellt werden, um so Verfügbarkeit zu gewährleisten.
Zudem eignet sich die Public Cloud als Langzeitdatenarchiv. Zusätzliche Sicherheit vor internen wie externen Bedrohungen bietet zum Beispiel auch der S3 Object Lock von AWS: So können Backup-Daten vor versehentlichem oder absichtlichem Löschen oder Verändern geschützt werden. Damit avanciert Cloud-Sicherung im Rahmen der 3-2-1 Regel auch zu einer interessanten Alternative zum Tape, gerade wenn ganz unterschiedliche Standorte abgesichert werden müssen und die Cloud ihre Mobilität als Stärke ausspielen kann. Die Variationsmöglichkeiten sind vielfältig und lassen sich – regelbasiert oder ereignisgesteuert – orchestrieren und automatisieren.
Die 3-2-1-Regel für Datensicherungen lautet: 3 Datenkopien auf 2 unterschiedlichen Medien und 1 Kopie extern aufbewahren.
Jetzt zählt schnelle Wiederherstellung
2020 wird sich der Fokus von Backup auf die Wiederherstellung verlagern. Immer mehr Daten werden als geschäftskritisch eingestuft, somit sind Daten- und Zeitverluste nicht hinnehmbar. Daten müssen zu 100 Prozent und innerhalb von Minuten wiederherstellbar sein. Auch hierfür bietet Software-basiertes Datenmanagement zahlreiche Automatisierungs- und Self-Service-Funktionen für User, die Anwendungsverfügbarkeit herstellen.
Die Unmengen gesicherten Volumens müssen auch nicht „nutzlos“ – außer für den Notfall – gespeichert werden. Das Stichwort lautet hier „Data Re-use“: Sicherungsdaten werden in Zukunft vermehrt für Forschungs-, Entwicklungs- und Testzwecke eingesetzt. Von IT-Forensik bis hin zur Anwendungsentwicklung verbessert das Entscheidungs- und Entwicklungsprozesse.
Blockchain als Denkansatz für die Zukunft
Denken wir über 2020 hinaus, könnte Blockchain auch eine Technologie für Datenspeicherung sein. Heute kategorisieren wir Datenspeicher nach On-Premises, Cloud oder Ressourcen in einem Colocation-Rechenzentrum. Mit der Blockchain wird es möglich, sichere, dezentrale Speicher zu schaffen – auf einer Art Speichermarktplatz. Der könnte ähnlich aussehen wie der Energiemarkt: Ein gemeinsames Speichernetz mit Anbietern und Verbrauchern, alles von Blockchain gestützt.
Thomas Sandner, Director Technical Sales CEMEA, Veeam Software.
(Bild: Alexey Testov)
Unternehmen mit überschüssigen Kapazitäten treten als Anbieter für solche mit Bedarf nach lokalem Speicher auf. Wenn diese Anbieter ihre Überschüsse doch benötigen, stellt die Blockchain einen nahtlosen Übergang der Kundendaten an einen passenden Speicherort sicher, auf der Basis von Regeln wie Leistung, Richtlinien und Service Level Agreements – ein neues, verteiltes Modell für die Datenspeicherung.
*Der Autor: Thomas Sandner, Director Technical Sales CEMEA, Veeam Software