Homogene Hitachi-speicherlandschaft

Alles aus einem Guss bei Villeroy & Boch

12.01.2007 | Autor / Redakteur: Rainer Graefen / Rainer Graefen

Ein Storage-Mietkauf-Konzept sowie die Leistungsfähigkeit von Mensch und Maschine bei Hitachi Data Systems hat die IT-Leitung bei Villeroy & Boch zum Herstellerwechsel bewogen. Ab sofort werden Online-, E-Mail- und Archivierungsdaten des Unternehmens in einer homogenen Speicherlandschaft verwaltet. TagmaStore Universal Storage Platform (USP100) und Thunder 9570V Systeme sowie die Softwarelösungen HiCommand Storage Services Manager (HSSM) und Hitachi Data Retention Utility (DRU) bilden die Eckpfeiler der hochverfügbar ausgelegten und zentral zu managenden Infrastruktur, die auch die Archivierung mit einschließt.

„Deutschland liegt in fast allen internationalen Innovations-Ranglisten weit zurück“, behaupten Politiker und Wirtschaftssachverständige. Kein Wunder also, dass laut nach rettenden Ideen gerufen wird. Bei Villeroy & Boch hat man diese Aufforderung nicht gebraucht. Hier gehören innovative Ideen schon seit der Firmengründung vor 257 Jahren zur Unternehmensphilosophie. Im Jahr 2005 erhielt Villeroy & Boch für Design und Produktionstechnik der Tasse NewWave den Innovationspreis der deutschen Wirtschaft. Diese Auszeichnung ist die Bestätigung für eine Unternehmensstrategie, die Innovationskräfte in allen Unternehmensbereichen verankert und in einem integralen Innovationsmanagement bündelt. Ziel ist es, einen Markt- und Wettbewerbsvorsprung durch neue, verbrauchernahe Produkte und Konzepte zu gewinnen. Ohne die Unterstützung durch eine leistungsfähige Informationstechnik lassen sich solche Innovationen jedoch nicht in klingende Münze verwandeln.

Der lange Weg zum zentralisierten Rechenzentrum

Die weltweite Expansion der Marke Villeroy & Boch (V&B) ging einher mit der Zentralisierung von etwa zwanzig weltweit installierten Rechenzentren am Hauptsitz des Unternehmens in Mettlach. Beinahe wäre es allerdings ganz anders gekommen. Eine Unternehmensberatung ermittelte im Jahr 1996, dass nur ein externer Dienstleister fähig sei, den Wechsel vom Mainframe auf offene Systemwelten zu vollziehen. Das Unternehmen schenkte jedoch aus verschiedensten Gründen der eigenen Informatik das Vertrauen. Dieser Bereich – heute unter der Leitung von Thomas Ochs, CIO und Bereichsleiter der Zentralen Informatik – nahm die Herausforderung an und versprach innerhalb weniger Jahre eine wettbewerbsfähige Unternehmens-IT aufzubauen.

Etwa vier Jahre brauchten die Teams der Informatik, um die betriebswirtschaftliche Standardsoftware von SAP R/2 auf R/3 zu migrieren und eigene Softwareentwicklungen abzulösen. Fast alle Datenbestände, Mail-Ressourcen und teilweise auch die File-/Print-Services wurden in diesen Jahren in Mettlach konzentriert. Später wurde die weltweite Kommunikationstechnik von Frame Relay auf MPLS (Multi Protocol Label Switching) umgestellt und die zahlreichen, aber nicht mehr ganz zeitgemäßen Unix-Rechner auf leistungsfähigen Itanium-Servern von Hewlett-Packard konsolidiert. Eine der letzten größeren Maßnahmen bei der Rechenzentrums-Konsolidierung war die Migration von annähernd 20 TByte Daten im Jahr 2005 auf leistungsfähige Speichersysteme von Hitachi Data Systems.

