Interview mit CEO EMEA Gregor Bieler Aparavi macht die Datenbasis sauber

Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Dr. Jürgen Ehneß

Gerade hat das Schweizer Start-up Aparavi seine Arbeit in Deutschland aufgenommen. Der Anbieter von Data Mastery will unstrukturierte Daten in Unternehmen identifizieren und hat dafür Gregor Bieler, zuletzt General Manager und Member of the Executive Board bei Microsoft Deutschland, als CEO EMEA an Bord geholt. Mit ihm sprachen wir über die Aparavi Data Mastery Plattform inklusive Aparavi Deep Intelligence Engine, die auf intelligentem maschinellen Lernen basiert.

Das Data Mastery Cockpit und die darunterliegende Data-Intelligence-Plattform von Aparavi sollen die Anwender vor einem Blindflug durch massive Datennebel bewahren.
Das Data Mastery Cockpit und die darunterliegende Data-Intelligence-Plattform von Aparavi sollen die Anwender vor einem Blindflug durch massive Datennebel bewahren.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Aparavi offeriert eine automatisierte Data-Intelligence-Plattform, mit der Unternehmen ihre unstrukturierten Daten indizieren, klassifizieren und auswerten können. Zugleich überprüft die Technologie, ob die erfassten Files mit gesetzlichen Vorgaben (zum Beispiel der DSGVO), Industriestandards und anderen Richtlinien übereinstimmen. Über eine intuitive Benutzeroberfläche – das Data Mastery Cockpit – sollen Anwender kinderleicht und ohne nennenswerte IT-Kenntnisse ihre Daten aufdecken, optimieren, klassifizieren und auswerten können.

Gregor Bieler ist als Mitgesellschafter bei dem Anbieter aus Zug eingestiegen und übernimmt neben Gründer und CEO Adrian Knapp jetzt die operative Verantwortung an der Unternehmensspitze. Von ihm wollten wir den Wirkmechanismus der Aparavi Deep Intelligence Engine, seine bevorzugte Storage-Strategie sowie seine nächsten Ziele erklärt bekommen.

Storage-Insider: Die Aparavi Deep Intelligence Engine basiert auf maschinellem Lernen. Wie arbeitet die?

Gregor Bieler: 80 Prozent aller Daten liegen im Unternehmen als unstrukturierte vor. Wir geben unseren Kunden vorrangig Bewertungsmöglichkeiten, so dass sie sich nicht durch einen Wust aus unstrukturierten Daten kämpfen müssen. Die Aparavi Deep Intelligence Engine führt dafür eine Analyse der Metadaten durch, kombiniert mit dem Durchsuchen von Inhalten. So können zum Beispiel Fragen beantwortet werden wie die nach allen Lebensläufen, die in den vergangenen sechs Monaten abgelegt wurden. Laut Artikel 17 der DSGVO müssen die ja nach einem halben Jahr gelöscht werden.

Die Aparavi Deep Intelligence Engine ist auch für die Datenveredlung oder für Produktbeschreibungen von höchster Wichtigkeit. Die zugehörigen Daten sind im Unternehmen oft in den unterschiedlichsten Bereichen abgelegt; wir finden sie und führen sie zusammen. Bei manchen Kunden führt das durchaus zu Aha-Erlebnissen.

Oft stellen die Unternehmen auch fest, dass sie 30 oder 40 Prozent Daten zu viel abgespeichert haben – was angesichts horrender Speicherkosten schnell in die Millionen geht. Aktuell bieten wir ein Post-Corona-Daten-Audit an, weil viele Unternehmen im Zuge des Videokonferenzbooms die Oberhoheit über ihre Daten zu verlieren drohen.

Und wie geht das nun technisch vor sich?

