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Daten mit dem Betriebssystem Mac OS X 10.5 Leopard sichern Apples Time Machine automatisiert Backups

| Autor / Redakteur: Bernhard Schoon / Nico Litzel

Time Machine, das neue Backup-Feature des Apple-Betriebssystems Mac OS X 10.5 „Leopard“, ermöglicht eine komfortable Rückschau auf alte Dateibestände. Storage-Insider.de hat die Funktion näher unter die Lupe genommen.

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Time Machine schickt den Anwender auf Zeitreise. Besonders gut bei den Usern kommt die futuristische Darstellung der alten Datenbestände an.
Time Machine schickt den Anwender auf Zeitreise. Besonders gut bei den Usern kommt die futuristische Darstellung der alten Datenbestände an.
( Archiv: Vogel Business Media )

Ende Oktober kam „Leopard“, so der Deckname des neuen Apple-Betriebssystems Mac OS X 10.5, in den Handel. Über 300 neue Features, so ein Versprechen des Herstellers, sollen dem Anwender zu mehr Komfort und Schnelligkeit bei der täglichen Arbeit verhelfen.

Eine der nützlichsten Funktionen ist das Backup-Feature „Time Machine“. Sollten einmal Daten fehlen, kann man bis zu dem Zeitpunkt zurückgehen, zu dem sie sich noch auf der Festplatte befanden, und so die alten Schätze wieder bergen.

Wie von Apple gewohnt, ist die Bedienung von Time Machine sehr einfach. Beim Anschluss einer externen Festplatte, ob mit oder ohne Daten, will Time Machine wissen, ob man sie „Als Backup-Volume verwenden” möchte. Nach der Bestätigung legt die Software auf der Platte das neue Verzeichnis Backups.backupdb an. Dieses enthält den Namen des Macs sowie aller Ordnern und Dateien, die sich gerade auf dem Computer befinden.

Als Sicherungsmedium eignen sich externe Festplatten, ein weiterer Macintosh mit dem Betriebssystem Leopard und aktiviertem Personal File-Sharing, ein Leopard-Server oder die Xsan-Speichersysteme von Apple.

Inkrementelle Sicherung

Nach der Inbetriebnahme legt Time Machine ein komplettes Voll-Backup der lokalen Festplatten an, danach inkrementell nur noch die Änderungen im Dateisystem, hinzugenommene oder veränderte Dateien und Ordner sowie die Information, welche inzwischen gelöscht wurden.

Der Macintosh, dessen Daten gesichert werden sollen, muss einen Namen ohne Sonderzeichen tragen, sonst zeigt Time Machine die gesicherten Daten nicht mehr an. Wie Apple in einem Support-Dokument veröffentlicht, sollte man für den Mac nur Klein- und Großbuchstaben sowie Ziffern verwenden. Auch der Apostroph („Peter‘s Mac”) ist nicht zulässig, wenn Time Machine ordentlich funktionieren soll.

Zudem empfiehlt Apple, bei der Verwendung einer externen Festplatte diese ausschließlich für Time-Machine-Sicherungen zu verwenden und keine zusätzlichen Daten darauf zu speichern. Der Grund: Time Machine schließt den Inhalt des Sicherungsmediums automatisch vom Backup aus. Hat der Anwender also dorthin seine MP3-Dateien oder Fotos ausgelagert, werden diese nicht gesichert.

Daten ohne Ende?

Die erste Befürchtung, die in Anwenderkreisen aufkommt, ist stets der enorme Speicherbedarf der Backups. Obwohl Time Machine nur inkrementelle Backups vornimmt, also nur neu hinzugekommene oder geänderte Dateien auf das Sicherungsmedium schreibt, kann eine Festplatte je nach Anwender und Festplatte schon sehr früh voll sein. Wer etwa Videos an seinem Mac schneidet, benötigt auch beim Sichern aller Zwischenversionen entsprechend viel Platz. Große Dateien, beispielsweise Filme oder Datenbanken, die nicht verändert werden, nehmen hingegen den Speicherplatz nicht mehrmals in Beschlag.