Vendor Lock-In durchkreuzt

„Das Altsystem war nach fünfjährigem Einsatz weder State-of-the-Art, noch leistungsfähig genug, die Lese- und Schreibanforderungen unserer modernen Itanium-Server und der darauf laufenden SAP-Systeme ohne Verzögerungen bedienen zu können“, schildert Bernhard Schneider, verantwortlich für den konzernweiten IT-Betrieb, die Ausgangslage für die notwendige Systemablösung.

Die Neuanschaffung schien auf den ersten Blick nur eine Formsache, da Villeroy & Boch schon seit zehn Jahren mit dem Lieferanten der Altsysteme zusammenarbeitete. Dieser spekulierte jedoch, dass man bei V&B den Wechsel der Speicherplattform mit allen daran hängenden Migrationsproblemen scheuen würde. Eine Fehleinschätzung, da sich Schneider als erfahrener IT-Manager nicht unter Druck setzen ließ.

Konzentration auf qualifiziertes Team

Zusammen mit seinem fachlich hochqualifizierten Team stellte er sich auch dieser Herausforderung. In seinem Verantwortungsbereich betreibt Schneider mit seiner Mannschaft fast alle Serversysteme in einem SAN (Storage Area Network) – Umfeld für den Konzern. So verwaltet er zusammen mit vier Mitarbeitern alle Server- und Speichersysteme für die gesamte SAP R/3-Infrastruktur sowie die Mail- und File-/ Print-Services.

Neun weitere Mitarbeiter sind unter seiner Leitung im Helpdesk-Service für ca. 2.000 Computer-Arbeitsplätze zuständig. Drei weitere Mitarbeiter steuern das gesamte Netzwerk von V&B. Abgerundet wird das Portfolio durch die Betreuung der SAP R/3 Basis-Administration inklusive der Services Archivierung, Fax, EDI (Electronic Data Interchange) und Batchverarbeitung.

Wirtschaftlich durch hohe Verfügbarkeit

In der folgenden Marktanalyse schieden zwei weitere von insgesamt 4 Speicherherstellern aus. Der Erste hatte zwar ein Produkt, es fehlten aber Referenzkunden und Marktverbreitung. Der Zweite war nur OEM von Hitachi Data Systems, dem Speicherhersteller, dessen Produkte Schneider schon lange interessierten.

Eine Teststellung ergab rasch, dass die SAP-Server dank der hohen Performance der Speichersysteme von Hitachi Data Systems wesentlich bessere Antwortzeiten lieferten. Auch die Begutachtung der Skalierfähigkeit der Systeme verlief zufriedenstellend, da sie das Datenwachstum bei V&B in den nächsten drei bis vier Jahren problemlos bewältigen können.

Investitionsschutz durch Virtualisierung

Über die Virtualisierungsplattform TagmaStore USP wäre es zudem in einigen Jahren möglich, die gegenwärtig eingesetzten Systeme in virtualisierter Form weiter zu betreiben, indem die älteren Systeme an die USP angeschlossen würden. Ein weiteres Entscheidungskriterium für die Wahl von Hitachi Data Systems war der technologische Vorsprung.

Bei der technologischen Qualifizierung waren letztlich die guten Referenzen bezüglich der Systemverfügbarkeit mit ausschlaggebend. Schneider: „Jeder Prozentpunkt hinter dem Komma hat entscheidende Auswirkungen auf unsere Wirtschaftlichkeit. Wenn die Verfügbarkeit unserer Infrastruktur nur von 99,9 % auf 99,8 % sinken würde, dann wären auch größere Einsparungen beim Einkauf in null Komma nichts

aufgezehrt.“

Verfügbarkeit ist eine Pyramide

Nicht ganz so einfach war es für Hitachi Data Systems nachzuweisen, dass sich die langjährig bewährte Verfügbarkeitspyramide von Villeroy & Boch auch mit den neuen Speichersystemen abbilden lasse. CIO Ochs stellt seinen „internen Kunden“, den vier Geschäftsbereichen, vier leistungsbezogene Service Levels der Daten und Anwendungsverfügbarkeit bereit.

