Archiware Presstore im Einsatz bei der Medizinischen Hochschule Hannover

Backup- und Archivierungslösung erhält medizinische Lehrfilme für die Nachwelt

12.11.2007 | Autor / Redakteur: Bernhard Schoon / Nico Litzel

Voransicht eines mit Presstore archivierten Videos der Kinderherzchirurgie, aufgenommen an der Medizinischen Hochschule Hannover.
Voransicht eines mit Presstore archivierten Videos der Kinderherzchirurgie, aufgenommen an der Medizinischen Hochschule Hannover.

Zur Verwaltung von Filmdokumentationen aus der Herzchirurgie ist die Medizinische Hochschule Hannover auf eine Backup- und Archivierungslösung angewiesen, die Datenbestände von mehreren Terabyte sicher bewältigt.

Auf 400.000 Quadratmetern, das entspricht mehr als 50 Fußballfeldern, vereint die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) die Ausbildung von Ärzten und Zahnärzten, eine bedeutende Forschungseinrichtung und ein Krankenhaus mit Maximalversorgung. Das Universitätsklinikum im Stadtteil Groß-Buchholz verfügt über eine Vielzahl von Fachbereichen, darunter auch eine der führenden Kliniken im Bereich der Kinderherzchirurgie.

Von den jährlich rund 90.000 Herzoperationen in Deutschland werden fünf Prozent an Kindern mit angeborenen Herzfehlern durchgeführt. Um die verschiedenen Prozeduren für Ausbildungszwecke zu demonstrieren, werden die kinderherzchirurgischen Eingriffe der Abteilung für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie der MHH mit einer sterilen Videokamera aufgenommen.

In voller Länge haben die Videos eine Größe von bis zu 50 Gigabyte pro Operation, doch werden sie nach der Aufnahme am Macintosh zu 10 bis 15 Minuten langen Lehrfilmen in den gängigen Formaten der Apple-Systemwelt weiterverarbeitet. Dadurch reduziert sich das Datenvolumen auf ein Zehntel.

Backup bewahrt Wissensschatz

Ein wachsender Fundus an dokumentierten Operationsverfahren bedeutet aber auch ein ständig zunehmendes Datenvolumen. Da fast jeden Tag ein neuer Film entsteht, ist das Archiv auf über 200 fertig produzierte Lehrfilme zur internen Ausbildung angewachsen. Mit der Zeit entsteht so ein unersetzlicher Wissensschatz, der nicht verloren gehen darf. Das führte zu der Notwendigkeit, neben dem Backup von Betriebssystemen und Client-Maschinen auch eine Archiv-Software einzusetzen, die Datenvolumina von fünf bis sechs Terabyte sicher verwaltet.

Ein Produkt aus der Druckvorstufe

Für Dr. Thomas Breymann, Leiter der Kinderherzchirurgie an der MHH, war die plattformübergreifende Funktionsweise der Backup-Lösung ein entscheidendes Kriterium. „Ausschlaggebend für unsere Wahl war, dass alle Daten in einem plattformneutralen Format archiviert und verwaltet werden können. So können sie später problemlos auf allen angewendeten Plattformen wieder hergestellt werden.“ In der Kinderherzchirurgie werden momentan die Betriebssysteme Mac OS X, Linux und Windows eingesetzt.

Bei der Evaluierung des Backup-Ansatzes übernahm das Systemhaus Cancom aus Hannover die Beratung und Betreuung; Distributor war die Firma Pro Datentechnik + Systemberatung aus Hamburg. In die engere Wahl kam so Presstore von Archiware, eine für die Systemwelt des Apple Macintosh entwickelte Backup-Software, die zurzeit überwiegend in der Druckvorstufe zum Einsatz kommt.

Backup, Synchronisation und Archivierung

Presstore besteht aus drei Modulen zum Backup, Synchronisieren und Archivieren und eignet sich für die Betriebssysteme Solaris, Linux, Mac OS X und Windows. Die seit 2002 angebotene Software arbeitet auch mit allen gängigen Speichergeräten wie externen Platten, optischen Medien und Bandlaufwerken zusammen.

Seit Februar 2006 setzt die MHH das Backup-Modul von Presstore ein, das Archivmodul seit Dezember 2006. Mit der Software werden alle Daten in einem plattformneutralen Format gesichert, sodass sie später auf anderen Systemen ohne Verlust restauriert werden können.