Bei einer Präsentation in der Deutschland-Zentrale von Apple empfahl ein Produktverantwortlicher die jeweils größte erschwingliche Festplatte, denn je größer die Platte, desto mehr zurückliegende Datensicherungen stehen zur Verfügung.

Spam wird mitgesichert

Bedenklich ist jedoch der Mail-Client „Apple Mail”, der mit jedem Macintosh ausgeliefert wird und sich weiter Verbreitung erfreut. Mit Time Machine dürften E-Mails jedoch für Verdruss sorgen, denn die komplette Spam-Mail eines Users, die nicht innerhalb einer Stunde gelöscht wird, wandert mit auf die externe Platte. Auch die gängige Praxis, Mails mit Anhängen im Megabyte-Bereich zu garnieren, dürfte das Sicherungs-Verzeichnis auf der externen Festplatte unnötig aufblähen.

Um den für Sicherungen benötigten Speicherplatz gering zu halten, lässt sich die Sicherung auf bestimmte Daten beschränken und Dateien und Ordner von der Sicherung ausschließen. Im Falle der lokal gespeicherten E-Mail wäre das nur dann zu empfehlen, wenn ein Mail-Provider wirklich viele und wichtige ältere Mails dauerhaft vorhält.

In den Systemeinstellungen des Betriebssystems Leopard findet man in der Rubrik Time Machine lediglich einen Aus-/Ein-Schalter und zwei Schaltflächen. Damit lässt sich die Backup-Software zeitweise auch abschalten, beispielsweise beim Sortieren von Dateien oder beim Bewegen eines Ordners in den nächsten, wenn die Daten nicht im Ursprungs-, im Zwischen- und im Zielverzeichnis gesichert werden sollen. Auch lässt sich der Mac bei sehr rechen- und speicherintensiven Prozessen durch das Abschalten von Time Machine beschleunigen.

Alte Datensicherungen werden gelöscht

Wird der Speicherplatz auf dem Sicherungsmedium erst einmal knapp, beginnt Time Machine mit dem Löschen früherer Kopien, die älteste jeweils zuerst. Der Anwender erhält allerdings frühzeitig eine entsprechende Warnung. Vor dem Löschen einer Datensicherung kopiert Time Machine jedoch alle Dateien, die für die Wiederherstellung einer kompletten Festplatte mit den übrigen Sicherungen notwendig sind. Eine Erweiterung des Dateisystems HFS+ sorgt dafür, dass dieses auch bei einer inkrementellen Sicherung problemlos funktioniert.

Falls der Anwender seine Daten dauerhaft sichern will, sollte er die Festplatte vom Computer trennen und an einem sicheren Ort möglichst unangetastet aufbewahren. Für weitere Sicherungen muss er sich dann eine neue Festplatte in Betrieb nehmen, die Time Machine beim ersten Verbinden mit dem Mac auch sofort erkennt und als neues Sicherungsmedium verwendet.

Bei 20 Cent für ein Gigabyte, so die aktuellen Straßenpreise, ist das Archivieren von Festplatten etwas teurer als mit mehrmals beschreibbaren DVDs, auf denen ein Gigabyte ebenfalls 20 Cent kostet. Aber: Durch den Automatik-Betrieb von Time Machine erspart man sich die Fummelei mit den Silberscheiben, außerdem wird ein Stapel aus mehreren DVDs schnell unübersichtlich, wenn eine bestimmte Datei aufgefunden werden soll.

Die Suche beginnt

Zum Wiederfinden alter Dateien ist die sogenannte Wiederherstellungs-Konsole gedacht. Hier gibt man Textzeilen oder Stichworte ein. Anschließend sieht der Anwneder eine Uhr, deren Zeiger sich rückwärts drehen. Kurz: Die Zeitreise kann beginnen. In der Fenstermitte lässt es sich mit CoverFlow durch die Ordner navigieren, die wie gestapelte DIN-A4-Seiten wirken. Durch einen Klick auf ein dahinter liegendes Fenster, auf einen der beiden Pfeile oder auf die Zeitleiste am rechten Rand bewegt man sich durch die Vergangenheit. Der Inhalt des angezeigten Ordners verändert sich entsprechend der Zeit, die in der unteren Leiste angezeigt wird. Im jedem Finder-Fenster lassen sich beliebig viele Dateien und Ordner markieren und mit einem Klick an ihrem Ursprungsort wieder herstellen.