Ochs: „Das abgestufte Modell ermöglicht uns, die unterschiedlichen Bedürfnisse an Datensicherheit, Verfügbarkeit der Geschäftsprozesse und optimierter Downtime kostengerecht abzudecken.“ So sind Cluster-Server und Storage auf die beiden Rechenzentren verteilt. Um die Kosten, die die IT den einzelnen Geschäftsbereichen in Rechnung stellt, für den höchsten Service Level möglichst niedrig zu halten, werden beide Rechenzentren aktiv genutzt.

Ein gewachsenen Servicekonzept weiterentwickeln

Die Datensicherung erfolgt jeweils im anderen Standort, so dass auch im Katastrophenfall alle Daten und Anwendungen wieder herstellbar sind. Dr. Shahriar Daneshjoo, Key Account Manager bei Hitachi Data Systems, konnte durch intensive Beratung unter Beweis stellen, dass sich mit dem Einsatz eines gespiegelten Enterprise-Storagesystems, der TagmaStore USP100, und eines modularen Midrange-Speicherarrays, der Thunder 9570V, das Servicekonzept vollständig nachbilden ließ.

Eine größere Herausforderung stellte die Migration der komplexen Business-Copy-Funktion dar, eine Dreifachspiegelung der zentralen SAP-Anwendungen, die das Server-Team von Schneider mit der Datensicherungssoftware Data Protector von Hewlett-Packard bewerkstelligt. Hier wurde ebenfalls eine Lösung gefunden.

Umstellung der Archivierung

Schneider stand zudem vor der Aufgabe, die Archivierung der SAP-Dokumente von optischen Speichermedien auf schnellere und nach wie vor revisionssichere Medien zu verlagern. Gleichzeitig sollte diese neue Lösung mit dem Dokumenten-Managementsystem von Opentext verknüpft werden.

Auch an dieser Stelle konnte Schneider auf fachkundige Beratung und Unterstützung von Hitachi Data Systems bauen. Zusammen mit Gunther Dell, Senior Principal Consultant und Projektleiter bei Hitachi Data Systems, nahm V&B dieses Thema in Angriff.

Die Archivierung von Daten und Dokumenten – vorzugsweise auf „WORM-Technologie“ – sollte die Performance-Engpässe beseitigen und die geschäftskritischen Prozesse, wie den Zugriff auf archivierte eingegangene und ausgegangene Rechnungen für die Finanzabteilung, beschleunigen. Beide Seiten waren sich schnell einig, dass sich die Thunder 9570V, die Fiber-Channel- und SATA-Platten kombinieren kann, gut für die revisionssichere Archivierung von SAP-Dokumenten eignen würde.

Von der Jukebox zur Worm-Disk

Mittels Opentext-Software wurden zur Archivierung freigegebene Dokumente bis vor kurzem auf eine optische Jukebox ausgelagert. Diesen Service galt es zu verbessern, da der lesende Zugriff auf einen Beleg durch die geringe Leistungsfähigkeit des WORM-Wechslers einfach zu lange dauerte.

Das Zusammenspiel von Thunder 9570V und der Software Hitachi Data Retention Utility ermöglicht es nun Villeroy & Boch, die Dokumente revisionssicher zu speichern und gleichzeitig den Fachabteilungen einen schnellen Lesezugriff zu bieten. Dennoch bleibt die Archivierung kostengünstig durch den Einsatz von SATA-Platten. Eine rechtliche Absicherung der WORM-Fähigkeit der Lösung konnte Hitachi Data Systems durch das Zertifikat eines großen unabhängigen Wirtschaftsprüfungsinstituts attestieren.

Für Schneider wurde damit eine alte Idee umsetzbar. „Ich kann jetzt für die archivierten Daten einen fast Online-ähnlichen Belegzugriff gewährleisten und gleichzeitig durch den reduzierten Datenbestand im Primärspeicher die Antwortzeiten des SAP-Systems verbessern.“ Als nächstes größeres Projekt will Schneider die E-Mail-Archivierung zusammen mit Hitachi Data Systems lösen. Über die dafür geeignete Softwarelösung sind sich beide Parteien schon einig – Livelink for eMail Management der Firma Opentext.