Bei der Archivierung können zusätzliche Beschreibungsfelder hinzugefügt werden, sodass die Filme später eindeutig auffindbar sind. Außerdem erweisen sich die Voransichten, die man im Archiv automatisch von Presstore erstellen lassen kann, bei der Suche nach bestimmten Operationsvideos als besonders hilfreich.

Die Rechner-Hardware, zwei Xserve-Workgroup-Server von Apple und ein RAID-System für 15 Clients, wurde von Cancom eingerichtet und die Backup-Software in Betrieb genommen. Gleichzeitig wurde ein RAID-System mit zwei Controllern für RAID-5 installiert, das einseitig bestückt rund 5,7 Terabyte aufnimmt. Ein zweites RAID-System mit Controllern soll das System später auf die maximale Ausbaustufe bringen.

Das bestehende RAID-System ist ebenso an einen Fibrechannel-Switch angeschlossen wie eine erweiterbare Tape-Library der Overland-NEO-Series 2000 mit modularer und redundanter Robotik. Die Bandbibliothek verfügt über 29 Bänder und ein Reinigungsband. Nach einer kurzen Einarbeitungsphase konnte auch ein nicht hauptberuflich tätiger Informatiker die Backup-Software sicher bedienen.

Systematische Backups

Einmal pro Monat wird ein vollständiges Backup nach dem Großvater-Vater-Sohn-Prinzip vorgenommen und wie in der Default-Einstellung von Presstore in drei Zyklen vorgehalten. Der Voll-Dump aller Dateien findet jeweils an einem Samstag statt, wenn die Geräte der Mitarbeiter nicht in Betrieb sind. Zudem werden die Daten auf dem zweiten RAID gespiegelt abgelegt und zusätzlich auf der Overland-Maschine auf Tape gespeichert. Insgesamt umfasst das Datenvolumen vier bis fünf Terabyte pro Voll-Backup.

Jede Nacht um 4.30 Uhr werden zudem die Datenbanken, Application Server und Systemfestplatten inkrementell gesichert. Dazu wird die Sybase-Enterprise-Datenbank aus Presstore über Skripts zum Stoppen, Sichern und erneutem Hochfahren gesichert. Die dazu erforderlichen Skripts für den Backup-Betrieb entstanden in Eigenleistung der MHH, da Archiware für spezifische Abläufe der einzelnen Anwender keine Defaults mitliefert.

Die MHH hat sich sowohl beim Backup- als auch beim Archivmodul für eine Service-Update-Vereinbarung entschieden. Damit stehen alle Software-Updates zur Verfügung, darunter auch das neue Release Presstore 3.0, das im Dezember die Marktfreigabe erhalten wird. Innerhalb des ersten Jahres ist dieser Service im Kaufpreis enthalten. Sofern er nicht gekündigt wird, verlängert sich der Vertrag automatisch um ein weiteres Jahr.

Selbst geschaffene Probleme, beispielsweise ein nicht mehr lesbares File-System aufgrund eines korrupten Betriebssystems, konnte Archiware mit Systembefehlen auf der Shell-Ebene beseitigen. Über einen VPN-Zugang wurde das System neu aufgesetzt und die entsprechende Software sowie die License Keys aufgespielt. Da keine Patientendaten auf dem betroffenen System vorgehalten wurden, waren der Fernzugriff und die Remote-Fehlersuche durch Archiware auch rechtlich zulässig.

Ernstfall gemeistert

Wie in anderen Anwendungs-Umgebungen auch, bildet jedoch nicht die Software den kritischen Punkt. Als eine von zwei Zusatzfestplatten, die als ein Volume behandelt werden, ausfiel, war auch die andere nicht ansprechbar. Im Hot-Plug-Austausch dauerte die Restauration nur rund 30 Minuten, sodass man den Ernstfall mit relevanten Daten bereits hinter sich hat.

Das Fazit zieht Dr. Thomas Breymann: „Mit Presstore sind wir hier in der Medizinischen Hochschule im Bereich Kinderherzchirurgie außerordentlich zufrieden, und dies nicht zuletzt wegen eines sicher überdurchschnittlich guten Supports.”

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