Bieler: Die Aparavi Deep Intelligence Engine erkennt 1.500 verschiedene Dateiformate, und wir können in die Dokumente auch hineinschauen. In PDFs wird jedes Wort getagged und indiziert, so dass beispielsweise Lebensläufe oder die besagten Produktbeschreibungen erkannt werden. Dazu erkennt die Aparavi Deep Intelligence Engine 160 Metadaten – durch die Kombination erkennen wir 99,99 Prozent aller Inhalte. An der Erkennung von Bildern und Videos arbeiten wir mit Hochdruck.

Die Aparavi Deep Intelligence Engine erkennt auch Muster, etwa in Kommunikationen. Streitgespräche oder unlautere Praktiken lassen sich so einfach aufdecken, ein Skandal wie der um Wirecard wäre mit uns viel früher aufgeflogen. Zumal die Aparavi Deep Intelligence Engine 120 Policies eingebaut hat, die permanent aktualisiert werden. Das hilft ungemein, etwa bei ISO-Überprüfungen.

Gregor Bieler, CEO EMEA bei Aparavi.
Gregor Bieler, CEO EMEA bei Aparavi.
(Bild: Aparavi)

Das erste Fazit lautet also: Aparavi macht die Datenbasis sauber – was für eine spätere korrekte Analyse Voraussetzung ist. Können wir für die nahe Zukunft mit engeren Kooperationen mit Business-Intelligence-Anbietern rechnen?

Bieler: Das dürfen Sie, zum aktuellen Zeitpunkt will ich mich dazu aber nicht näher einlassen.

Dann eine andere Frage: Als CEO EMEA sind Sie ab sofort für den Ausbau des Geschäfts in der Region zuständig. Was dürfen wir erwarten, was sind ihre Nahziele? Gibt es bereits Partner, die den Vertrieb in Deutschland übernehmen wollen?

Bieler: Auch dazu können wir zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen, sorry. Die Verhandlungen sind aber im vollen Gange, da wird noch viel zu hören sein.

Nach dem Start in Deutschland wollen Sie sukzessive den Aufbau des Geschäfts in weiteren europäischen Ländern in Angriff nehmen. An welche denken Sie dabei?

Bieler: DACH ist natürlich unser erstes Ziel, danach gehen wir den europäischen Raum an, wobei man natürlich als erstes an England, Frankreich und Spanien denkt. Aber auch Russland erscheint uns als Markt sehr lohnend. In sechs bis zwölf Monaten werden hier Aktionen zu sehen sein. Insgesamt sind sechs oder sieben Länder unser Ziel.

Die Rechtslage sieht vor, dass Unternehmen Daten, auch unstrukturierte, für einen bestimmten Zeitraum abspeichern. Die Storage-Lösungen in Unternehmen sind oft heterogen und historisch gewachsen. Denken wir an ein Unternehmen, das frisch auf der grünen Wiese hochgezogen wird – zu welcher Storage-Strategie würden Sie angesichts der massiven Datenflut raten?

Bieler: Als Vertriebschef von Microsoft habe ich jahrelang die Cloud propagiert und tue das heute noch. Grundsätzlich rate ich zu einer hybriden Storage-Strategie: absolut kritische Daten ins eigene Rechenzentrum, der Rest in die Cloud großer Anbieter.

Das „Data Mastery Cockpit“ von Aparavi wird bei Microsoft in der Frankfurter Azure-Cloud bereitgestellt. Warum Microsoft? Warum hosten Sie das nicht selbst? Und ist für die Zukunft mit dem Einsatz weiterer Hyperscaler, namentlich Google oder AWS, zu rechnen?

Bieler: Ja, wir sind in Microsoft Azure, doch im Kundengespräch hören wir oft AWS, seltener Google Cloud. Insofern können sie für die kommenden Monate damit rechnen, dass wir auch aus AWS zu finden sein werden.

Die Plattform wird in einem SaaS-Modell angeboten. Können Kunden das auf keinen Fall On-Premises nutzen?

Bieler: Ja, denn wir wollen niemanden zu seinem Glück zwingen.

Vielen Dank, Herr Bieler!

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Dr. Dietmar Müller

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Journalist