Vereinfachtes Speichermanagement

Für die Neugestaltung der Speicherebenen und wegen der stark optimierten Personalstruktur in der IT-Abteilung suchte Villeroy und Boch zudem nach einer Storagemanagement-Lösung. Nach erfolgreicher Installation des Hi Command Storage Services Managers (HSSM) mit maßgeblicher Unterstützung durch Oliver Zängerle, verantwortlicher System Engineer bei Hitachi Data Systems, konnten die Mettlacher vor allem Zeit sparen.

Die Anpassung der Skripte braucht nun nicht mehr von Hand gepflegt zu werden, sondern kann über HSSM automatisch erfolgen. Eine Erleichterung brachte auch die grafische Unterstützung von HSSM, die die gesamte Speicherinfrastruktur von einer einzelnen Stelle aus sichtbar und verwaltbar macht. Insgesamt wird so vor allem das Provisioning und die Administration der SAN-Komponenten (Zoning) wesentlich vereinfacht.

Mietkaufmodell macht sich bezahlt

Finanztechnisch betrachtet hat sich die neue Partnerschaft für Villeroy & Boch ebenfalls gelohnt. Thomas Ochs und Bernhard Schneider haben mit Hitachi Data Systems ein Mietkaufmodell über 50 Monate mit festen Zahlungen ausgehandelt, das den Keramikhersteller insgesamt betrachtet sogar billiger kommt als der Kauf eines gleichwertigen Systems beim vorherigen Lieferanten.

„Ab sofort besitzen wir keine Storage-Assets mehr“, freut sich Ochs über die Übereinkunft. „Wir können heute unsere Speichersysteme flexibler und schneller auf die Anforderungen der Geschäftprozesse

anpassen.“ Nachdem nun Deutschlands bekanntester Keramikhersteller und Lifestyle-Anbieter für Tischkultur, Bad und Wellness sowie Fliesen den großen Umbau seiner IT-Infrastruktur mit der Integration von Hitachi-Speichersystemen abgeschlossen hat, steht der weiteren Eroberung ausländischer Märkte mit hochwertigem Lifestyle-Porzellan und Keramik Produkten über die Grenzen Europas hinaus nichts.

Ein wenig Geschichte und Lifestylekunde

Villeroy & Boch als ältestes europäisches Industrie-Unternehmen mit Weltgeltung, gegr. 1748 durch Francois Boch, agiert heute in 125 Ländern.

Das Unternehmen, das seit 1987 als Aktiengesellschaft geführt wird, ging 1990 an die Börse. Der Konzern mit Hauptsitz in Mettlach/Saarland ist in drei Unternehmensbereiche gegliedert:

Bad und Wellness,

Fliesen und

Tischkultur.

Produziert wird an 19 Standorten in zwölf europäischen Ländern. Die Zahl der Mitarbeiter liegt bei rund 10 000.

1998, das Jahr des 250-jährigen Firmenjubiläums, brachte eine wichtige strategische Neuorientierung, insofern hier ein Paradigmenwechsel vom produktionsorientierten Keramikkonzern zum weltweit renommierten Lifestyleanbieter vollzogen wurde.

Kern dieser neuen strategischen Ausrichtung ist das Marketing- und Vertriebskonzept „My House of Villeroy & Boch“, mit dem Endkunden wie Architekten und Planern Komplettlösungen für deren Einrichtungs- und Ausstattungsbedarf angeboten werden.

Um als Lifestyle-Anbieter komplexe Interior Design-Lösungen anbieten zu können, hat Villeroy & Boch die Diversifizierung des Angebots weiter erhöht. Durch Kooperationen und Akquisitionen wurden neue Produktkategorien im Bereich Bad und Tischkultur aufgenommen.

Angesichts unveränderter Konsumzurückhaltung im Inland kommt internationalen Absatzmärkten verstärkte Bedeutung zu. Durch den Ausbau der Internationalität konnte die Exportquote, die 1996 noch bei 46 Prozent lag, auf rund 70 Prozent erhöht werden.

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