Statt der Konsole von Time Machine kann man auch den Finder verwenden, aber auch andere Features des Betriebssystems, vor allem Spotlight und das neue CoverFlow. Time Machine arbeitet auch mit iPhoto und dem Adressbuch von Apple zusammen, die zum Lieferumfang eines jeden Macintoshs gehören.

Ist eines dieser Programme aktiv, kann man mit der Wiederherstellungs-Konsole von Time Machine die alten Datenstände aufrufen. Neben dem Finder kann auch die Installations-DVD des Betriebssystems auf Time-Machine-Sicherungen zugreifen und ein System auf dem aktuellen Stand komplett wieder herstellen.

Backup-Intervalle

Bedingt durch die Intervalle der Backups kann der Macintosh mit Time Machine aber auch Dateien verlieren. Für die letzten 24 Stunden erfolgen die automatisierten Backups stündlich, wobei alle Stunden-Backups, die älter als 24 Stunden sind, gelöscht werden. Für den aktuellen Monat legt Time Machine tägliche Backups an und löscht die älteren Tages-Backups. Nur die die wöchentlichen Backups werden so lange archiviert, bis das Speichermedium voll ist.

Denkbar wäre nun der Fall, dass ein Anwender ein Foto oder eine MP3-Datei auf seinen Rechner lädt und innerhalb einer Stunde wieder löscht. Falls das tägliche Backup nicht gerade während dieser Zeitspanne erfolgt, könnte diese Datei für immer verschwinden.

Time Machine kann auch die Sicherung einzelner Verzeichnisse auslassen, darunter jene Zwischenverzeichnisse, in denen man große Datenmengen nur kurz bereithält, um sie in ein anderes Verzeichnis weiter zuschieben, etwa nach dem Rendern oder Konvertieren eines Films. Immerhin schreibt Time Machine die Daten unverschlüsselt auf das Sicherungsmedium und archiviert sie dort, obwohl die Datei nur kurz auf der Festplatte gespeichert und schnell wieder gelöscht werden soll.

Vorsicht beim Verschieben

Ein weiterer Bug, der schon von den Vorgänger-Betriebssystemen „Tiger“ und „Panther“ bekannt ist, wurde immer noch nicht behoben: Beim Verschieben von Verzeichnissen kann es zu Datenverlusten kommen, sobald der Zielspeicher überraschend ausfällt. Dabei kann es sich um ein Volume im Netzwerk oder eine Festplatte in einem externen USB- oder Firewire-Gehäuse handeln.

Wird ein Netzlaufwerk während des Verschiebens getrennt oder fällt dabei eine Festplatte aus, können die Daten am Ursprungsort komplett verloren gehen, obwohl sie noch nicht vollständig an den neuen Zielort übertragen wurden. Statt wichtige Daten zu verschieben, sollte man sie daher besser kopieren und danach manuell am Ursprungsort löschen.

Apples Konzept kommt gut an

Da eine Schnittstelle zu Time Machine auch anderen Herstellern offen steht, sind bald weitere Anwendungen zu erwarten, die mit der Backup-Lösung zusammenarbeiten. Natürlich ist eine solche „Zeitreisen-Software“ keine wirklich neue Idee. Was Time Machine jedoch von ähnlichen Programmen unterscheidet, ist die futuristische Darstellung der Ergebnisse mit dem Galerie-Feature „CoverFlow”, das mit Leopard ebenfalls seine Premiere hatte. Mit seiner Vorschau-Ansicht ermöglicht es das Stöbern und Blättern in den historischen Dateibeständen. Dass dem Anwender diese Features sehr zusagen, hat sich schon deutlich gezeigt: Nur vier Tage nach der offiziellen Freigabe von Leopard hatte Apple über zwei Millionen Exemplare des neuen Betriebssystems verkauft.

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(ID:2009255)